v.l. Philip Einfalt, Aylin Okyar-Köpke und Ehemann Ralf Köpke, Oberbürgermeister Frank Meyer beim Arbeitnehmerempfang der Stadt Krefeld im Rathaus (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken)

Krefeld. Oberbürgermeister Frank Meyer hatte am Freitag Vertreter der Krefelder Arbeitnehmerschaft ins Rathaus eingeladen. Betriebsräte und Gewerkschafter kamen beim Arbeitnehmerempfang über die Themen ins Gespräch, die auch die Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am 1. Mai bestimmen werden: „Vielfalt, Gerechtigkeit, Solidarität“ lautet dort das Motto. Der Empfang diente auch als inoffizielle Verabschiedung für den langjährigen Krefelder DGBVorsitzenden Ralf Köpke. Frank Meyer beschrieb dessen Handeln als gelungenen Balanceakt zwischen „klarer Kante“ und dem Versuch, gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen: „Ralf Köpke hat 16 Jahre lang als Vorsitzender des DGB in Krefeld seine Integrität in die Waagschale geworfen – und ich glaube, man kann mit Fug und Recht sagen: Er wurde dabei nie als zu leicht befunden.“

Der Oberbürgermeister lobte das Engagement von Ralf Köpke in zahlreichen Organisationen und Gremien. Neben dem DGB und der IG Metall, wo er hauptberuflich als Gewerkschaftssekretär wirkte, war Köpke unter anderem im Berufsbildungsausschuss der IHK, im Verwaltungsausschuss der Agentur für Arbeit, im Beirat des Jobcenters, im Marketingbeirat der Stadt Krefeld, in der Krefelder Runde Arbeit und Wirtschaft und in der Initiative Zukunft durch Industrie aktiv. „Als Mitläufer und Hinterbänkler ist er in diesem Zusammenhang gänzlich ungeeignet – in vielen dieser Gremien war er in verantwortlicher Funktion tätig“, betonte Frank Meyer. „Natürlich gehört es in diesem Geschäft zum Job, ein klares Wort zu pflegen, aber du, lieber Ralf, hast, wenn es darauf ankam, tatsächlich nie ein Blatt vor den Mund genommen. Du hast es als deine ureigene Aufgabe gesehen zu artikulieren, was viele der Beschäftigten dachten und fühlten. Deine Kritik war auch deswegen so glaubwürdig, weil die Politik und die lokalen Arbeitgeber dich eben auch als konsequenten Kämpfer für den Standort Krefeld kannten.“ Ralf Köpke war im vergangenen Sommer zum DGB-Bezirk NRW nach Düsseldorf gewechselt.

Neben der Verabschiedung hatte der Oberbürgermeister seine Rede unter das Motto Bildung und Ausbildung gestellt. Dabei legte er ein besonderes Augenmerk auf das Thema Chancengleichheit: „Unser Bildungssystem weist nach wie vor eine extreme Unwucht auf. Die Zahlen zeigen eindeutig, dass es für Kinder aus einfachen Verhältnissen immer noch eine deutlich höhere Anstrengung bedeutet, eine hochwertige Bildung und Ausbildung zu erlangen – und damit einen guten, sicheren Job zu bekommen.“ Frank Meyer versicherte, dass die Stadt Krefeld ihren Beitrag dazu leisten möchte, die Bildungschancen zu verbessern: Als Beispiele nannte er die kürzlich gegründete Initiative „Krefeld für Kinder“, das Sanierungsprogramm für die Krefelder Schulen, den Ausbau der digitalen Infrastruktur an Schulen und die Schaffung von rund 700 zusätzlichen Kita-Plätzen bis zum Jahr 2021. Für den Bereich Ausbildung erklärte er, die Stadt Krefeld werde die Zahl ihrer Ausbildungsstellen im mittleren und gehobenen Dienst von 2016 bis 2020 verdoppeln. Die Unternehmen forderte er auf, sich ebenfalls noch stärker im Bereich Ausbildung zu engagieren: „Es muss jedem klar sein, dass die Azubis von heute die Fachkräfte von morgen sind und dass jeder Betrieb seinen Teil dazu beitragen kann, die Chancengleichheit in unserer Stadt zu fördern. Das ist übrigens nicht nur eine Frage von gesellschaftlicher Verantwortung, sondern mindestens mittelfristig schlicht eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.“

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