Bernd Lewerenz entsorgt Altreifen, die achtlos neben einen Feldweg in Ückerath geworfen worden waren (Foto: privat)
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Dormagen. Interview mit Bernd Lewerenz, Kommunalbeamter, 61 Jahre alt, wohnt in Delhoven und leitet seit 2014 bei den Technischen Betrieben den Baubetriebshof.

Herr Lewerenz, viele Bürgerinnen und Bürger haben den Eindruck, dass immer mehr wilder Müll in der Landschaft abgeladen wird. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?

Bernd Lewerenz: Ja, wir haben eine deutliche Zunahme. Die Menge gesammelten Wildmülls hat sich in den letzten Jahren auf mittlerweile über 90 Tonnen im Jahr verdoppelt.

 

Gibt es Gegenden, die besonders stark als illegale Müllkippen benutzt werden?

Lewerenz: Alle Gegenden, in denen keine sozialen Kontakte stattfinden, die schlecht einsehbar, aber gut anfahrbar sind.

 

Achtlos weggeworfene Kippen oder Verpackungen in Rabatten an der Ampel sind das Eine. Wilder Müll ist aber keinesfalls nur Kleinkram, oder?

Lewerenz: Auch Zigarettenkippen sind kein „Kleinkram“, denn sie verstopfen häufig die Regenwassereinläufe der Straßen und insbesondere bei starken Regengüssen kann das Wasser dann nicht richtig abfließen und die Wasseransammlungen stellen Gefahren im Straßenverkehr dar. Darüber hinaus haben wir in Dormagen Müllhalden durch Wohnungsentrümpelungen, LKW-weise Bauschutt oder dutzenden von Altreifen oder Autobatterien.

 

Stellen Sie sich die Frage, warum Ihre Mitmenschen so achtlos mit ihrer Umwelt umgehen?

Lewerenz: Eigentlich nicht. Mich wundert es nur, weil es ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist, dass man seinen Müll mitnimmt und nicht einfach in die Natur schmeißt.

 

Sie sind seit rund vier Jahren Leiter des Baubetriebshofs. Sind die Menschen achtloser geworden in dieser Zeit?

Lewerenz: Das kann ich nicht beurteilen. Aber die Menge an wildem Müll hat deutlich zugenommen.

 

Gibt es einen besonders krassen oder skurrilen Wildmüll-Fall, der Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Lewerenz: Ja, da hat tatsächlich jemand über Wochen seinen Bauschutt schubkarrenweise auf einem Friedhof entsorgt.

 

Suchen Sie denn gezielt nach wildem Müll?

Lewerenz: Nein. Aber selbstverständlich sammeln die Kollegen den Müll ein, den sie zufällig während ihrer Arbeit sehen. Die weitaus meisten Anzeigen kommen von Mitbürgern, die solche Müllablagerungen telefonisch oder mit der Mängelmelder-App melden.

 

Und wie oft kommen Sie Müllsündern auf die Schliche?

Lewerenz: Meist ist der Nachweis relativ schwierig, vor allem bei kleineren Fällen. Bei größeren Müllablagerungen konnten in diesem Jahr immerhin Täter ermittelt und belangt werden.

 

Was kostet der ganze wilde Müll den Steuerzahler eigentlich?

Lewerenz: Bis zu 25.000 Euro pro Jahr.

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