v.l. Dirk Grünewald, Ehrenpräsident der IHK zu Essen, Rudolf Jelinek, 1. Bürgermeister der Stadt Essen, Dr. Gerald Püchel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Essen, Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der IHK zu Essen, Prof. Dr. Susanne Staude, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der HRW, Elisabeth Albrecht-Mainz, 1. Bürgermeisterin der Stadt Oberhausen, Ulrich Scholten, Oberbürgermeister der Stadt Mülheim an der Ruhr (Foto: Kerstin Bögeholz/IHK zu Essen)
Anzeige

Mülheim/Essen/Oberhausen. Der diesjährige Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen (IHK) fand in der Hochschule Ruhr West (HRW) in Mülheim statt. IHK-Präsidentin Jutta Kruft-Lohrengel begrüßte mehr als 250 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien, die den Abend zum Austausch und Netzwerken nutzten.

In ihrer Rede ging die Präsidentin auf den Werdegang der HRW ein: Vor nunmehr fast 10 Jahren sei die Hochschule mit dem Ziel gegründet worden, das Fachhochschulangebot landesweit auszubauen. Vorausgegangen war das Engagement verschiedener Akteure, u. a. der IHK, und das deutliche Bekenntnis der Wirtschaft zu einer Hochschule in Mülheim. Heute arbeite die HRW eng mit lokalen Unternehmen zusammen, nicht zuletzt auch beim Angebot von dualen Studiengängen. „Wir freuen uns sehr, dass eine so wirtschaftsnahe Hochschule ihr Zuhause in Mülheim gefunden hat. Und es ist ein gutes Bespiel dafür, was Wirtschaft und Politik in Zusammenarbeit erreichen können“, fasst Kruft-Lohrengel zusammen.

Darüber hinaus beschrieb die Präsidentin die erfreuliche positive Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt: Aktuell sind knapp 2.700 Ausbildungsverträge neu bei der IHK registriert – fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings konnten auch viele Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. „Freie Ausbildungsplätze allein sind keine Garantie mehr für vielversprechende Bewerbungen. Gute Schulabgänger auf Ausbildungssuche können heute wählen, was und wo sie lernen möchten. Unternehmen sind daher mehr denn je gefragt, sich bei künftigen Azubis interessant zu machen“, betonte Kruft-Lohrengel. Wichtig sei es, Eigeninitiative bei der Suche nach geeigneten Bewerbern zu zeigen. Dazu gehören Online-Portale und Ausbildungsbörsen, wo der persönliche Kontakt zu Schulabgängern im Vordergrund stehe. Nichtsdestotrotz gelte ihre Bitte an alle Unternehmen, auszubilden und somit der Jugend – und dem eigenen Betrieb – eine Zukunft zu geben. Gleichzeitig dankte sie den Betrieben, die sich bereits in der Ausbildung engagieren.

Am 1. Januar 2019 soll für Essen ein neuer Luftreinhalteplan in Kraft treten. Die Präsidentin ging auf die möglichen Auswirkungen für den Wirtschaftsstandort ein: „Das Stichwort lautet: Dieselfahrverbote. Bislang wird in dem Entwurf noch auf diese drastische Maßnahme verzichtet. Wir sind sehr froh, dass die Bezirksregierung hier mit Augenmaß entschieden hat“. Fahrverbote – und damit verbunden die Erneuerung der Flotten – würden vor allem kleine und mittlere Betriebe hart treffen. Nicht nur würden Nutzfahrzeuge nahezu ausschließlich mit Diesel angetrieben, auch die Umrüstung der Dienstfahrzeuge könne zu einer starken finanziellen Belastung führen. „Wir meinen, dass streckenbezogene Fahrverbote nicht den Schadstoffausstoß verringern, sondern ihn lediglich verlagern. Wir haben uns immer dafür ausgesprochen, Fahrverbote nur als allerletztes Mittel einzusetzen“, so Kruft-Lohrengel. In Mülheim und Oberhausen stünden in den kommenden Monaten ebenfalls die Fortschreibung der Luftreinhaltepläne an. Auch hier müssen andere Maßnahmen gefunden werden, um die Stickoxid-Grenzwerte einzuhalten. Sie forderte die Betriebe auf, ihren Betrag zu leisten und zu prüfen, ob die Flotten schneller auf emissionsarme Antriebe umgerüstet werden oder wo im Unternehmen der ÖPNV oder das Rad stärker genutzt werden können. Auch ein betriebliches Mobilitätsmanagement könne eine gute Lösung sein. „Wir sollten uns nicht einfach zurücklehnen nach dem Motto ‚dieser Kelch ist an uns vorübergegangen.‘ Wenn sich die Messwerte in den kommenden Jahren nicht verbessern, wird die Fahrverbotsdiskussion schneller auf der Tagesordnung stehen als wir ‚Elektromobil‘ sagen können“.

Zum Abschluss geht die Präsidentin auf die Planungen für eine Bewerbung der Metropolregion Rheinland-Ruhrgebiet für die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2032 ein. „Unsere Vollversammlung unterstützt nach Abwägung der derzeit bekannten Chancen und Risiken die Olympia-Bewerbung. Wir sehen darin die Möglichkeit, Einigkeit und Schlagkraft der Metropolregion Rheinland-Ruhrgebiet zu dokumentieren und den Erneuerungsprozess der Region zu beschleunigen“, so Kruft-Lohrengel. Die Vollversammlung werde sich bei Vorlage der offiziellen Bewerbungsunterlagen für das Nationale Olympische Komitee nochmals abschließend positionieren. Sie betont, dass Olympia eine riesige Chance für die Wirtschaft und die regionale Entwicklung an Rhein und Ruhr sei – ein Event mit weltweiter Ausstrahlung und Wirkung. Das Ruhrgebiet könne vor allem damit punkten, eine nachhaltige Olympiade durchführen zu können. „Nicht nur Toleranz und Sportbegeisterung, sondern auch die vorhandenen Infrastrukturen, Sportstätten sowie die Wirtschaftskraft der Region sind ein großes Pfund für eine erfolgreiche Bewerbung“. Sie betont: „Ganz wesentlich ist: Die Bevölkerung muss eine solche Bewerbung mittragen“.

Beitrag drucken
Anzeigen