Zur abendlichen Diskussion mit Weihbischof Rolf Lohmann waren auch einige Schülerinnen und Schüler ins Gymnasium Voerde gekommen. (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer)
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Voerde. Selten habe er eine so offene Diskussion erlebt wie an diesem Abend, sagte Gerd Kube, Leiter des Gymnasium Voerde, am Abend des 6. Februar. In der Aula hatten zuvor Schülerinnen und Schüler mit Weihbischof Rolf Lohmann über die Situation der katholischen Kirche diskutiert. Fragen wurden zudem aus dem Publikum gestellt, in dem jedoch mehrheitlich ältere Menschen und nur wenige Schüler saßen.

Die Gymnasiasten, die mit dem Weihbischof ins Gespräch kamen, waren gut vorbereitet und stellten ihrem Gast kritische Fragen: „Warum wird die Kirche mit Langeweile assoziiert?“, „Warum dürfen Frauen keine höheren Ämter bekleiden?“, „Sollte die Kirche nicht Vorreiterin in der Emanzipation sein?“, wollten Emily, Sara, Fiona, Jule und Malte auf dem Podium wissen. „Es stimmt“, sagte Weihbischof, „wir stehen in der Kirche vor größten Herausforderungen und viele Dinge werden nicht umgesetzt, von denen man es sich wünscht“, gab er offen zu. Beispielsweise bei der Frage nach der Rolle der Frau stelle „der Weg der Kirche uns vor große Fragen. Ich bin froh, dass viele Frauen jetzt schon in den Gremien aktiv sind. Auch wenn sie langsam ist, aber ich sehe da eine Entwicklung“, erklärte Lohmann.

Die Kirche habe Teile der jungen Generation verloren, sagte der Weihbischof den Jugendlichen, „daher bin ich froh, dass es diese Diskussion heute Abend gibt. Wir als Kirche müssen dafür sorgen, dass der Dialog stattfinden kann, wo er abgebrochen wurde.“ Wichtig sei es, dass die Kirche klar und eindeutig Interesse daran habe, Jugendliche zu integrieren. Denn der Glaube sei bei vielen nach wie vor vorhanden, das habe er bei Besuchen in zahlreichen Pfarreien und den Gesprächen mit Jugendlichen erfahren. „Da müssen wir uns als Kirche fragen, ob wir noch die richtige Sprache sprechen, so dass wir auf einer Ebene miteinander reden können“, erklärte er selbstkritisch. Es gebe bereits Bemühungen, einen Weg zu finden, Jugendlichen einen neuen Zugang zur Kirche zu ermöglichen. „Wir müssen mehr ausprobieren, aber dazu brauchen wir Eure Ideen und Anregungen“, sprach Lohmann die Jugendlichen direkt an.

Zugleich wehrte er sich gegen die pauschale Kritik aus dem Plenum, dass in der Kirche gar nichts geschehe. „Ich sehe starke Veränderungen, sehe aber auch die, die versuchen, das zu stoppen und zu torpedieren. Wir brauchen Reformen und wir haben vielleicht auch einen Reformstau. Aber überall in der Kirche, auch in jeder Pfarrei, gibt es Menschen, die mit neuen Ideen voranschreiten wollen und Konservative, die am liebsten jegliche Neuerungen verhindern wollen. Das sind ganz unterschiedliche Kräfte, die da wirken. Daher dauert es oft lange, bis Neuerungen sichtbar werden. Aber die drängenden Themen sind alle im Gespräch.“

Auf die Frage, was er konkret machen könne, betonte der Weihbischof, dass er die Kritik und Gedanken auch aus dieser Diskussion in der Bischofskonferenz einbringen werde. „Das, was ich heute Abend gehört habe nehme ich mit und behalte es nicht für mich“, versprach Lohmann.

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