Freuen sich auf das Jubiläumsfest der Kath. Bildungsstätte am 16. Mai: Schüler Marvin Holländer, Lehrerin Margarethe Abelen, Schülerinnen Laura Urban und Terje Herman-Tennosaar sowie Schulleiter Karsten Hartdegen (Foto: C. Basener)
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Kamp-Lintfort. Am 1. April 2018 ist es genau 50 Jahre her, seit die Katholische Bildungsstätte am St. Bernhard-Hospital zum ersten Mal Schülerinnen für eine Ausbildung zur – damals – „Krankenschwester“ begrüßten. Bis heute hat sich vieles verändert: nicht nur, dass der Lehrberuf jetzt „Gesundheits- und Krankenpflege“ heißt. Auch die Ausrichtung und Zielsetzung ist eine andere geworden. Weiterhin erfolgt die Ausbildung jetzt im Verbund.

„50 Jahre, das ist eine lange Zeit, auf die wir zurückblicken. Und es sind  sehr erfolgreiche Jahre. Mehr als 1.600 Schülerinnen und Schüler haben in dieser Zeit hier ihre Lehre abgeschlossen“, darauf ist Schulleiter Karsten Hartdegen stolz. „Und jeder einzelne von ihnen hat unmittelbar im Anschluss daran eine Anstellung gefunden – ob im eigenen Haus oder auch extern. Das ist bei weitem nicht selbstverständlich und zeugt vom guten Ruf unserer Bildungsstätte“, freut sich Josef Lübbers, Kaufmännischer Direktor des St. Bernhard-Hospitals.

Ausbildung im Wandel

Verändert sind heute die Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler. „Die Zeiten des reinen Auswendig-Lernens von Details, Fakten und enzyklopädischem Wissen sind schon lange vorbei. Heute wird viel mehr Wert auf die Stärkung und Förderung von Schlüsselkompetenzen gelegt – persönliche, fachliche, sozial-kommunikative und methodische Fähigkeiten stehen im Vordergrund“, weiß Karsten Hartdegen. Wichtig sei, dass die Schülerinnen und Schüler die Theorie mit der Praxis verbinden, Zusammenhänge erkennen, vernetzt denken und Probleme lösen. „Wir fordern unsere Absolventen immer auf, auf Praxisanleiter und andere  erfahrene Kräfte zuzugehen, um von ihren Erfahrungen zu lernen.“

Diese Entwicklung zeigt sich auch an den Schulfächern. Bis 2003 wurden viele Fächer, wie beispielsweise Chemie, Physik, Strahlen- und Staatsbürgerkunde, fachbezogen unterrichtet – ohne Bezug zum Ausbildungsberuf. Seit 2003 werden alle theoretischen Lerninhalte berufs- und ausbildungsbezogen gestaltet, der Unterricht zeigt durchgehend den direkten Bezug zur Tätigkeit auf der Station.

Ausbildung im Verbund mit vier Krankenhäusern

Mit 36 Ausbildungsplätzen für das Kamp-Lintforter St. Bernhard-Hospital startete die Katholische Bildungsstätte, in den 1970-er Jahren wurden die Möglichkeiten auf 78 Plätze in bereits drei Klassen erhöht. 1990 fiel die Entscheidung, die Ausbildung auch für Schüler der umliegenden Krankenhäuser zu ermöglichen. Erst schloss sich das St. Josef-Krankenhaus in Moers an, 1993 folgte das Sankt Josef-Hospital in Xanten, 1998 das Gelderner St.-Clemens-Hospital. „Heute liegt die Zahl der Ausbildungsplätze bei 150“, freut sich Karsten Hartdegen.

Kombination von Ausbildung und Studium

Drei Schülerinnen und Schüler nutzen aktuell eine besondere Möglichkeit der dualen Ausbildung: Seit 2016 bietet die Katholische Bildungsstätte in Zusammenarbeit mit der Hamburger Fern-Hochschule ein Duales Studium mit dem Abschluss Health Care Studies (B.Sc.) an.

Benjamin Brandis: Empfehlung des Bruders

Er ist einer Schüler der Abschlussklasse: Benjamin Brandis, 20 Jahre, der nach dem Abitur seine Ausbildung begonnen hat. Sein Bruder, der ebenfalls diesen Weg gewählt hatte, konnte ihn mit seiner Begeisterung anstecken. Eine Freude, die Benjamin Brandis gut verstehen und teilen kann.

