Im Xantener Dom legte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet ein Glaubenszeugnis ab (Foto: Bischöfliche Pressestelle/Christian Breuer)
Anzeige

Xanten. Gottesdienst im Viktor-Dom in Gedenken an den seligen Nikolaus Groß

Ein Glaubenszeugnis hat der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet am Sonntagmorgen im Xantener Dom abgelegt. Dort wurde des seligen Nikolaus Groß gedacht, der von den Nationalsozialisten kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs hingerichtet wurde und als Märtyrer starb. Es sei, sagte Laschet, in der heutigen Zeit vielleicht etwas sperrig, einen Gottesdienst in Gedenken an einen Märtyrer zu feiern. „Der Begriff Märtyrer ist pervertiert worden durch Terroristen, die andere Menschen mit in den Tod reißen“, sagte er. Dabei seien Märtyrer nach christlichem Verständnis Menschen, die ihr Leben für den Glauben hingaben, ohne den Tod gesucht zu haben.

In einer Zeit, die von langen Jahren des Friedens und der Freiheit geprägt ist, sei die Vorstellung des Martyriums, also für den Glauben an Gott in den Tod zu gehen, vielen Menschen heute fremd geworden. Dabei habe es gerade im 20. Jahrhundert eine hohe Zahl an Märtyrern gegeben, die unter den totalitären System starben. Und noch heute sei weltweit „im überwiegenden Teil der Staaten“ die  Religionsfreiheit eingeschränkt, betonte der Ministerpräsident, bevor er an das Leben von Nikolaus Groß erinnerte. Der sei „ein Kind des Ruhrgebiets“ gewesen mit dem Lebensweg eines Bergmanns, der jedoch alle Möglichkeiten der Weiterbildung genutzt habe und so journalistisch tätig wurde. „So geriet er in ständige Auseinandersetzungen mit rechten und linken Positionen“, sagte Laschet. Schließlich wurde er von den Nationalsozialisten inhaftiert und zum Tode verurteilt, im Januar 1945 wurde er in Berlin-Plötzensee erhängt.

„Wir alle haben in Nikolaus Groß ein Vorbild, das greifbar ist und an dessen Leben wir uns ausrichten können“, erklärte der Ministerpräsident. Sein Beispiel zeige, dass Christen heute die Weichen stellen müssten, die der Glaube weist. Es sei eine Zeit, in der „Nationalsozialismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus wieder aufflammen. Diesen Tendenzen müssen wir entgegentreten, dazu mahnt das Zeugnis von Nikolaus Groß“, sagte er und ergänzte: „Ich hätte noch vor einigen Jahren nicht gedacht, dass wir für das kämpfen müssen, was wir in Europa erreicht haben.“ Doch „die christliche Botschaft der Nächstenliebe und des Verzeihens – selbst denen, die uns nach dem Leben trachten – ist das Beste, was wir dieser Welt anbieten können“, betonte der Ministerpräsident.

Eingeladen zu dem Gottesdienst hatten die Bezirksverbände Kleve und Wesel der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) mit den KAB-Diözesanverbänden Essen und Münster. Die KAB ist Groß besonders verbunden, da er unter anderem Gewerkschaftssekretär der christlichen Gewerkschaft „Gewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutschlands“ in Bottrop war und durch seine Tätigkeit als Schriftleiter der „Westdeutschen Arbeiter Zeitung“ ins Visier der Nazis geriet. In der Krypta des Xantener Doms erinnert eine Grubenlampe an Groß – in Xanten wurde 1988 verkündet, dass seine Seligsprechung eingeleitet wurde. Seliggesprochen wurde Groß 2001 durch den damaligen Papst Johannes Paul II.. Am Sonntag wurde sein 120. Geburtstag gefeiert.

Zum Ende des Gottesdienstes wurde Pfarrer Karsten Weidisch aus Münster, St. Joseph, der unter anderem in Xanten Kaplan war, mit dem „Licht von Xanten“ ausgezeichnet. Mit dieser Kerze werden jährlich Persönlichkeiten geehrt, die sich in besonderer Weise für die Erinnerung an Nikolaus Groß eingesetzt haben. Thomas Groß, der Enkel von Nikolaus Groß, lobte Weidisch unter anderem für dessen „ehrenamtliches Engagement in der Welt der Arbeit“ und dafür, dass sich Weidisch „darum verdient gemacht hat, das Andenken an Nikolaus in den Vereinen, Verbänden und Gruppen der KAB wach zu halten und ihn in Erinnerung zu halten.“

Beitrag drucken
Anzeigen