Martin Siekerkotte (li.), Berater für Landbau und Wasserwirtschaft bei der Landwirtschaftskammer NRW, und Thomas Oertel, Leiter Trinkwassergewinnung bei der Stadtwerke Duisburg AG, sind begeistert von der Entwicklung des Blühstreifens nur wenige Wochen nach der Aussaat (Foto: Stadtwerke Duisburg AG)

Duisburg/Düsseldorf. Außerordentlich farbenprächtig erstrahlt das Blütenmeer im Wasserschutzgebiet direkt am Wasserwerk der Stadtwerke Duisburg AG in Düsseldorf-Bockum. Auf einer Fläche von rund 3.000 m² wurde im Mai 2018 im Rahmen der Kooperation zwischen Wasser- und örtlicher Landwirtschaft ein besonderer Blühstreifen aus verschiedenen Pflanzenarten angelegt. Der gesäte Pflanzenmix, speziell zur Förderung des Schmetterlings- und Wildbienenbestandes, besteht aus 42 Pflanzenarten, darunter Phacelia (auch als „Bienenweide“ bekannt), Ölrettich, Kornblume, Buchweizen, Ringelblume, Dill, Gelbsenf, Schwarzkümmel, Thymian, Malve und Koriander. Die Fläche reiht sich ein in verschiedene Maßnahmen der Kooperation, in denen Wasserschutz und Naturschutz aktiv verbunden werden.

Attraktiv ist die Fläche nicht nur äußerlich, sondern sie bietet Lebensraum für unterschiedlichste blütenbesuchende und bodenlebende Insekten. Zum Beispiel die massiv gefährdeten Wildbienen, für die der angelegte Platz als wichtiger Nahrungsraum dient. „Die gefällten Bäume am Rand der Wiese bieten zusätzlich Raum für Nester der Bienen“, erklärt Martin Siekerkotte. Der Diplom-Agraringenieur ist Berater für Landbau und Wasserwirtschaft bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und steht den Landwirten im Wasserschutzgebiet zum Beispiel beratend in Fragen des korrekten und richtig dosierten Düngemitteleinsatzes zur Seite. Seit mehr als 25 Jahren läuft die Kooperation zwischen Wasser- und Landwirtschaft überaus erfolgreich und hat zu einer signifikanten Verringerung der Nitratbelastung im Wasserschutzgebiet geführt. „Diese Kooperation ist von Beginn an eine absolute Erfolgsgeschichte und die Ergebnisse unserer Wasseranalysen geben uns recht“, sagt Thomas Oertel, Leiter der Trinkwassergewinnung bei den Stadtwerken Duisburg. Joachim von Holtum, Landwirt und Vorsitzender der Kooperation bestätigt das: „Beide Seiten haben einander das nötige Vertrauen entgegengebracht, um partnerschaftlich die besten Lösungen gemeinsam zu erarbeiten.“

Eine weitere positive Folge des neu angelegten Blühstreifens ist mehr Bodenleben, unter anderem auch durch Zunahme der Regenwurmpopulation, wodurch eine Verbesserung der Bodenstruktur und Wasserhaltung entsteht. Außerdem fungiert der Streifen als Rückzugsraum für verschiedene Vogelarten und Kleinsäuger.

Die 3.000 m² große Fläche ist mit einer Blühzeit von bis zu fünf Monaten im Jahr durch den gewählten Pflanzenmix dauerhaft angelegt. Aktuell sind weitere Blühflächen am Trinkwasserhochbehälter auf dem Försterberg als Rückzugsräume für Wildbienen und andere Insekten geplant.

Über die Kooperationsarbeit

Seit mehr als 25 Jahren arbeiten die Stadtwerke mit Landwirten und Gartenbaubetrieben im Sinne des Gewässerschutzes partnerschaftlich zusammen. Das Ziel ist die Sicherung der Trinkwasserversorgung bei gleichzeitiger Sicherung der Existenzfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. Diese Kooperation mit derzeit circa 80 Betrieben ist damit eine der ältesten in ganz NRW. Das Wasserschutzgebiet im Einzugsbereich der Wasserwerke Wittlaer und Bockum hat eine Größe von 64 Quadratkilometern und ist damit eines der größten in Nordrhein-Westfalen. Über 20 Quadratkilometer im Wasserschutzgebiet werden landwirtschaftlich genutzt.

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