Er schätzt den Umgang mit den Patienten und ist froh, dass er ihnen nun qualifiziert helfen kann. Die Arbeit im Team ist zusätzlich etwas, das er sehr mag. Benjamin Brandis plant, sich nach Beendigung seiner Ausbildung im Bereich Intensivmedizin weiterzubilden. Dass er viele Möglichkeiten allein im St. Bernhard-Hospital vorfindet, zählt für ihn zu den Vorteilen. „Auch über die Tätigkeit im Krankenhaus hinaus bietet dieser Beruf viele Chancen: ob in der ambulanten Pflege, der Verwaltung, der Organisation oder in der Pflegepädagogik“, macht er die Möglichkeiten deutlich. „Und das schätze ich sehr.“

Aber es gäbe nicht nur positive Seiten zu berichten, so der junge Schüler. „Durch den Schichtdienst ist es nicht so einfach, meine Freizeit zu planen“, erzählt er. „Da bin ich nicht so flexibel wie meine Freunde, die andere Berufe gewählt haben.“

Laura-Marie Urban: Pflege eines Familienmitglieds und Praktika

Die 22-jährige Laura-Marie Urban hat einen anderen Anstoß erfahren, nach dem Abitur den Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin zu erlernen: Bei ihr waren es die Pflege eines Familienmitglieds und ein Praktikum im Krankenhaus. Beides hat ihr deutlich gemacht, dass „mir Pflege einfach liegt und dass ich für diesen Beruf geschaffen bin“, erzählt sie lächelnd.

Auch ihr gefallen die Arbeit im Team und die Vielseitigkeit der Tätigkeit. Dass ihr die umfassenden Weiterbildungsmöglichkeiten auch gute Aufstiegs­chancen bieten, kommt dazu. Ihre Zukunft wird weiterhin mit Ausbildung zu tun haben. „Ich kann mir sowohl eine Fachweiterbildung im Bereich der Anästhesie- und Intensivmedizin vorstellen, als auch ein anschließendes Studium“, zeigt sie ihre Überlegungen auf. „Mit dieser Ausbildung und ein bisschen eigenem Antrieb stehen mir ja alle Türen offen“, so die Schülerin.

Dass sie durch ihre qualifizierte Ausbildung nun Menschen in Not helfen kann, ist genau das, was sie sich gewünscht hat. „Allein das dankbare Lächeln eines Patienten kann mir schon den Tag verschönern“, erzählt sie. Auch für sie ist es ein negativer Aspekt, dass sie ihre Freizeit genau planen muss, da durch den Schichtdienst manches nicht so einfach ist.

 

Leitung – fast 20 Jahre in Ordensfrauen-Hand

Bei Gründung der Krankenpflegeschule 1968 leitete die Ordensschwester M. Berlind – gemeinsam mit Dr. Günther Steingaß – die Krankenpflegeschule. Auch ihre Nachfolgerin, Schwester M Giselhilda, die von 1976 bis 1985 Schulleiterin war, war Ordensfrau. Von 1985 bis 2014 leitete Gerhard Löffler die Katholische Bildungsstätte St. Bernhard – seitdem ist Karsten Hartdegen für die aktuell 150 Schüler verantwortlich.

Noch heute befinden sich die Räumlichkeiten der Bildungsstätte im gleichen Gebäude, wurden aber permanent erweitert. Durch die Vergrößerung in diesem Jahr werden zukünftig auch Möglichkeiten im St. Bernhard-Hospital, wie die Aula, das Refektorium und Räume des ehemaligen Ordensbereiches für den Unterricht genutzt.

Innovationen in der Ausbildung und Frühjahrs-Kursstart

Immer neue Ideen prägen die Ausbildung der Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und –pfleger. Weil der Bedarf an ausgebildeten Kräften immer weiter steigt, wird in diesem Jahr erneut ein Frühjahrs-Kurs mit 30 zusätzlichen Plätzen angeboten. „Die Plätze waren in kürzester Zeit vergeben, so renommiert ist unsere Ausbildung“, betont Karsten Hartdegen. Und besonders freut er sich auf sein neues Projekt, das im März diesen Jahres erstmals startet: „Schüler leiten eine Station“. „Innovative Veränderungen sind uns einfach wichtig“, so der Schulleiter.

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