Stellten gemeinsam das Projekt "Notgroschen für Senioren" vor (v.l.): Stadtdirektor Burkhard Hintzsche, Sabine Tüllmann, Vorstandsvorsitzende Bürgerstiftung, Projektleiterin Kerstin Hommel und Peter Fröhlich von der Stiftung Gemeindienst Düsseldorf (Foto: © Stadt Düsseldorf/Wilfried Meyer)
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Düsseldorf. In Düsseldorf leben rund 9.000 Seniorinnen und Senioren an der Armutsgrenze – Tendenz steigend. Die durchschnittliche Rente der insgesamt 112.187 Rentnerinnen und Rentner (31.12.2016) liegt bei nur 960 Euro. Die Düsseldorfer Pflegedienste sowie das Team der aufsuchenden Seniorenhilfe der Stadt Düsseldorf treffen bei ihrer täglichen Arbeit immer häufiger auf ältere Menschen, die – über mögliche Pflegeleistungen hinaus – auf Hilfe in ihrem Alltag angewiesen sind. Dazu gehören neben Putzarbeiten oder der Zubereitung warmer Mahlzeiten beispielsweise das Erledigen größerer Einkäufe sowie die Begleitung bei Arztbesuchen oder zu Ämtern. Jedoch haben viele Seniorinnen und Senioren keine Möglichkeit, diese so dringend benötigte Hilfe auch zu bekommen – weil sie sie nicht bezahlen können, denn sie verfügen nur über eine geringe Rente oder sind auf Grundsicherung angewiesen. Dabei haben viele örtliche Pflegedienste dieses ergänzende Angebot längst in ihren Leistungskatalog aufgenommen und werden zunehmend angefragt, diese Leistungen zu erbringen.

Seit Januar vergangenen Jahres haben alle Pflegebedürftigen, die zu Hause gepflegt werden – von Pflegegrad eins bis fünf – Anspruch auf einen so genannten Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich. Dieser Betrag kann über die örtlichen Pflegedienste abgerechnet werden, bei Anrechnung eines üblichen durchschnittlichen Stundenlohns können etwa vier bis fünf Stunden monatliche Arbeit geleistet werden. Das reicht nicht immer aus, denn oftmals sind diese Stunden schon durch die Begleitung eines einzigen Arztbesuchs verbraucht. Viele ältere Menschen nehmen aus Scham oder Unwissenheit offizielle Unterstützungsmöglichkeiten nicht in Anspruch. Zudem haben Seniorinnen und Senioren ohne Pflegegrad keinen Anspruch auf diesen Entlastungsbetrag, sind aber dennoch vielfach auf Hilfe in ihrem Alltag angewiesen. Für diese direkte und konkrete Alltagshilfe erhöht die Bürgerstiftung ihr Projekt „Notgroschen für Senioren“ auf insgesamt 30.000 Euro im Jahr, jeweils 10.000 Euro davon übernehmen, neben der Bürgerstiftung selbst, die Peter-Michael-Engel-Stiftung sowie die Stiftung Gemeindienst Düsseldorf. „Wenn wir sehen, dass höherer Bedarf besteht, werden wir den Betrag gerne noch weiter aufstocken“, sagt Stiftungsgründer Peter Engel. Und Peter Fröhlich von der Stiftung Gemeindienst Düsseldorf ergänzt: „Uns ist es ein ganz besonderes Anliegen, die älteren Düsseldorfer zu unterstützen, denn gerade sie sollten in unserer wohlhabenden Stadt nicht vergessen werden.“

Bedürftige Seniorinnen und Senioren, die mindestens 65 Jahre alt sind, können maximal ein Jahr lang einen Betrag von 120 Euro im Monat erhalten, abzurechnen durch örtliche Pflegedienste bei einem Stundensatz von maximal 28 Euro. Innerhalb des Jahres soll über Grundsicherung beziehungsweise Pflegegrad eine dauerhafte Unterstützung organisiert werden. Koordiniert wird das Projekt ehrenamtlich für die Bürgerstiftung von Kerstin Hommel, designiertes Stiftungsratsmitglied der Bürgerstiftung. „In meiner Funktion als Geschäftsführerin des Albatros Kranken- und Palliativpflegedienstes erlebe ich täglich, wie in unserer Stadt immer mehr alte und kranke Menschen in die Altersarmut abrutschen. Gegen diese Entwicklung setzt das Projekt am richtigen Hebel an. Gemeinsam mit der Bürgerstiftung möchte ich so vielen Betroffenen wie möglich helfen“, erläutert sie ihre Motivation. „Wir möchten mit dieser dauerhaften Hilfe gegen die Not älterer Menschen in Düsseldorf aktiv werden“, ergänzt die Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung, Sabine Tüllmann.

Die aufsuchende Seniorenhilfe der Stadt Düsseldorf unterstützt das Projekt. „Das Team der aufsuchenden Seniorenhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf arbeitet eng mit der Bürgerstiftung zusammen und wird Betroffene und Angehörige bei Fragen unterstützen“, erläutert Stadtdirektor und Sozialdezernent Burkhard Hintzsche, der das Projekt gemeinsam mit der Bürgerstiftung vorstellte. Die aufsuchende Seniorenhilfe ist stadtteil- und stadtbezirksorientiert tätig und ein wichtiges Bindeglied zwischen den hilfebedürftigen Personen und den hilfeleistenden Diensten. Das Angebot, die Klienten zu Hause aufzusuchen ist dabei der wichtigste Ansatzpunkt für eine vertrauensvolle Arbeit und die beste Basis für die Vernetzung mit weiteren Kooperations- und Ansprechpartnern.

Kerstin Hommel wird im Düsseldorfer Stadtgebiet vertrauenswürdige Pflegedienste für diese Nothilfe akquirieren mit dem Ziel, in jedem Stadtteil mindestens einen Pflegedienst zu gewinnen, der sich an dem Projekt beteiligt. Zudem wird sie die Antragsteller zu Hause besuchen, vor Ort deren Bedürftigkeit prüfen und entscheiden, ob sie für das Projekt infrage kommen. Ist das der Fall, wird sie bei der Antragstellung helfen und gemeinsam mit den Pflegediensten sowie ehrenamtlichen Mitarbeitern der Bürgerstiftung die Unterstützung koordinieren.

Wer mehr über die Bürgerstiftung Düsseldorf erfahren möchte, findet alle wichtigen Informationen auf der Internetseite www.buergerstiftung-duesseldorf.de.

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