Anzeige

Krefeld. Staunende Gesichter unter den Mitgliedern des Einzelhandelsausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein: Das Gremium erhielt bei einem Besuch der Primark-Filiale in Krefeld interessante Einblicke. Sie wurde vor einem Jahr an der Rheinstraße in der Innenstadt eröffnet. Vor allem eine Frage stellten sich die Händler aus Krefeld, Mönchengladbach, dem Rhein-Kreis Neuss und dem Kreis Viersen: Wie können die Produkte zu diesen Preisen angeboten werden?

„Wir sind auf Masse ausgelegt – auf den Preis und die Menge“, erklärte Primark-Regionalmanager Christoph Uphaus. Aber auch andere Aspekte spielen für die niedrigen Preise eine Rolle. So gibt die Modekette kein Geld für Werbung aus, außer im Vorfeld von Neueröffnungen. „Außerdem verzichten wir auf Zwischenhändler, und unsere Gewinnspanne liegt unter der von anderen großen Einzelhändlern“, sagte Uphaus. Schließlich sorgten die umfangreichen Aufträge an die Produzenten für geringere Kosten. „Und diese Einsparungen geben wir an unsere Kunden weiter.“ Das kommt offensichtlich an, vor allem bei Frauen zwischen 15 und 25 Jahren. Im gesamten Unternehmen zähle man täglich etwa 1,4 Millionen Kunden und verkaufe jährlich zum Beispiel etwa 300 Millionen Paar Socken und 155 Millionen T-Shirts.

Wichtig sei, dass man das Ohr immer am Kunden habe. „Sobald wir einen neuen Modetrend erkennen, nehmen wir ihn auf“, erklärte der Regionalmanager. Die eigenen Designer machten es möglich, dass die neue Kollektion in weniger als drei Monaten in den Primark-Stores präsentiert werden könne.

Primark wurde 1969 in Irland gegründet. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen weltweit 57.800 Mitarbeiter, davon 6.800 in Deutschland und 150 in Krefeld. In den Filialen in Düsseldorf und Hannover bildet Primark seit diesem Jahr aus. 2016 soll das Angebot auf weitere Stores ausgedehnt werden.

In Deutschland wurden bislang 19 Filialen eröffnet. „Wir sind grundsätzlich an jedem Standort interessiert. Auch in dieser Region haben wir die eine oder andere Großstadt im Blick“, so Uphaus. Von einem Depot in Mönchengladbach aus werden innerhalb von 24 Stunden die Stores in Deutschland, Belgien, Österreich und den Niederlanden beliefert.

Dass Primark aber nicht nur Befürworter hat, verschweigt Uphaus nicht. „Wir sind stark in die Kritik gekommen. Aber wir verstecken uns nicht, weil wir es nicht müssen“, betonte er. „Es gibt bei uns keine Kinderarbeit, keine existenzbedrohenden Löhne und keine übermäßigen Arbeitszeiten.“ Die Arbeitsbedingungen würden von Primark selbst permanent kontrolliert, die Zulieferer seien auditiert. „Unser Slogan lautet: Niedrige Preise heißt nicht niedrige Löhne‘.“ Rainer Höppner, Vorsitzender des IHK-Einzelhandelsausschusses und selbst Inhaber eines Modegeschäfts, betonte: „Es ist gut zu hören, dass Primark so klar Stellung bezieht und sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen einsetzt. Fair Trade ist für den Einzelhandel eine Maßgabe, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.“

In der anschließenden Diskussionsrunde wollte ein Krefelder Händler wissen, warum sich Primark nicht in der Werbegemeinschaft engagiere. Schließlich profitiere das Unternehmen von Aktionen wie verkaufsoffenen Sonntagen und der Weihnachtsbeleuchtung. „Wir sind dabei, uns dem etwas zu öffnen“, erklärte Uphaus. Die deutsche Organisation arbeite daran.

Beitrag drucken
Anzeigen