Vertragsunterzeichnung an der Eichendorffschule (v.l.n.r.): Giovanni Malaponti, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse am Niederrhein, Vanessa Eisenhardt (Heimatsucher), Charlotte Fricke (Lehrerin und Heimatsucher), Ute Kampow (Schulleiterin), Nicole Wardenbach (Schulrätin) und Melanie Fröhlich (Schule) freuen sich über die bundesweit erste Kooperation einer Grundschule mit dem Verein Heimatsucher (Foto: privat)
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Moers. Als erste Grundschule in Deutschland schloss die Eichendorffschule jetzt einen Kooperationsvetrag mit dem Verein Heimatsucher. „Ziel ist es, den Kindern zu zeigen, was passiert, wenn man Rassismus und Antisemitismus Raum gibt“, sagt die Historikerin Vanessa Eisenhardt. Das Konzept ist so einfach wie kindgerecht: „Wir fragen die Kinder, wie ihr Alltag aussieht und vergleichen ihn mit dem, was jüdische Kinder in Nazi-Deutschland nach den Rassegesetzen tun durften: schlafen, aufstehen, rumsitzen“, sagt Lehrerin Charlotte Fricke, die schon länger bei den Heimatsuchern mitarbeitet und die Kooperation mit ihrer Schule vorgeschlagen hat.

Studien haben gezeigt, dass Kinder einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben. „Die Schüler finden es gemein und ungerecht, dass jüdische Kinder nach den Nürnberger Rassegesetzen nachmittags nicht zum Sportverein gehen durften“, so Charlotte Fricke. Von da aus gehen die Pädagogen den Lebensspuren von 31 Holocaust-Überlebenden nach. Und ganz allmählich werden die Kinder zu Zweitzeugen, die am Schicksal der Opfer des Naziterrors Anteil nehmen. Rund 2300 Schüler von weiterführenden Schulen erreichte der Verein Heimatsucher nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr.

Nun werden in den kommenden drei Jahren rund 250 Grundschüler der Eichendorffschule Zweitzeugen. Die Sparkasse am Niederrhein ermöglicht das bundesweit beispielhafte Projekt mit einer Spende von 1800 Euro. Schulleiterin Ute Kampow berichtete bei der Vertragsunterzeichnung von einigen skeptischen Eltern, die Sorge hatten, dass ihre Kinder angesichts trauriger Geschichten Angst bekommen und nicht mehr schlafen können. In Einzelgesprächen seien die Bedenken jedoch schnell ausgeräumt gewesen. Ute Kampow: „Alle finden es gut, dass unsere Schule in dieser Zeit ein wichtiges Zeichen gegen Ausgrenzung setzt.“

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