Professor Dr. Konrad Reinhart, Vorsitzender der Sepsis-Stiftung bei der Preisverleihung an Hermann Gröhe MdB (Foto: Dominik Vorholt)

Neuss. Für seine zentrale Rolle als Bundesgesundheitsminister bei der Verabschiedung der Resolution zur Sepsis durch die World Health Assembly erhält Hermann Gröhe den Global Sepsis Award.

Der Global Sepsis Award wird von der Global Sepsis Alliance für besondere Leistungen im Kampf gegen Sepsis an hochrangige Politiker und Repräsentanten von Gesundheitsbehörden vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen u.a. der britische Gesundheitsminister Jeremy Hunt, der Gouverneur des US Bundesstaates New York, und das Center for Disease Control and Prevention der USA sowie Kanzleramtsminister Helge Braun. „Die Verabschiedung der Resolution „Verbesserung der Prävention, Diagnose und des klinischen Managements der Sepsis“ im Jahr 2017 durch die Repräsentanten der 194 Mitgliedsstaaten der World Health Assembly gilt als Quantensprung im Kampf gegen die Sepsis“, sagt Konrad Reinhart, der Vorsitzende der Global Sepsis Alliance, Seniorprofessor am Universitätsklinikum Jena und BIH Visiting Professor der Stiftung Charité in Berlin. Der Preisträger Hermann Gröhe, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ergänzt: „In den vergangenen anderthalb Jahren haben viele Länder auf allen Kontinenten die Resolution zum Anlass genommen, um nationale Strategien für eine bessere Vermeidung und Früherkennung von Sepsis zu verabschieden. Das ist eine gute Nachricht für Millionen von Menschen!“

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, hat es als eine Tragödie bezeichnet, dass „die Mehrzahl der jährlich 6 Millionen Todesfälle durch Sepsis, darunter eine Million Säuglinge, vermieden werden könnte.“

Diese Feststellung trifft nicht nur auf Länder der sogenannten „Dritten Welt“ zu, sondern gilt auch für Kinder und Erwachsene in hochentwickelten Industrieländern wie Deutschland, England und den USA. Jedes Jahr fordert Sepsis in den Vereinigten Staaten 260000 Todesfälle, in Deutschland wurden 2015 75000 Sepsistodesfälle von den Krankenhäusern gemeldet, das sind weit mehr Todesfälle als durch Aids, Brust- und Prostatakrebs zusammen.

Mindestens sechs Millionen Menschen sterben auf der Welt jährlich an einer Sepsis. In Deutschland gelten 15 – 20000 Todesfälle als vermeidbar.

Für viele Länder war die WHO Resolution ein Weckruf und Veranlassung, auf nationaler und Länderebene Strategien zur Aufklärung von Laien und Gesundheitsdienstleistern zur Vermeidung und Früherkennung zu entwickeln. Im Bundesstaat New York wurde seit kurzem per Gesetz geregelt, dass Schulen ihre Schüler über die Krankheit aufklären müssen. In England erhält jede Familie mit einem Neugeborenen eine Aufklärungsbroschüre, die auch Informationen über die Frühsymptome einer Sepsis und eine zentrale Notfallnummer enthält.

In Afrika, Lateinamerika, Asien und Europa haben sich in der Folge der WHO Sepsis Resolution regionale Sepsis Allianzen gebildet, die gemeinsam mit den Regionalbüros der WHO die Länder in diesen Regionen bei der Entwicklung von nationalen Strategien gegen Sepsis unterstützen.

In Deutschland gibt es einen einstimmigen Beschluss der Gemeinsamen Gesundheitsministerkonferenz der Länder, die Forderungen der WHO Sepsis Resolution in Deutschland, mit Unterstützung des Robert Koch Instituts bzw. des Bundesgesundheitsministeriums umzusetzen. Die Sepsis-Stiftung fordert gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit die Moderation eines Nationalen Sepsisplans durch das Bundesministerium für Gesundheit.

Die Übergabe des Global Sepsis Awards findet am 20. September im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des Hauptstadt Kongresses (HAI) der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) im Estrel Congress Center statt. Die DGAI ist Mitglied der Global Sepsis Alliance.

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