Für seine Gruselgeschichte bekam Ahmad den ersten Preis (Foto: © Kinderstiftung Essen)

Essen. Der Begriff „Knalltüte“ ist eigentlich nicht positiv besetzt – und doch tragen seit gestern 120 Schulkinder voller Stolz den Titel „Essener Knalltüte“. Sie haben bei dem gleichnamigen Projekt der Stadtteilbibliothek Freisenbruch in Kooperation mit dem Bürgerhaus Oststadt zur Stärkung der Schreib- und Lesekompetenz mitgemacht. Als Anerkennung durften sie ihre zum Buch gebundene selbstgeschriebene Geschichte, eine Medaille und ein Kinderbuch der Autorin Claudia Schreiber mit nach Hause nehmen. Die Kinderstiftung Essen ermöglichte das Projekt mit einer Förderung in Höhe von 1.000 Euro.

Die Geschichte von Ahmad ist kurz und gruselig, die von Rama zehn Seiten lang und märchenhaft. So unterschiedlich wie die Persönlichkeiten, Interessen und Voraussetzungen der Drittklässler aus der Schule im Bergmannsfeld ist auch das, was sie in der Projektwoche zu Papier gebracht haben. Doch am Ende hält jedes Kind seine eigene Geschichte in Händen und ist sichtlich stolz darauf. Auch Nikita, der erst vor zwei Jahren aus Kasachstan nach Deutschland gekommen ist und die Zuhörer mit seiner pazifistischen Kurzgeschichte „Waffeln statt Waffen“ beeindruckt.

Angesichts der zahlreichen Kinder mit Migrationshintergrund waren die Organisatoren zunächst skeptisch, ob das Konzept aufgehen würde: wenig Vorgaben, viel Raum für Kreativität an verschiedenen Stationen, um sich in unterschiedlichster Form mit dem Hören, Lesen und Schreiben zu beschäftigen. Ausgedacht hatte es sich die Journalistin und Kinderbuchautorin Claudia Schreiber, die das ambitionierte Vorhaben von Anfang an begleitete. Am Ende der Woche ist das Lob der Schriftstellerin groß: „Ihr habt richtig klasse Texte geschrieben!“ Das Resümee von Marita Schimnatkowski vom Bürgerhaus Ost fällt ebenso positiv aus: „Es war eine intensive Woche – sehr anstrengend, aber es hat sich absolut gelohnt.“ Gemeinsam mit Alexandra Friedlein von der Stadtteilbibliothek Freisenbruch bedankt sie sich beim Vorstand der Kinderstiftung Essen, Hans-Georg Adam, für die Förderung. „Ohne diese Unterstützung wäre das Projekt nicht möglich gewesen.“ Bei der Abschlussveranstaltung kann Hans-Georg Adam sich von den positiven Impulsen und den wertvollen Ergebnissen der Projektarbeit überzeugen. „Auch schreibfaule Kinder haben sich auf das Projekt eingelassen“, berichtet Rebecca Muschalik, Klassenlehrerin der 3b. Sie hofft, dass die „Essener Knalltüte“ auch an anderen Schulen zum Einsatz kommt. „Genau das ist es, was wir mit unserer Arbeit tun wollen: Anregungen und Anstöße geben“, lobt Adam. Die Kinderstiftung Essen will sich künftig verstärkt im Bereich Sprachförderung engagieren.

Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass Sprachförderung nicht unbedingt heißt, die Schulbank zu drücken. Klassenweise besuchten die Schülerinnen und Schüler ihre Stadtteilbibliothek; sie waren mit Feuereifer bei der Sache und arbeiteten über viele Stunden konzentriert. „Es hat Spaß gemacht, dass wir kreativ sein konnten“, berichtet Gian. Besonders beliebt bei den Kindern war die Therapiehündin Frida. Sie verhalf Kindern, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, zum entspannteren Vorlesen: Ein Vierbeiner kritisiert nicht, aber er liebt es, Streicheleinheiten zu bekommen.

Was Frida vermutlich nicht so gut gefällt, ist das Geräusch der Knalltüten, die zum Abschluss der Veranstaltung in vielfacher Ausfertigung lautstark durch die Luft gezogen werden. Gefaltet ist die „Essener Knalltüte“ aus bedrucktem Zeitungspapier, das viele Anregungen für neue Geschichten liefert.

Zur Kinderstiftung Essen
Die Kinderstiftung Essen und deren Gründer engagieren sich seit 1984 für die Interessen und Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien. Ihr Ziel ist es, eine kindgerechte Großstadt zu schaffen und Kindern nachhaltige Zukunftsperspektiven zu geben. Die Kinderstiftung pflegt dazu eine enge strategische Kooperation mit dem Oberbürgermeister und dem Jugendamt der Stadt Essen.

Beitrag drucken
Anzeigen