Nina Genschow (Fotos: privat)

Duisburg. Die 21-jährige Nina Genschow steht kurz vor ihrem Abschluss an der Krankenpflegeschule des Helios Klinikum Duisburg. Ihr Ziel für die Zukunft: Kinderkrankenschwester im hauseigenen Perinatalzentrum zu werden. Denn die fröhliche junge Frau verbindet eine besondere Geschichte mit dieser Abteilung. 1997 wurde sie hier, gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester, als Frühchen geboren und aufgepäppelt.

Es war ein kalter Wintertag, als Nina und ihre Zwillingsschwester Dana am 29. Januar 1997 in der St. Johannes Klinik in Duisburg Alt-Hamborn auf die Welt kommen, fast zehn Wochen zu früh und nur rund 1300 Gramm schwer. Schwere Stunden und Tage rollen über ihre Eltern hinweg, als die zwei Mädchen ums Überleben kämpfen. Doch nach zwei Monaten auf  der Intensivstation ist klar: Sie werden es schaffen, wenn auch nicht ganz ohne Spuren. Denn bei der jüngeren Dana bleiben aufgrund der zu frühen Geburt körperliche Schäden in Form der sogenannten Zerebralparese zurück, einer Störung des Bewegungsapparates. Nina selbst ist gesund. „Ohne die Fürsorge und die Kompetenz des damaligen Teams hätten wir das nicht geschafft. Alle haben sich bei Fortschritten unserer Mädchen so herzlich mitgefreut, das vergesse ich nie“, erinnert sich Ninas Mutter Michaela. Die Familie lebt heute im benachbarten Kamp-Lintfort.

Die besondere Geschichte ihrer Geburt hat auch Ninas Leben geprägt: Sie verbringt viel Zeit mit ihrer Schwester, kümmert sich intensiv um sie. Und fasst wohl auch deshalb schon früh den Plan, später im sozialen Bereich mit Menschen zu arbeiten. Eine Aufgabe, die zu ihr passt, die 21-Jährige lacht viel, ist ein herzlicher und offener Mensch. Dass es sie dafür allerdings tatsächlich wortwörtlich wieder an den Ort ihrer Geburt verschlägt, ist eigentlich einer Zahl zu verdanken: Mit 2,1 ist ihr Abiturschnitt nicht gut genug für die sofortige Zulassung zum Medizinstudium. Nina entscheidet sich deshalb zunächst für einen Umweg und bewirbt sich im Umkreis für die Ausbildung zur Kinderkrankenpflegerin. Sie erhält viele Zusagen, doch eine freut sie besonders: Ihr Geburtskrankenhaus,  die St. Johannes Klinik, heute unter Helios Trägerschaft, bietet ihr sofort einen Platz an. „Als ich das Schreiben meinen Eltern gezeigt habe, mussten beide sichtlich über die Konstellation schmunzeln“, erzählt sie. Im Herbst 2015 startet Nina schließlich tatsächlich ihre Lehrzeit in Alt-Hamborn, wechselt zwischen Theorie und Praxis und verbringt letztere – wenig überraschend –  am liebsten auf der Kinderintensivstation des Perinatalzentrums, bei den Kleinsten der Kleinen. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich hier selbst vor 20 Jahren als Frühchen gelegen habe, ist das schon bewegend.“ Das Besondere: Einige der Pflegekräfte und Ärzte von damals arbeiten auch heute noch hier, unter anderem Regina Lange, heute Stationsleitung der Intensiveinheit, die sich mit einem Schmunzeln erinnert: „Als ich ihren Nachnamen hörte, hatte ich sofort wieder die Bilder der zwei kleinen, tapferen Mädchen im Kopf, auch wenn es schon so viele Jahre her ist. Umso schöner, dass wir Nina jetzt erwachsen und munter als Kollegin bei uns haben werden.“

Nina gefällt die Arbeit sehr, sogar so gut, dass sie ihren Plan vom Medizinstudium mittlerweile aufgegeben hat: „Für mich gibt es nichts Besseres, als meine kleinen Patienten und ihre Familien jeden Tag zu versorgen. Als Ärztin würde ich ja viel weniger Zeit mit ihnen verbringen.“ Nur noch rund vier Wochen trennen sie jetzt von den Abschlussprüfungen, bisher läuft es gut, auch wenn der Lernstoff happig ist. Doch seit kurzem ist ihre Motivation noch mal ein großes Stück gewachsen: Die Klinik hat ihr aufgrund ihrer guten Noten und Leistungen noch vor dem Ende ihrer Ausbildung einen Platz als Pflegekraft auf der Kinderintensivstation angeboten. Für die junge Frau ein toller Start in den Job: „Damit schließt sich ja irgendwie auch ein Kreis. Und ist es nicht wunderbar, dass ich den kleinen Frühchen nun selbst beim Start in ihr Leben helfen kann.“

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