(Foto: privat)

Oberhausen. Angelika Koopmann ist seit 31 Jahren Krankenhaus-Seelsorgerin, davon 23 Jahre im St. Clemens-Hospital Oberhausen-Sterkrade. Jetzt hört sie im August auf.

Wir gehen durch die Gänge des Krankenhauses, auf der Suche nach einem Platz zum Fotografieren. Auf dem Weg hält Angelika Koopmann immer wieder kurz an, wechselt ein paar Worte mit Patienten oder Mitarbeitern des Krankenhauses. Fast immer wird sie mit einem Strahlen begrüßt – ein Strahlen, dass sich in ihren Augen widerspiegelt. Denn sie liebt ihren Beruf, das spürt man deutlich.

Als Krankenhaus-Seelsorgerin ist sie Ansprechpartnerin für Patienten, Angehörige und auch Mitarbeiter, die bei ihr stets ein offenes Ohr finden. Im Gespräch erlebe ich bei ihr eine faszinierende Mischung aus Leichtigkeit und Tiefsinn, Humor und Ernsthaftigkeit, Empathie und gleichzeitig Fähigkeit zur Distanz. Letzteres braucht sie wohl auch, denn wenn sie jede Geschichte mit nach Hause nehmen würde, wäre ihre Kraft längst aufgebraucht.

Wie sie mit heftigen Schicksalsschlägen der Menschen umgeht, die zu ihr kommen, will ich wissen. Was sagt man Menschen, die einen Angehörigen verloren haben oder bald verlieren werden? „Manche Situationen sind so besch…eiden, manchmal kann ich gar nichts sagen. Da muss ich einfach schauen, was diesen Menschen weiterleben lässt“, erzählt sie. „Manchmal ist Schweigen das einzig Angemessene. Es gibt Situationen, die machen auch mich sprachlos. Aber wenn Menschen merken, sie sind nicht alleine, dann ist das für sie tröstend.“

Wichtig ist ihr, dass sie nur ein Angebot macht, sich niemandem aufdrängt – Freiheit in der Begegnung nennt sie das. „Ich lasse mich auch wieder wegschicken, denn manchmal passt der Augenblick einfach nicht.“ Oder aber Patienten fühlen sich angesichts ihrer Situation im Krankenhaus ohnmächtig, dann sei es für sie manchmal wichtig, zumindest eine Sache frei entscheiden zu können. „Den Arzt können sie ja schlecht wegschicken“, fügt sie augenzwinkernd hinzu. Angelika Koopmann versteht die Menschen, nimmt nichts persönlich und ihre Tür steht immer offen. „Oft kommen die, die mich weggeschickt haben, nach einigen Tagen dann doch noch zu mir.“

Nicht selten seien Menschen positiv überrascht, wie katholische Seelsorge aussehen kann. Einige hätten schlechte Erfahrungen gemacht, andere das Klischee des strengen Priesters im Kopf. „Wir leisten hier auch oft Versöhnungsarbeit.“

Als sie damals im damaligen St. Josef-Hospital anfing, beerbte sie eine fast hundertjährige Tradition männlicher Priester. Das sorgte anfangs für Irritationen. Doch mit ihrer herzlichen und einfühlsamen Art wurde sie von den Meisten schnell akzeptiert.

Nach über 30 Jahren in der Krankenhausseelsorge wird Angelika Koopmann schon bald in den Ruhestand gehen. „Ich gehe in Dankbarkeit“, sagt sie. Aber jetzt sei es auch mal Zeit, wieder private Freundschaften zu pflegen oder auch für ein ehrenamtliches Engagement. Das sei in den vergangenen Jahren oft zu kurz gekommen. „Ich will nicht den Rest meines Lebens einsam verbringen.“ Es heißt ja schließlich, liebe deinen Nächsten wie dich selbst – das schließt ein, auch für sich selbst zu sorgen.

Den Ruhestand hat sie sich zweifellos verdient. Aber eines ist ebenso zweifellos klar: Sie wird fehlen.

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