Die Mercatorinsel wartet mit dem angelgten Park und der Skulptur Echo des Poseidon darauf, dass Besucher endlich die Zugangstreppe von der Friedrich-Ebert-Brücke nutzen dürfen (Foto: Peter Jacques)
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Duisburg. Mit fünf Veranstaltungen wagt das Kreativquartier Ruhrort beim 40. Duisburger Kulturfestival Akzente „Utopien“ den Blick zurück in die Zukunft

Maßnahmen zur Stadterneuerung sind geprägt von einer zugrundeliegenden Vision, einem Plan, also einer „Utopie“ von dem Zustand, den die Planer und Projektbeteiligten anstreben. Zwei Zeitabschnitte für das Duisburger Hafenquartier, in denen solche Utopien umgesetzt wurden,  waren in der Vergangenheit die IBA Emscherpark und das Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010.

Die IBA Emscherpark brachte in den 90er Jahren Impulse zur Stadtentwicklung und – gestaltung, während die Local Hero-Woche 2010 mit Impulsen zur kulturellen Stadtentwicklung den Grundstein für das heutige Kreativquartier Ruhrort legte.

Auf beide Entwicklungsschritte schauen zwei Filme, die zu den 40. Duisburger Akzenten nun erstmals in Ruhrort öffentlich aufgeführt werden. Während „Oortswandel“ von Thomas Bouvier die Entwicklungen der IBA Emscherpark dokumentiert, schaut „Haniel@RUHR.2010“ auf die wichtigsten Impulse durch das Kulturhauptstadtjahr, in dem Ruhrort der Hafen der Kulturhauptstadt war zurück.

An die Filmaufführungen, die Sonntagnachmittags um 16 Uhr im Lokal Harmonie stattfinden, schließt sich jeweils eine Podiumsdiskussionsrunde an, zu denen Kreativquartier Moderator Heiner Heseding Beteiligte und Zeitzeugen wie EG-DU Geschäftsführer Carsten Tum, Haniel Direktorin Jutta Stolle, Filmemacher Thomas Bouvier und andere eingeladen hat.

Zwei sogenannte „Utopiengänge“ richten jeweils am Samstag zuvor ab 15 Uhr den Blick auf Bestehendes und Erhofftes.

Gilt Ruhrort heute als das aufstrebende Szeneviertel der Stadt, so sehen die Bewohner, Künstler und Gestalter weiterhin reichlich Ansätze für Veränderung. Ist dem einen an der Entwicklung des touristischen Potenzials gelegen, wünschen sich andere weitere Freiräume für Kunst und Kultur, um den weiterhin offensichtlichen Leerstand von ehemaligen Ladenlokalen zu reduzieren. Kaum jemand, der nicht von der teilweise chaotischen Verkehrssituation beeinträchtigt wäre.

Wo sind die Orte für Veränderung und welche Möglichkeiten erträumen sich die Ruhrorter? Welche Lösungen könnten pragmatisch bestehende Mängel beheben? Diese Fragen werden bei geführten Spaziergängen im Quartier an Rhein und Ruhr thematisiert und diskutiert, die am Gemeindehaus Ruhrort starten.

Der Schriftsteller Thomas Frahm nimmt Besucher mit auf eine Zeitreise in den historischen Werfthafen, der nicht nur ein bedeutendes Stück Duisburger Industriekultur repräsentiert, sondern auch von vielen als Ort gescheiterter oder verhinderter Visionen angesehen wird. Medienkünstler MW Erdmann zeigt anhand seiner Ideen zur Destination Ruhrort auf, wie künstlerische und kommerzielle Interessen zum Wohle Ruhrorts verbunden werden könnten. Der Storyteller Mick Haering hat mit seiner Liebe zur grünen Insel Irland bereits einen Nerv im Quartier getroffen und Sehnsuchtsplätze gefunden. Schauspielerin Amira Bakhit und Gitarrist Thorsten Töpp widmen sich dem Denkmal des Schutzpatrons der Binnenschiffer. Quartierskenner Heiner Heseding bietet einen Blick  auf Perlen, die offensichtlich oder im Verborgenen auf den Moment warten, (wieder) entdeckt oder freigelegt zu werden.

