Blick in die nordöstliche Abbaustrecke des Bergwerks "Graf Wittekind" (Foto: Lars van den Berg)

Mülheim. Mit dem Mülheimer Bergbauverein über- und untertage Bergbau hautnah erleben

Es ist eng, dreckig und dunkel, aber trotzdem eine faszinierende Welt: der Bergbau untertage. Während die Steinkohle heute mit modernster Technik abgebaut wird, war vor 200-300 Jahren noch reine Handarbeit gefordert, die im Bergwerk „Graf Wittekind“ in Dortmund noch heute erlebbar ist. Im Jahr der Stilllegung des letzten Steinkohlenbergwerks im Ruhrgebiet nimmt der Mülheimer „Initiativkreis Bergbau und Kokereiwesen e.V.“ (IBK) seine Besucher daher unter anderem mit nach untertage und zeigt, unter welchen schwierigen Bedingungen die Bergleute damals arbeiten mussten. Wer sich also mal so richtig dreckig machen und Bergbau hautnah erleben möchte, der sollte sich unbedingt zu den Führungen anmelden. Doch auch die anderen Bergbauepochen sind Bestandteil weiterer Führungen.

In Mülheim verschwindet ein Mülheimer Bergbauwahrzeichen

Vor 50 Jahren verschwand mit der Sprengung des Förderturmes über Schacht 1 der Zeche „Rosenblumendelle“ ein Mülheimer Bergbauwahrzeichen mit einem lauten Knall aus dem Stadtbild. In Mülheim als erster Ruhrgebietsstadt ohne Bergbau hatte damals der Strukturwandel Einzug gehalten, der Ende 2018 mit der Stilllegung des letzten Steinkohlenbergwerks im Ruhrgebiet in die nächste Phase geht. Grund genug, einen Blick in die Bergbaugeschichte zu werfen. Am 17.06.2018 findet zum wahrscheinlich vorerst letzten Mal die Führung „Auf den Spuren der Kumpel…!“ über und rund um die Zeche „Rosenblumendelle“ in Mülheim-Heißen statt, die seit nunmehr rund 15 Jahren zum festen Programm gehörte. Bei dem Rundgang über das ehemalige Zechengelände stellt der Verein anhand von historischen Fotos, Zeichnungen und Plänen die Geschichte und die erhaltenen Reste des 1966 stillgelegten letzten Mülheimer Bergwerks „Rosenblumendelle“ vor. Auch der 1968 gesprengte Förderturm von Schacht wird dabei noch einmal „zum Leben erweckt“.

Moderne Bergbautechnik live erleben

Doch nicht nur der historische Bergbau in Mülheim gehört zum Programm des „Initiativkreis Bergbau und Kokereiwesen e.V.“. Bei einer Führung durch das RAG-Trainingsbergwerk in Recklinghausen können die Besucher getreu dem Titel der Führung „Bergmann für einen Tag“ sein. Hier erleben die Teilnehmer den modernen Bergbau bei einer Führung durch den Betrieb und können Kohlenhobel, Walzenschrämmlader, Einschienenhängebahn, einen Schacht und vieles mehr live erleben. Das Trainingsbergwerk wurde unter einer alten Bergehalde eingerichtet und enthält auf über einem Kilometer Streckennetz alle wichtigen Bestandteile eines modernen Bergwerks. Einige der Maschinen im Bergwerk können die Besucher sogar – teilweise sehr lautstark – in Bewegung und Aktion erleben.

Einmal untertage so richtig dreckig werden

Wer sich nach untertage begeben und mal so richtig dreckig machen möchte, der hat schon am 09.06.2018 die Gelegenheit dazu. An diesem Tag bietet der Mülheimer Bergbauverein in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Dortmund des „Fördervereins bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.“ eine Grubenfahrt im Bergwerk „Graf Wittekind“ in Dortmund-Syburg an. Die heute noch zugänglichen Grubenbaue wurden in der Zeit ab 1740 angelegt, um mit einer kleinen Belegschaft von bis zu 10 Mann Kohle aus Flöz Sengsbank zu fördern. In den engen und niedrigen Stollen, Strecken und Streben war es dunkel, dreckig und nass. Mit einfachsten Arbeitsmitteln verrichteten die Bergleute unter diesen Bedingungen damals ihre schwere und nicht selten gefährliche Arbeit. Schutzausrüstung und Fördertechnik, wie sie heute Standard sind, gab es damals noch lange nicht.

Wer sich traut, kann den Spuren der alten Bergleute folgen. Ausgestattet mit einem Helm, einer Grubenlampe, Arschleder, Schutzausrüstung und einem Schutzoverall fahren die Teilnehmer der Führung am 09.06.2018 in Begleitung eine Grubenführers in die Grube ein und erleben die Welt des Bergbaus vor 200-300 Jahren. Voraussetzung hierfür ist eine gute körperliche Verfassung, da ein Teil der rd. 2-stündigen Befahrung auf allen Vieren erfolgt und auf diese Weise einige Meter an Steigungen zu überwinden sind, die man zu Beginn der Führung auf dem Arschleder hinunter gerutscht ist.

Ran an die Tastatur – noch sind Plätze frei

Neben der Grubenfahrt auf „Graf Wittekind“ am 09.06.18 und der Führung zur Zeche „Rosenblumendelle“ am 17.06.18 bietet der Verein auch eine Bergbau-Fahrradtour am 19.08.18 von Mülheim an der Ruhr nach Essen an. Am 16.09.18 findet außerdem die Bergbau-Stadtrundfahrt „Einmal Mülheimer Bergbau und zurück…!“ in Mülheim an der Ruhr statt. Den Abschluss bilden eine Bergwanderung zur Geschichte der Mülheimer Zeche „Wiesche“ am 13.10.18 sowie die Führung durch das RAG-Trainingsbergwerk am 01.12.18.

Noch sind für alle Führungen Plätze frei. Anmeldungen sind unter www.bergbauverein.de oder telefonisch unter 0157 / 77 24 64 83 (vorwiegend Mo-Sa 18.30 – 21.00 Uhr) möglich. Hier gibt es auch weitere Informationen zu den einzelnen Führungen. Und auch auf Facebook ist der Verein vertreten: www.facebook.com/bergbaufuehrungen

Der Initiativkreis Bergbau und Kokereiwesen e.V.

Der „Initiativkreis Bergbau und Kokereiwesen e.V.“ wurde bereits 1995 gegründet und befasst sich seither mit der Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet. Der Mülheimer Bergbau stellt dabei einen Schwerpunkt der Arbeit dar. In Zusammenarbeit mit ehemaligen Mülheimer Bergleuten, aber auch anderen themenbezogenen Vereinen und Einrichtungen wird durch Ausstellungen, Vorträge und geführte Exkursionen die Erinnerung an die Bergbaugeschichte wach gehalten. Doch auch der aktive Erhalt montanhistorischer Zeitzeugen gehört zum Aufgabenbereich.

Ziele der „Arbeitsgemeinschaft Mülheimer Bergbau“:

– Dokumentation der Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet
– Zusammenarbeit mit Archiven, Behörden und themenbezogenen Vereinen
– Öffentliche Exkursionen zu montanhistorischen Orten für geschichtlich Interessierte
– Durchführung von Ausstellungen
– Erhalt montanhistorischer Relikte

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