Dürreproblem im Blick: Landrat Hans-Jürgen Petrauschke traf sich in Kaarst-Vorst mit dem Vorstand des Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach (Foto: M. Reuter/Rhein-Kreis Neuss)

Rhein-Kreis Neuss. Die Landwirte hoffen auf langanhaltenden Regen. Der für die nächsten Tage prognostizierte Niederschlag ist nämlich nicht ausreichend, um ihre Ernte zu sichern. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Boden extrem ausgetrocknet ist und zum Teil bis zu einem halben Meter tiefe Risse aufweist, in denen das Regenwasser zunächst versickert. Das wurde bei einem Besuch von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke bei der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach deutlich.

Petrauschke zeigte sich betroffen von den Folgen der Dürre für die Landwirtschaft. „Die Landwirtschaft versorgt die Bevölkerung mit Lebensmitteln und ist außerdem ein bedeutender Arbeitgeber in unserer Region. Wir unterstützen sie bei der Suche nach langfristigen Lösungen zur Eindämmung des Problems“, so Petrauschke. Er traf den Vorsitzenden der Kreisbauernschaft, Wolfgang Wappenschmidt, und dessen Vorstandskollegen auf dem Hof von Stefan Schwengers, dem Vorsitzenden des Kreisrinderviehzuchtvereins Mönchengladbach-Grevenbroich-Neuss, in Kaarst-Vorst.

„Das derzeitige Wetter ist kein Grund für politische Forderungen nach einer Agrarwende. Jedes Jahr passen wir Anbauplanung, Sortenwahl, Düngung und Pflanzenschutz den aktuellen Gegebenheiten an. Gegen eine Dürre wie in diesem Jahr ist man jedoch weitgehend machtlos. Die Landwirtschaft ist kein Auslöser des Klimawandels und der damit verbundenen Temperatursteigerungen“, sagte Wappenschmidt. Die Bauern fürchten Ernteeinbußen bei den Sommerkulturen von mehr als 30 Prozent. Besonders betroffen sind Gemüse und Kartoffeln, die einen hohen Anteil am Betriebsergebnis ausmachen, und der Mais. Die derzeit erzeugte Ware weist nicht nur geringere Mengenerträge, sondern auch weniger Nährstoffe auf, was zu einer geringeren Futterqualität fürs Vieh führt. Es muss deshalb Futter hinzugekauft werden, das aber aufgrund der hohen Nachfrage sehr teuer ist. „Der Futtermarkt ist wie leergefegt, und einige Anbieter halten ihre Ware in Erwartung steigender Preis zurück“, hieß es.

Obwohl die Beregnungsanlagen in diesen Tagen rund um die Uhr laufen, reichen die Kapazitäten nicht, um alle Felder bewässern zu können, wie es aktuell nötig wäre. Das Problem der Landwirte ist allerdings nicht nur die Trockenheit, sondern auch die große Hitze, die den Tieren und den Pflanzen zusetzt.

Wenn der Bund ein „Ereignis von nationalem Ausmaß“ und das Land als „widrig“ anerkannte Witterungsverhältnisse ausrufen würden, würden drohende Schadensersatzpflichten der Bauern gegenüber Abnehmern wegfallen, mit denen Lieferverträge bestehen. Ansonsten würden die Landwirte über die extreme Trockenheit und die dadurch zu erwartenden Mindererträge hinaus finanziell noch weiter belastet. „Wir kämpfen jedenfalls engagiert darum, den wirtschaftlichen Schaden der Dürre so gering wie möglich zu halten und die Versorgung der Menschen bei uns sicherzustellen“, versicherten die Bauern dem Landrat.

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