(Foto: Dr. Holger Klink)
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Mülheim. Nun ist es offiziell: Nach Zustimmung durch das Präsidium des Deutschen Alpenvereins (DAV) übernimmt der Mülheimer Alpenverein von der DAV-Sektion Hagen die Böseckhütte in der Goldberggruppe. Die Mülheimer Bergfreund/innen verstärken damit einmal mehr ihr Engagement im Nationalpark Hohe Tauern, dem größten Schutzgebiet der Alpen.

Die Hochgebirgshütte am Rande des Nationalparks Hohe Tauern ist neben der Mülheimer Eifelhütte in der Rureifel das zweite Schutz- und Unterkunftshaus der hiesigen Alpenvereinssektion – und die erste in den Alpen in ihrer über 100-jährigen Geschichte. „Ein historischer Schritt, wir schließen damit eine zentrale Lücke in unserem Einsatz für nachhaltigen Bergsport und Naturschutz“, konstatiert Michael Cremer, Erster Vorsitzender und Ressortverantwortlicher. Schon 2017 hatte die Sektion die Verantwortung für den Westerfrölkeweg (AV-Weg Nr. 143) von der ortsansässigen Sektion Mallnitz des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) übernommen, an dem die Böseckhütte gelegen ist. Holger Klink, zuständiger Referent, organisiert seit 2016 die Arbeitseinsätze für den anspruchsvollen Gratsteig, der entlang des Tauerntals bis zum Tauernhöhenweg an der Feldseescharte führt. Während des Sommers sind hier regelmäßig etwa 20 Sektionsmitglieder ehrenamtlich im Einsatz, um den Weg zu pflegen und instand zu halten. „Die Böseckhütte spielt dabei als Stützpunkt auf halber Wegstrecke eine bedeutende Rolle“, erklärt Klink. Denn der etwa 12 Kilometer lange Westerfrölkeweg erfordert zwei Tage mit je rund sechs bis sieben Stunden Gehzeit. Er überwindet dabei etwa 2.800 Höhenmeter. So wäre also auch die Wartung des Weges ohne die Böseckhütte kaum leistbar, stellen beide nüchtern fest.

Anfang der 1930er Jahren erbaut, beherbergt die Böseckhütte seit 1932 Wanderer und Hochtourengeher/innen, auch als Ausgangspunkt zur Besteigung des gleichnamigen Gipfels (2.854m), in dessen Schatten sie liegt. Bis zu sechs Bergsteiger/innen bietet sie als Biwak Platz. Allerdings verfügt sie weder über eine Heizung noch über eine Wasserversorgung oder eine Toilette. So haben die Mülheimer Alpinist/innen auch mit der Hütte im Lauf der nächsten zehn Jahre einiges zu tun, weiß Holger Klink zu berichten. „In diesem Sommer wollen wir beginnen, eine solarbetriebene Lüftungsanlage dort oben zu installieren. Sie wird dann auch etwas Wärme in die Hütte bringen können.“ Denn die Lage der Böseckhütte ist sehr ausgesetzt. Selbst im Hochsommer kann es hier oben eisige Temperaturen, sogar Schneefall geben. Auch an einer Lösung für die Toilette wird schon gearbeitet. Teils kooperiert die Sektion hier mit Hochschulen aus Österreich. „Unser Ziel ist eine ver- und entsorgungsautarke Hütte, die sich naturverträglich in die sensible Biosphäre des Hochgebirges einfügt“, formuliert Cremer die zu bewältigende Aufgabe. Eine echte Herausforderung also. „Aber wenn uns das hier oben gelingt, wo es praktisch keine Infrastruktur gibt, ist das auch beispielhaft für entsprechende Projekte im urbanen Umfeld“, bringt er es auf den Punkt. Und nach Einschätzung von Klink wird die Frequentierung der Hütte aufgrund des anspruchsvollen Geländes auch überschaubar bleiben. „Der Westerfrölkeweg ist nur etwas für Tourengeher/innen mit viel Erfahrung, die die Abgeschiedenheit in hochalpiner Natur suchen. Spazieren geht hier niemand“, sagt er und schmunzelt. Nicht umsonst ist der Weg als schwarze Route klassifiziert, was auf höchste Beanspruchung von Mensch, Technik und Material hinweist. So wird Mülheims höchstgelegenes Gebäude wohl kaum eine Massenherberge werden, sondern eher etwas für ambitionierte Individualisten.

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