v.l. Anja Reutlinger, Atilla Cikoglu, Carmen Weist, Jürgen Preuß und Jürgen Sander (Foto: Klaus Dieker)
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Moers/Kamp-Lintfort. Die SB Warenhauskette real soll verkauft werden: Ziel der Metro AG ist, bis Anfang 2019 einen Käufer für die Supermarktkette mit zur Zeit bundesweit rund 34.000 Beschäftigten zu finden. Ein Kaufinteressent soll Amazon sein. Auf dem Weg dahin muss die Metro Tochter natürlich noch ordentlich „aufgehübscht“ werden.

Dazu wurde Juli 2018 der Tarifvertrag mit Verdi aufgekündigt, durch mehrere Betriebsübertragungen wurde man den Tarifpartner Verdi los und firmiert jetzt als Real GmbH mit dem Tarifpartner DHV, einer Kleinstgewerkschaft, die sich auf ihrer Homepage christlichen Werten verpflichtet fühlt. Parallel dazu ist die Metro aus dem eigentlich zuständigen Arbeitgeberverband ausgetreten und hat sich der „Unternehmervereinigung für Arbeitsbedingungen im Handel und Dienstleistungsgewerbe e. V.“ (AHD) angeschlossen, einer Eigen-Kreation der Metro AG, die fast nur Metro Unternehmen vertritt. Am Ende dieser „Kulissenschieberei“ steht ein neuer Tarifvertrag mit der DHV der seit Jahresmitte auch in den real-Märkten in Moers und Kamp-Lintfort gilt und für große Unruhe in der Belegschaft sorgt.

Dazu Jürgen Sander, Betriebsratsvorsitzender real Moers: „Natürlich gibt es eine Bestandssicherung, aber viele Beschäftigte sind befristet oder Teilzeit beschäftigt, müssen also über kurz oder lang ihren Vertrag erneuern und dann die neuen Tarifbedingungen akzeptieren, die mit Lohneinbußen bis zu 40 % verbunden sind. Ein gelernter Metzger, der unter Verdi Bedingungen zirka 3050 € verdiente, bei einer 37 Stundenwoche, bekommt jetzt nur noch 2050 €, bei einer 40 Stundenwoche und gleichzeitiger Kürzung von Weihnachts- und Urlaubsgeld um 1/3. Mit auf 9 Monate befristeten Arbeitsverträgen wird zusätzlich die gesetzliche Vorschrift unterlaufen, die den Beschäftigten nach 9 Monaten gleiches Geld für gleiche Arbeit garantieren würde.“

Die Fraktionsvorsitzenden der SPD aus Moers und Kamp-Lintfort, Carmen Weist und Jürgen Preuß haben sich mit Jürgen Sander, dem Betriebsratsvorsitzenden der REAL Märkte in Moers getroffen, mit dabei aus dem Fraktionsvorstand der Moerser Sozialdemokraten waren Anja Reutlinger und Atilla Cikoglu. Für Anja Reutlinger ist klar: „Wir fordern einen Mindestlohn von mindestens 12,50 € die Stunde, erst ab einem solchen Mindeststundenlohn sind ausreichende Einzahlungen in die Rentenkasse möglich, die im Alter ein Leben in Würde und Anstand ermöglichen.“

Jürgen Preuß, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten in Kamp-Lintfort erklärt: „Diese demütigenden Gänge, nach jahrzehntelanger Arbeit, als Bittsteller, zu den Ämtern, um solche Löhne und später eine zu geringe Rente aufzustocken, weil das Geld zum Leben einfach nicht reicht, müssen aufhören. Wie nähern uns der Vollbeschäftigung und gleichzeitig steigt die Kinderarmut, wie passt das zusammen! Diese systematische Kostenverschiebung zu Lasten der Allgemeinheit, diese systematische Verweigerung angemessene, die Existenz sichernde Löhne zu zahlen, muss beendet werden.“

Verabredet wurde für den kommenden Samstag von 10.00 – 14.00 eine gemeinsame Aktion vor den Supermärkten in Moers und Kamp-Lintfort um die Kunden bei der Zu- und Abfahrt auf, bzw. vom Gelände, über die Arbeitsbedingungen der dort Beschäftigten zu informieren.

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