„It's cool man“ – Pater Tobias präsentiert seine Ausrüstung (Foto: Christian Voigt/Projekt LebensWert)
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Duisburg. Bedächtig zeigt Pater Tobias seine Wüstenausrüstung aus dem Laufrucksack. Das Survival-Equipment mit Kompass, Anti-Gift-Pumpe, Metallmesser, Antiseptica, Signalspiegel, Salztabletten, Pfeife, Minikocher, Outdoorbesteck, Iso-Matte, Schlafsack und Rettungsdecke wiegen schon jetzt über 6 Kilogramm. Dazu werden noch Kleidung, Bergsteigernahrung und Astronautenkost für 6 Tage kommen. So lange müssen sich die 124 Starterinnen und Starter des 165 km langen Oman Desert 2018 Marathon-Laufes in der Wüste selbst versorgen. Der als Marathon-Pater bekannte Prämonstratenser aus der Abtei Hamborn ist einer von ihnen. „Einen kleinen Spleen muss man schon für so eine Herausforderung haben“, bekennt der 55-jährige Seelsorger der Neumühler Gemeinde Herz Jesu.

Mit seiner speziellen Sonnenbrille gegen schädliche UV-A- und UV-B-Strahlen, hohen Streulichteinfall und Sand-Reflexionen wirkt Pater Tobias wie ein Remake der legendären Schoki-Werbung mit Peter Steiner in den Neunzigern. Für das geschäftige „It’s cool man“ fehlt nur das Wüstenmotiv als Hintergrund. „Ja, ich möchte werben für Chancengleichheit, Teilhabe und Gerechtigkeit. Deshalb nehme ich jede Herausforderung im Kampf gegen Kinderarmut an“, teilt der Pater euphorisch mit. Natürlich geht er diese Challenge demütig und gut vorbereitet an. Eine weitere Erschwernis neben der Hitze und dem Laufgepäck ist der Sand.

„Die kilometerlangen Sanddünen hoch und runterlaufen ist schon ein Unterschied zu meinen bisherigen Marathonläufen. Die Sandbeschaffenheit und Festigkeit der Untergründe wechselt ständig, ich rechne daher, dass ich für jeden Kilometer doppelt so lange wie hier im Training rund um Neumühl benötige“, erklärt Pater Tobias. Es wird deshalb für ihn auch ein Kampf gegen die Mittagshitze, auch zu dieser Jahreszeit werden in Omans Wüste 45 und mehr Grad Celsius gemessen. Dazu kommt, dass sich der feine Sand durch das Aufwirbeln beim Laufen und dem Wüstenwind überall zwischen Haut und Kleidung setzt. Besonders in den Laufschuhen kann der reibende Sand zu wunden Füßen führen. „Ganz wichtig neben meinen fast täglichen Trainingsläufen mit kompletter Ausstattung die Hänge im Landschaftspark hoch und runter, ist noch der Gang zum Schuster“, fällt ihm bei seiner Erzählung ein. An die Gamaschen, die das Eindringen des Sandes in den Laufschuh verhindern sollen, möchte Pater Tobias Klettverschlüsse anbringen lassen, da Klebestreifen bei den Wüstentemperaturen nicht halten werden.

Pater Tobias beim Lauftraining mit Laufrucksack (Foto: Christian Voigt/Projekt LebensWert)

Bei dieser großen organisatorischen, läuferischen und physischen Herausforderung des Oman Deserts mit 5 Läufen zwischen 25 und 30 km sowie einem Nacht-Marathon, erwartet Pater Tobias aber auch neue spirituelle Erfahrungen für sich: „Jesus war 40 Tage in der Wüste und ich werde es nur 6 Tage sein. Dennoch werden die Eindrücke überwältigend sein.“ Im Nachgang wird der Pater bei Vorträgen über seine Erlebnisse berichten, ein eigenes Buch soll es auch geben. Insgesamt erhofft sich der Neumühler Seelsorger durch den erneuten Gang an seine eigenen Grenzen wieder auf die weltweite Kinderarmut aufmerksam zu machen. „Kinderarmut ist wie eine Wüste, das Engagement dagegen ist mühsam und anstrengend“, legt Pater Tobias seinen Wunsch dar, Spenden in Höhe von 20.000 Euro für die Arbeit seines in 2007 gegründeten Projekt LebensWert gGmbh zu erhalten. Gerne kann Pater Tobias Arbeit durch eine Spende auf das Projekt LebensWert-Konto bei der Bank im Bistum Essen unter dem Stichwort „Oman“ unterstützt werden (BIC: GENODED1BBE , IBAN: DE 34360602950010766036).

Pater Tobias mit den Köchen aus dem Projekt-Restaurant, die seine Nahrungsmittel zusammenstellen: v.l. Gerrit Kranz, Yamen Kaddour, Pater Tobias und Oliver Jerghoff (Foto: Christian Voigt/Projekt LebensWert)
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