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Moers. Es kommt wahrscheinlich nicht oft vor, dass die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium mit einem spontanen „Schön gesagt!“ von den Zuhörern kommentiert wird. Doch bei der Feier des Heiligen Abends im Moerser Don-Bosco-Heim war sie spürbar, diese besondere Weihnachtsatmosphäre, in der sich Hoffnungslosigkeit und Zuversicht mischen, Trauer und Trost. Die Pfarrgemeinde St. Josef, der Caritasverband Moers-Xanten und der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) hatten Obdachlose, sozial schwache und einsame Menschen zur Weihnachtsfeier eingeladen.

Rund 100 Menschen waren der Einladung gefolgt. Begleitet vom Klavier sangen sie gemeinsam weihnachtliche Lieder, freuten sich über Kaffee, Plätzchen und Lebkuchen, lauschten gespannt der Weihnachtsgeschichte. Die verkündete Pfarrer Karsten Weidisch, der auf seine mitreißende Art betonte: „Weihnachten ist ein so tolles Fest! Aber wenn wir hier nicht zusammen wären, dann würde keine Weihnachtsstimmung aufkommen.“ Damit traf er den Nerv vieler Besucher, die kein eigenes Haus mit adventlichem Schmuck und besinnliche Tage im Kreis ihrer Familie haben. Ein Besucher bestätigte: „2006 lebte ich in einer Notunterkunft für Obdachlose. Damals bin ich zum ersten Mal zu dieser Feier gekommen, sonst hatte ich niemanden.“ Inzwischen ist er nicht mehr obdachlos, Arbeit hat er aber keine mehr gefunden. „Diese Feier bedeutet für mich Weihnachten“, sagte er nachdenklich, „das unterstreicht den besinnlichen Charakter des Festes und da werde ich immer wieder dran teilnehmen“. Traurig aber stimme ihn, „dass auch so viele Kinder und Jugendliche hier sind.“

Tatsächlich war die Altersstruktur bei der Feier gemischt, Senioren, Familien mit Kindern, einzelne Männer und Frauen aller Altersklassen kamen zusammen. Henric Peeters, Geschäftsführer des Caritasverbandes Moers-Xanten, erklärte: „Viele der Menschen, die heute hier sind, kennen wir von unserer Arbeit. Es sind sozial schwache, einsame Menschen, die wir betreuen. Uns kommt es darauf an, dass wir auch zu Weihnachten für diese Menschen da sind.“ Rund 30 Ehrenamtliche sorgen, sagte Peeters, alljährlich dafür, dass die Feier am Heiligen Abend gelingt. Caritas, Pfarrgemeinde und SKM arbeiten dann Hand in Hand. Selbst hauptamtliche Mitarbeiter würden am Heiligen Abend ehrenamtlich vor Ort sein, um mitzuhelfen und mitzufeiern. Das gelte auch für Xanten, wo parallel ebenfalls eine Weihnachtsfeier für sozial schwache Menschen angeboten wurde.

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