Für die Operation eines vierfach-fenestrierten Stents wird viel Fingerspitzengefühl benötigt, denn die einzelnen Abgänge müssen mit der Prothese passgenau verbunden werden (Foto: Johanna Etienne Krankenhaus)

Neuss. In Deutschland sterben pro Jahr etwa 5 000 Menschen an einem geplatzten Aneurysma im Bauch. Dabei lässt sich die Gefahr früh erkennen – und mithilfe moderner, operativen Techniken auch leicht entschärfen.

Hans M. aus Neuss war eigentlich wegen eines Routinechecks beim Hausarzt. Sorgen machte sich der Stahlarbeiter im Grunde nicht, denn Beschwerden hatte er kaum, nur mitunter Schmerzen in der Flanke. Und doch lag er fünf Monate später  in einem Operationssaal im Johanna Etienne Krankenhaus, denn bei der Routineuntersuchung wurde festgestellt, dass sich die daumendicke Bauchschlagader an einer Stelle mehr als golfballgroß ausgeweitet hat, Diagnose: Bauchaortenaneurysma.

Viele Menschen haben eine solche gefährliche Aussackung – und wissen es nicht
Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie leiden rund 200 000 Menschen in Deutschland an einer solchen riskanten Ausbuchtung der Bauchschlagader. Reißt sie, kann das tödlich enden: „Wird  in diesem Fall nicht sofort operiert, können die Betroffenen innerlich verbluten“, sagt Dr. Jens Schulte-Herbrüggen, Chefarzt der Gefäßchirurgie. 5 bis 5,5  Zentimeter oder ein Aneurysma-Wachstum von über einem Zentimeter pro Jahr ist für Gefäßchirurgen das Maß, bei dem operiert werden muss.

Hans M. wurde nach der Diagnose vorerst krankgeschrieben – zu groß war die Gefahr, dass die Bauchschlagader platzen könnte. Da das Aneurysma beim Neusser an einer schwierigen Stelle lag, von der sich weitere Gefäße Richtung Darm, Leber, Milz und Nieren abzweigten, entschieden sich die Ärzte für eine vierfach-gefensterte Prothese. Dabei handelt es sich um Hightech-Drahtgeflechte, die die Gefäße von innen stützen können und somit verhindern, dass sie reißen. Da die Blutgefäße allerdings bei jedem Menschen unterschiedlich liegen, musste die Stent-Prothese individuell angefertigt werden. Als Grundlage wurden detaillierte Röntgenaufnahmen der Gefäße genommen.

Röntgenbilder zeigen an, ob die Prothese richtig sitzt
Im Operationssaal arbeitet Chefarzt Schulte-Herbrüggen eng mit den Radiologen zusammen. Diese gute Zusammenarbeit sowie die hochspezialisierte Teamleistung (bei der Operation besteht dieses aus acht Ärzten und Pflegekräften) ist letztlich der Erfolgsgarant  – insbesondere bei solch komplizierten Operationen. „Durch die bildgebenden Verfahren können wir genau sehen, wo wir mit unseren Kathetern in den Gefäßen hin müssen. Auf diese Weise ist es heutzutage möglich, die Operationen minimal-invasiv, das heißt in Schlüssellochtechnik, durchzuführen – und nicht mehr in einer klassischen, offenen Operation“, weiß der Chefarzt. Auf diese Weise konnte Hans M. in einer aufwendigen, fünf Stunden dauernden OP der vierfach-fenestrierte Stent erfolgreich eingesetzt werden. Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, um die einzelnen Abgänge mit der Prothese zu verbinden. „Für Menschen mit Gefäßerkrankungen wollen wir nicht weniger als Spitzenmedizin bieten – und davon hat Herr M. profitiert“, freuen sich Dr. Schulte-Herbrüggen und sein Team.

Hinweis:

Am 22. September bietet die Gefäßchirurgie um Dr. Jens Schulte-Herbrüggen einen Gefäßtag von 12-15 Uhr im Röntgen-Demoraum im Johanna Etienne Krankenhaus an. Dort werden Ultraschalluntersuchungen demonstriert und es finden Vorträge zu den Themen: „Enge Gefäße: Wenn das Laufen zur Qual wird“ und „Erweiterung der Bauchschlagader: Wann, wo und wie behandeln?“ statt. Eine Anmeldung für die kostenfreie Veranstaltung ist nicht erforderlich.

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