Feuerwehrdezernentin Helga Stulgies verabschiedete den stellvertretenden Leiter der Düsseldorfer Feuerwehr Christian Schlich in den Ruhestand (Foto: © Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert)
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Düsseldorf. Der stellvertretende Leiter des Amtes Feuerwehr, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz, Christian Schlich, geht nach über 30 Jahren Feuerwehrdienst in den Ruhestand. Seine in den letzten Jahren angesammelten Überstunden wird er ausgleichen, sodass er die Düsseldorfer Feuerwehr bereits im Mai 2018 verlässt.

Feuerwehrdezernentin Helga Stulgies erklärt: „Christian Schlich war der Feuerwehr Düsseldorf über drei Jahrzehnte hinweg verbunden. Mit seiner Expertise vor allem im Bereich brandschutztechnischer Bauangelegenheiten hat er die Landeshauptstadt auf vielfältige Art und Weise unterstützt. Als Leiter der Abteilung ‚Vorbeugender Brandschutz‘ begleitete er zahlreiche Großprojekte und machte Gebäude wie die ESPRIT arena, den ISS-Dome oder das Museum Kunstpalast brandsicher. Auch die brandschutztechnische Sanierung des Hauptbahnhofes, des Rheinufertunnels und der neuen Wehrhahnlinie lagen in seinen Händen. Im Namen der Landeshauptstadt Düsseldorf bedanke ich mich für seinen langjährigen Dienst und wünsche ihm einen schönen Ruhestand.“

Über 30 Jahre war Christian Schlich im Führungsdienst der Feuerwehr Düsseldorf tätig. Nach zehnjährigem Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr in seiner Heimatstadt Essen sowie nach Abschluss seines Studiums zum Diplom-Bauingenieur und einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum am Lehrstuhl für Baukonstruktion, Ingenieurholzbau und Bauphysik, trat Schlich im April 1988 seinen Dienst als Brandreferendar bei der Feuerwehr Düsseldorf an. 1990 übernahm er zunächst die Leitung der Abteilung „Aus- und Fortbildung“. In dieser Zeit wurde die neue Rettungsassistentenschule staatlich anerkannt und etabliert. 1992 wechselte er dann in die Abteilung „Vorbeugender Brandschutz“, die er seitdem leitete, und wurde Experte für brandschutztechnische Bauangelegenheiten. Im November 2006 wurde er zum stellvertretenden Amtsleiter bestellt. Es folgte im August 2007 die Beförderung zum Leitenden Städtischen Branddirektor.

Einsatzleiter bei vielen Großeinsätzen in Düsseldorf
Zum Abschluss seiner beruflichen Laufbahn wurde Christian Schlich in Würdigung hervorragender Leistungen auf dem Gebiet des Feuerwehrwesens mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber ausgezeichnet. Bezirksbrandmeister Hans Peter Thiel, Helmut Probst, Inspekteur der Feuerwehr des Landes NRW sowie Thomas Jeziorek, Leiter der Flughafenfeuerwehr überreichten ihm diese Auszeichnung.

Schlich hat in seiner Zeit bei der Feuerwehr einige größere Einsätze miterlebt. Einer seiner ersten Großeinsätze als Einsatzleiter war der Brand in der U-Bahn Heinrich-Heine-Allee 1991. Bei diesem personalintensiven und kräftezehrenden Einsatz brannten Kabel im U-Bahntunnel. Beim Rheinhochwasser 1993 und 1995 sowie beim Lagerhallenbrand in Heerdt 1995 stellte er seine Geschicke als Einsatzleiter mehrfach unter Beweis; ebenso beim Brand im Evangelischen Krankenhaus im Dezember 2014, bei dem er rund 160 Einsatzkräfte leitete.

Am 29. April 2003 absolvierte Schlich eine Schicht, die ihm lange in Erinnerung bleiben wird. Zwei Baukräne an der Königsallee stürzten um. Bei dem Unfall kam ein Bauarbeiter ums Leben, vier weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Nur wenige Stunden später gab es in der Glashütte Gerresheim eine schwere Explosion, bei der insgesamt sieben Menschen verletzt wurden. Auch hier lenkte der damals 42-Jährige die rund 90 Einsatzkräfte und sorgte für eine schnelle Bekämpfung der Flammen.

Beim Pfingststurm ELA im Juni 2014, dem in der Geschichte der Düsseldorfer Feuerwehr längsten und größten Einsatzszenario, war er ebenfalls Einsatzleiter der ersten Stunden. Gemeinsam mit Feuerwehrchef Peter Albers koordinierte er zehn Tage über 8.000 Schadensmeldungen und führte teilweise gleichzeitig über 1.500 Einsatzkräfte.

