Klaus Peter Hommes, Abteilungsleiter Bestandsaufbau, Sacherschließung und Fachinformation, Stephan Schwering, Leiter der Zentralbibliothek, und Dr. Norbert Kamp, Direktor der Stadtbüchereien (Foto: © Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanie Zanin)

Düsseldorf. Mit 5.022.989 Ausleihen lagen die Stadtbüchereien Düsseldorf 2017 wieder über der Fünf-Millionen-Marke. Im Vorjahr waren sie ganz knapp darunter geblieben. Die Zahl der Besuche blieb mit gut 1,3 Millionen stabil, während die virtuellen Besuche mit 2.410.465 noch einmal um 16,6 Prozent in die Höhe schnellten: Das ist die Bilanz 2017 der Stadtbüchereien Düsseldorf, die am Donnerstag, 19. April, mit dem Jahresbericht der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Dr. Nobert Kamp, Leiter der Stadtbüchereien Düsseldorf: „Die Digitalisierung der Gesellschaft, die vor den Bibliotheken nicht halt macht, befördert offensichtlich das Interesse der Düsseldorferinnen und Düsseldorfer an unseren Angeboten. Gedrucktes und Digitales steht inzwischen gleichberechtigt nebeneinander.“

Bestleiher aus dem Jahr 2017
Natürlich gab es unter den über fünf Millionen ausgeliehenen Medien auch wieder klare Lieblinge für die Besucherinnen und Besucher der Stadtbüchereien. In der Belletristik zählten Daniel Kehlmanns „Tyll“, Dan Browns „Origin“ und Robert Menasses „Die Hauptstadt“ zu den beliebtesten Medien. Bei den Sachbüchern gehörten Peter Wohllebens „Das geheime Netzwerk der Natur“, Yuval Noah Hararis „Homo deus“ und Axel Hackes „Über den Anstand in schwierigen Zeiten“ zu den Favoriten. Von den Kinderbüchern konnten am meisten Alexander Steffensmeiers „Lieselotte will nicht baden“, Margit Auers „Die Schule der magischen Tiere – Voll verknallt!“ und Alice Pantermüllers „Mein Lotta-Leben – Volle Kanne Koala“ überzeugen. Bei den „Non-Book“-Medien belegen das Hörbuch von Martin Suter „Elefant“, das Album von Ed Sheeran „Divide“ und der Film „Willkommen bei den Hartmanns“ die ersten drei Plätze. Im Bereich der E-Medien gehörten Jussi Adler-Olsens „Selfies“, Elena Ferrantes „Die Geschichte eines neues Namens“ und Maja Lundes „Die  Geschichte der Bienen“ zu den Lieblingen.

Kundenzufriedenheit
Wenn es um die Zufriedenheit mit den Dienstleistungen der Stadtverwaltung geht, sind die Stadtbüchereien oben mit dabei. Bei der Bürgerbefragung des Amtes für Statistik und Wahlen standen sie 2017 erneut an der Spitze der Skala. Auch die regelmäßigen Kundenbefragungen, die die Stadtbüchereien turnusmäßig alle vier Jahre durchführen, unterstreichen diese Beurteilung. Personal und Service erzielten jeweils Bestnoten.

Einige Kundenwünsche aus der Befragung von Ende 2016 konnten bereits umgesetzt werden und führten zu Servicebesserungen. Gelobt wurde vor allem der Ratsbeschluss, dass nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch junge Erwachsene in Ausbildung nun bis zum 21. Lebensjahr den Anspruch auf eine kostenfreie Bibliothekskarte haben. Die Anmeldungen in der Nutzergruppe der 18- bis 21-Jährigen stieg daraufhin im Jahr 2017 um über 40 Prozent an. Ebenfalls neu in 2017: Alle Ausleihmedien können elektronisch an jeden Standort bestellt werden. Durch den elektronischen Benachrichtigungsservice erhalten die Kunden dann alle aktuellen Informationen zu ihrer Bestellung in ihr E-Mail-Postfach. Sehr positiv aufgenommen wurde auch die neue Möglichkeit der Leihfristverlängerung für DVD-Spielfilme und Musik-CDs.

