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Kamp-Lintfort. Ende 2022 ist endgültig mit dem Deponiebetrieb Schluss am Eyller Berg, so lautet die juristische Einigung vor dem OVG in Münster zwischen der Betreiberin EBA und der Bezirksregierung Düsseldorf. Diesen Vergleich in Anlehnung an die 69er Höhenlinie erklärte die Regierungspräsidentin Anne Lütkes am 15. September in der Umweltausschusssitzung im Kamp-Lintforter Rathaus.

Ein Giftberg der höchsten Gefahrenklasse mit einer jetzt erlaubten Spitzenhöhe von 70 Metern und einer Rekultivierungsschicht von nur einem Meter ist jetzt Fakt und gibt der Betreiberin die gewollte Rechtssicherheit diese Deponie weiter betreiben zu können. Die Kehrseite heißt aber für die Bürger in Rayen und Kamp-Lintfort 7 Jahre lang vermehrte Gifttransporte und bei einer Aufschüttung der Gifte bis 70 Meter auch gleichzeitig vermehrte Umweltgefahren an dieser Deponie. Diese Rechtssicherheit der Betreiberin schließt aber die Gesundheit von Mensch, Tier und Natur zurzeit noch gänzlich aus.

Über den Beschluss und seine Folgen für die Anwohner sprach LokalKlick-Redakteur Christian Voigt mit dem Sprecher der Interessensgemeinschaft Endlager Mensch e.V., Lutz Malonek. Seine zentrale Aussage:

“Die Anwohnerinnen und Anwohner benötigen jetzt auch dringend eine gesundheitliche Sicherheit um an dieser Deponie weiter leben zu können!”

 

Ist mit dem Vergleich das Ende der Bürgerinitiative vorgezeichnet?

Lutz Malonek: Ungeachtet der juristischen Einigung wird unsere Arbeit in der Interessengemeinschaft Endlager Mensch e.V. fortgesetzt. Der geschlossene Vergleich entspricht keineswegs den Vorstellungen den Anwohnerinnen und Anwohnern an dieser Deponie. Die jetzt erlangte Rechtssicherheit der Betreiberin durch diesen Vergleich noch bis Ende 2022 Giftmüll abkippen zu dürfen und nur in Anlehnung an die Höhenlinie von 1969 den Berg in der Spitze bis 70 Meter auffahren zu können, bedeutet aber keinesfalls eine gesundheitliche Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger in Rayen und Kamp-Lintfort.

 

Wie soll die Arbeit jetzt weitergehen?

Lutz Malonek: Bei uns stehen seit der Gründung immer der Mensch und seine Gesundheit im Vordergrund und deshalb hat unsere IG die Zusammenarbeit mit der Ärzte und Apotheker Initiative für Umwelt und Gesundheit e.V. gesucht und mit dem Umweltmediziner Michael Lefknecht einen kompetenten Mitstreiter gefunden.

Die Sondermülldeponie am Eyller Berg ist nicht unumstritten. Anfang März diesen Jahres hat das Umweltministerium die Ergebnisse der von uns eingeforderten Krebsstudie der Uni Münster durch den Staatssekretär Peter Knisch in Kamp-Lintfort vorgestellt. Diese Studie hat eine 29 %ig höhere Krebshäufigkeit bei Frauen an diesem Berg ergeben, aber ein Zusammenhang zwischen Deponie und Erkrankungen konnten nicht nachgewiesen werden.

Parallel zur Krebsstudie haben wir zusammen mit namhaften Wissenschaftlern der RWTH Aachen und der Uni Duisburg /Essen einen Vorschlag zu einer Bioanalytikstudie erarbeiten lassen und beim Umweltministerium eingebracht.

 

Was war der Anlass für solch eine Studie?

Lutz Malonek: Anlass und Ausgangspunkt sind dabei die kleinräumigen epidemiologischen Untersuchungen zur Krebshäufigkeit im Umkreis der Deponie und der bisher nicht geklärte Befund einer fast 30%igen Erhöhung der Krebsfälle bei Frauen bei gleichzeitiger Erniedrigung der Rate bei den Männern.

Die über den Auslösewerten der EU liegenden Befunde der PCB-Werte in Hühnereiern und die Infragestellung der bisherigen behördlichen Messergebnisse speziell auch der Überwachung der Deponie durch die Initiativen, da diese Messungen z.T. auf Analysen einer Tochterfirma der Deponiebetreiberin basieren..

 

Wie und was soll untersucht werden?

Lutz Malonek: Der Vorschlag für eine bioanalytische Untersuchung des Eyller Berges ist eine Pilotstudie. Wenn es dann Hinweise auf Belastungen geben wird, muss man in die Tiefe gehen, um das zu validieren, d.h. den Wert von etwas festzustellen.

Erst breit hinschauen in Sachen eines Screenings rund um diese Giftmülldeponie und dann bei Auffälligkeiten gezielt nachuntersuchen, ist damit unser Ziel dieses neuen Projekts.

Bioanalytik, diese seit ca. 10 Jahren bereits weltweit eingesetzten wirkungsbezogenen sogenannten bioanlytischen Messmethoden haben den Vorteil, dass sie direkt die Summe der toxischen Einflüsse von Schadstoffgemischen in ihrer Wirkung auf lebende Systeme, wie z. B. Zellen, Larven oder Tiere/Fische, identifizieren können.

Chemikalien werden durch Wechselwirkungen mit anderen Schadstoffen oder durch Umwandlungsprozesse z.B. durch Bakterien erst in der Biosphäre zu toxischen Substanzen transformiert.

Krebsauslösende Wirkungen, oxidativer Stress, Zelltod, Gentox, Reproduktionstoxizität, Hormon Rezeptor Aktivierung, Fettstoffwechsel- und Zuckerstoffwechselstörungen sowie Kreislauferkrankungen sind Effekte und können auf Grund der vorhandenen Abfälle bei Mensch und Tier auftreten und sind an dieser Deponie noch nicht untersucht worden, so unsere Wissenschaftler bei der Erarbeitung dieser Pilotstudie.

Für die weitgehend abgegrenzten Räume zur Untersuchung zählen z. B. Luft, Wasser Boden und Human Expositionen (Staub, Deponiegas, Sickerwasser Grundwasser, Böden, Abfallrückstellproben, lokale Lebensmittel und das Blut der Anwohner).

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