In der Zeit vom 7. September 2015 bis zum 6. März 2016 erreichten rund 42.000 Flüchtlinge das Drehkreuz am Düsseldorfer Fernbahnhof. Aufbau, Infrastruktur und Arbeitsabläufe sowie Organisation der Transfers der Schutzsuchenden in Unterbringungen wurden gerade zu Beginn im städtischen Krisenstab organisiert. Da die Feuerwehr die Geschäftsführung im Krisenmanagement inne hat, kümmerte sie sich neben der Sozialverwaltung darum, die notwendigen strukturellen Voraussetzungen zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Christian Schlich war dort aufgrund seiner Erfahrungen ein wertvolles Mitglied im Rahmen des städtischen Krisenmanagements.

Christian Schlichs Einsatz für die Feuerwehr
In seiner Amtszeit steuerte Schlich als Leiter der Abteilung „Vorbeugender Brandschutz“ verschiedene große Projekte und erlebte den Strukturwandel vieler Industrieflächen – wie etwa des Hafens zum Medienhafen – mit. Daneben begleitete er herausragende bautechnische Großprojekte wie das Stadttor, GAP 15, Skyoffice, die EON-Zentrale, die ESPRIT arena, den ISS-Dome oder das Museum Kunstpalast.

Eine besondere Herausforderung war der schnelle Wiederaufbau des Düsseldorfer Flughafens nach dem verheerenden Brand 1996. Daraus ergab sich, dass auch städtische Gebäude im Hinblick auf ihre Sicherheit begutachtet wurden und die städtische Geschäftsanweisung „Brandschutz“ – heute „Geschäftsanweisung Notfall“ – eingeführt wurde. Sie schreibt regelmäßige Räumungsübungen in städtischen Gebäuden vor.

Ebenso hat Christian Schlich die brandschutztechnische Sanierung der Heinrich-Heine-Universität, des Hauptbahnhofes und des U-Bahnnetzes betreut. Weitere Verkehrsprojekte wie den Rheinufertunnel, den Kö-Bogen oder die neue Wehrhahnlinie machten ihn zum Fachmann für Brandschutz in unterirdischen Verkehrsanlagen. Seit 2001 leitete er die Arbeitsgruppe der Feuerwehren in NRW, die im regen Austausch mit dem Spurwerk NRW – einem Zusammenschluss aller Verkehrsbetriebe mit unterirdischen Verkehrsanlagen in Nordrhein-Westfalen – steht.

Als Baukoordinator der Feuerwehr betreute der studierte Bauingenieur zahlreiche Neu- und Umbauten, Sanierungen der Feuer- und Rettungswachen sowie der Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehr. So war er etwa am Neubau des Atemschutz-Übungszentrums auf dem Gelände der Garather Feuerwehr, was zugleich Standort der Düsseldorfer Feuerwehrschule ist, beteiligt.

Darüber hinaus wirkte Schlich als festes Mitglied in drei überregionalen Arbeitskreisen mit: In der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren sowohl von Nordrhein-Westfalen (AGBF NRW) als auch von der Bundesrepublik Deutschland (AGBF Bund) war er als Mitglied des Arbeitskreises „Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz NRW“ (1992 bis 2018) und als Obmann der Arbeitsgruppe „Unterirdische Verkehrsanlagen“ (2001 bis 2018) tätig. Auch im DIN-Ausschuss „Feuerschutzabschlüsse und Fahrschachttüren“ sowie im Sachverständigenausschuss „Feuerschutzabschlüsse“ im Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) wirkte er aktiv mit. Bei der Bezirksregierung Düsseldorf war er im Prüfungsausschuss für bühnentechnisches Fachpersonal verantwortlich. In der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (VFDB) war er im Referat „Werksicherheit – Werkschutz“ tätig.

Auch für soziale Belange engagierte sich Schlich. So lag ihm die Adventssammlung der Feuerwehr besonders am Herzen. Damit setzte er eine nun seit 34 Jahren währende Tradition der Düsseldorfer Feuerwehr fort. Die in der Adventszeit gesammelten Spenden kommen sozialen und caritativen Einrichtungen zugute.

Ruhestand nach 30 Jahren aktiven Feuerwehrdienst
Christian Schlich verabschiedet sich nach 30 Jahren aktiven Feuerwehrdienst in den Ruhestand. Als Privatmann wird Christian Schlich sich im Ruhestand Zeit für die Familie, zum Reisen und zum Erkunden der Lokalgeschichte seiner Heimatgemeinde nehmen. Neben seinem Engagement in kirchlichen sowie kulturellen Vereinen und Einrichtungen wird er seiner Berufung auch nach der Zeit bei der Feuerwehr Düsseldorf treu bleiben und weiterhin dem Vorbeugendem Brandschutz verbunden bleiben.

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