Mit einem Lese- und Hörstück des Ruhrorter Autoren und Journalisten Ralf Koss, endet der Ruhrorter Beitrag zum diesjährigen Kulturfestival der „Stadt von Feuer und Wasser“.  Wie lassen sich die öffentlich diskutierten Entwürfe für eine globale und digitale Welt in einem urbanen Kontext einordnen? Wie hilfreich sind diese für jeden persönlich? Lässt sich mit ihnen eine pragmatische Wirklichkeit gestalten? Fragen, zu denen Fantasien die Gedanken des Publikums anregen sollen.

Samstag, 16.3. und Samstag, 23.3.2019 15 Uhr geführte Utopiengänge durch Ruhrort | Treffpunkt Gemeindehaus Ruhrort, Dr.-Hammacher-Str. 6 | Eintritt: frei

Das Kreativquartier Ruhrort bietet neben zahlreichen gelungenen Projekten und einer vibrierenden Kulturszene weiterhin reichliche Ansätze für eine kulturelle Stadterneuerung. Ruhrorter Urgesteine und in Ruhrort tätige Künstler_Innen führen zu Orten, an denen sich dieses Potential manchmal offensichtlich, manchmal aber auch im Verborgenen zeigt. Durch eine künstlerische „Inanspruchnahme“ soll das Recht auf Wandlung manifestiert werden und durch die Beteiligung des Publikums formuliert werden.

Sonntag, 17.3.2019, 16 Uhr Filmaufführung „Oortswandel“ mit anschließender Podiumsdiskussion | Lokal Harmonie, Harmoniestr. 41 | Eintritt: frei(willig)/Hutveranstaltung

„Oortswandel“ nennt sich der 1999 entstandene 40minütige Film von Thomas Bouvier, der die Veränderungen in  Ruhrort während der 90er Jahre dokumentiert. Mit Unterstützung und unter dem Einfluss der Internationalen Bauausstellung wandelten sich das Ortsbild und eines der prägendsten Gebäude des Hafenstadtteils. In der anschließenden Podiumsdiskussion sollen die Auswirkungen und Nachhaltigkeit der damals vorgenommenen Maßnahmen diskutiert und ausgewertet werden.

Sonntag, 24.3.2018, 16 Uhr Filmaufführung Ruhrort 2010 mit anschließender Podiumsdiskussion | Lokal Harmonie, Harmoniestr. 41 | Eintritt: frei(willig)/Hutveranstaltung

Haniel@Ruhr.2010 ist ein Film, der zusammenfasst, welche Initialzündung das Ruhrorter Hafenquartier als Hafen der Kulturhauptstadt erhielt. Die Simulation eines vibrierenden Kulturviertels begeisterte Einwohner, wie Künstler und Besucher derart, dass sich daraus der Kreativkreis – das heutige Kreativquartier Ruhrort formte. Was von dem Elan der Local Hero – Woche übrig geblieben ist und welche Utopien zu Realitäten wurden, ordnet die anschließende Podiumsdiskussion ein.

Samstag, 6.4.2018, 16 Uhr | Wie jetzt?! Wirklich wirklich? | Lokal Harmonie, Harmoniestr. 41 | Eintritt: frei(willig)/Hutveranstaltung

Die Angst vor zukünftiger Entwicklung findet heute viele Anlässe. Eine gute Zeit für Utopien. So lauten Buchtitel gegenwärtig „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“, „Alles könnte anders sein“ oder „Jäger, Hirten, Kritiker: Eine Utopie für eine digitale Gesellschaft“. Helfen solche Zukunftsentwürfe schon im alltäglichen Leben? Zeigen sie tatsächlich Wege auf, um mit den Unsicherheiten der Gegenwart zurecht zu kommen? Schließlich geht es auch um Ideale, unerreichbar und fern. Doch es muss anders gehandelt werden. Ralf Koss suchte das utopische Denken in der Duisburger Wirklichkeit. Sein mehrstimmiges Lese- und Hörstück kennt die Gegenwart der Stadt und führt in deren Räume der Fantasie.

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