LibraryLab: das Zukunftslabor für Mitarbeiter, Kunden und Bürger-Experten
Im Oktober 2017 wurde das LibraryLab als Ort des Ausprobierens, des informellen Lernens und der Vermittlung digitaler Inhalte in der Zentralbibliothek eröffnet. Es gliedert sich bislang in folgende Bereiche: Virtuelle Realität, Gaming, MakerSpace, 3D-Druck, Kommunikationsraum und MakerKids (in der Kinderbibliothek). Bei der Eröffnungswoche mit 57 Veranstaltungen und mehr als 400 Besucherinnen und Besuchern wurde deutlich, dass „Virtual Reality“ für viele immer noch eine neue Erfahrung ist: Virtuell in der afrikanischen Savanne zu stehen und Löwen zu füttern oder mit Google Earth im Streetview durch die Straßen sämtlicher Weltmetropolen zu schlendern, fasziniert ebenso wie die Nachbildung des Düsseldorfer Fernsehturms mit Hilfe des 3D-Druckers. Dass dies nicht nur Spielereien sind, wird schnell klar, wenn man die heute bereits üblichen Anwendungen in Forschung und Technik, im medizinischen Bereich und den Medien betrachtet. Die Bibliothek will einen niedrigschwelligen Einstieg in diese Zukunftsbereiche schaffen, daher werden die Virtual-Reality-Brillen und die Anwendungen frei zugänglich angeboten. Eine weitere wichtige Qualität dieser „Experimentierplattfom“ ist die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Experten-Gruppen, die ihr Know-how präsentieren und mit anderen teilen möchten. So treffen sich in der Zentralbibliothek bereits die „Wikipedianer“, die während der Eröffnungswoche des LibraryLab anderen Interessierten zeigten, wie man einen Wikipedia-Eintrag aufbereitet und online stellt. Den Düsseldorfer Bloggern hat das regelmäßig stattfindende „#blogsofa“ seit 2016 eine Bühne eröffnet. Schnittstelle zwischen Social Media und realen Erfahrungen mit Mitmenschen zu sein, gehört zu den Aufgaben einer modernen Bibliothek. Die urbane Gesellschaft braucht einen nicht-kommerziellen, für alle Kulturen offenen Raum zum Austausch. Die Erfahrungen von LibraryLab werden Teams und Publikum der Zentralbibliothek darin unterstützen, diesen Raum im KAP 1 zu schaffen.

Der Blick nach Vorne: KAP 1 – Raum für Neues
Der für 2021 projektierte Umzug der Zentralbibliothek in das ehemalige Postgebäude am Konrad-Adenauer-Platz bedeutet weitaus mehr als eine Verdoppelung der Publikumsfläche. Auch wenn die räumliche Erweiterung als Erstes ins Auge sticht, verbergen sich dahinter vor allem Chancen und Herausforderungen inhaltlicher Art: „Bibliothek neu denken“. Davon war auch das Jahr 2017 bereits geprägt. Zahlreiche Arbeitsgruppen der Stadtbüchereien tüfteln hinter den Kulissen bereits an einer neuen trendigen Wohlfühl-Bibliothek.

Oberster Maßstab bleibt dabei die Kundenorientierung. So wird die Zahl der Publikumsarbeitsplätze bedarfsgerecht auf 600 mehr als verdoppelt. Sie werden in Zonen mit ruhigen Einzelarbeitsplätzen und Platzangebote für Gruppen unterteilt. Ein Lesecafé wird einen langgehegten Wunsch der Nutzerinnen und Nutzer erfüllen. Kinder und Jugendliche werden mehr Raum bekommen als bisher. Eine räumliche Trennung zwischen den jüngeren Kindern und bereits Heranwachsenden berücksichtigt die unterschiedlichen Bedürfnisse und sorgt so für eine spannungsarme Atmosphäre. Weitere wichtige Kundenwünsche, über deren Umsetzung im Zusammenhang mit KAP 1 nachgedacht werden muss, sind die erweiterte Zugänglichkeit durch verlängerte Öffnungszeiten sowie die bargeldlose Zahlung von Entgelten.

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