(Foto: privat)
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Mülheim an der Ruhr. Die Außenwohngruppe des Mülheimer Hermann-Giese-Hauses stellt sich vor

In der Außenwohngruppe Tilsiterstraße, von den Bewohnenden liebevoll „Tili“ genannt, leben Menschen mit Behinderungen. Getreu dem Motto so eigenständig wie möglich, so viel Betreuung wie nötig.

Jeder und jede hat ein eigenes Zimmer, ein großes Wohnzimmer gehört ebenso allen wie der idyllische Garten, die Stimmung und das Miteinander sind ideal. Fragt man die sechsköpfige Runde aber, wer für immer hier wohnen möchte, erntet man ein entschiedenes „Nein“. Dabei hat die WG alles, was man zum Wohlfühlen braucht. Doch für Jasmin (30) und ihren Freund Patrick (27), Nadine (30) und ihren Partner Kai (31) sowie
Anette (35) wäre es das Größte, wenn sie eine eigene Wohnung hätten. Lediglich Magdalena (56) wünscht sich einen Verbleib in der „Tili“ – wie sie alle die Außenwohngruppe des Hermann-Giese-Hauses in der Tilsiterstraße nennen. „Leider bin ich nicht mehr so mobil und kann nicht ganz alleine wohnen.“

Vorbereiten auf die eigene Wohnung

Die Außenwohngruppe für Menschen mit Behinderungen gehört zur Theodor Fliedner Stiftung, insgesamt bietet die Stiftung in Mülheim 24 Außenwohnplätze. Sie können für viele Bewohnenden eine Zwischenstation auf dem Weg in die ersten eigenen vier Wände sein. Unter der Woche ist zwischen 16 und 21 Uhr eine Betreuungsperson vor Ort, am Wochenende auch länger. „Nachts kann man uns in Notfällen  jederzeit erreichen“, erklärt Bereichsleiterin Christiane Gercke aus dem Hermann-Giese-Haus. „Wir versuchen, die Menschen hier auf das eigenständige Leben bestmöglich vorzubereiten“, sagt Doris Bähr-Beumer, Leiterin der WG. Die Arbeit passt somit gut zum Jubiläumsjahr der Theodor Fliedner Stiftung. Einer der Leitsprüche für das 175-jährige Jubiläum ist „Wir geben nicht nur Perspektiven. Wir haben auch eine.“

Quatschen, Fußball und neue Mitbewohner

Einkaufen, kochen, der Weg zur Arbeit – Dinge des alltäglichen Lebens werden trainiert und in die Eigenverantwortung der sechs gelegt. Voraussichtlich wird Ende des Jahres wieder ein neuer Mitbewohner oder eine Mitbewohnerin gesucht. „Gute Laune soll die Person mitbringen“, fasst es Kai zusammen. Für den Spaßmacher der WG, seine Maulwurf-Parodie des bekannten Puppenspielers Rene Marik ist selbst bühnenreif, spielen Dinge wie Alter oder welche Behinderung jemand hat, keine Rolle. „Es muss menschlich passen.“ Denn am Feierabend, die meisten arbeiten in den Fliedner Werkstätten oder auf Außenarbeitsplätzen, wird regelmäßig gespielt, getratscht oder gechillt. Gestritten wird hier natürlich auch. „Aber wir vertragen uns schnell wieder“, betont Jasmin. Vor allem in den letzten Wochen dürfte der eine oder andere Spruch gefallen sein. Denn die sechs sind große Fußballfans. Hier leben Dortmundfans mit Schalkern unter einem Dach, Doris Bähr-Beumer fiebert mit Mönchengladbach mit. Aber auch bei diesem Thema wird niemand ausgegrenzt. Außer er ist Bayern-Fan. „Das muss nicht unbedingt sein“, scherzt Kai, relativiert aber direkt. „Solange er nett ist, kriegen wir auch das hin.“

Interessierte an einem Wohnplatz können sich melden unter

Hermann-Giese-Haus
Schmitzbauerstraße 9
45473 Mülheim an der Ruhr
Telefon: (02 08) 9 90 19 -0
Telefax: (02 08) 9 90 19 -30
info.hermann-giesehaus@fliedner.de
www.giesehaus.fliedner.de

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