Die Tiefe der Baugrube vor Erstellung der Schachtbauwerke (Foto: WBO)

Oberhausen. Vor mehr als zweieinhalb Jahren, im Juni 2015,  haben die Bauarbeiten der außergewöhnlichen Kanalgroßbaustelle Düker Nordbeeck begonnen. Es wurde fleißig gebaggert und geschaufelt. Zwischen der Gartroper Straße/Ecke Rosastraße und dem Gelände der MAN GHH wurden auf einer Gesamtstrecke von rund 145 Metern Kanalrohre unterirdisch vorgetrieben – Arbeiten, die in 23 Metern Tiefe vollbracht wurden. Im Juni 2016 war die erste Bauphase beendet. Der zweite Bauabschnitt, in dem die Stahlbeton-Schachtbauwerke in der Höhe eines fünfstöckigen Hauses errichtet wurden, war Ende vergangenen Jahres abgeschlossen. Von außen sind diese nicht zu sehen, nur eine kleine Einstiegsöffnung ist als Deckel wahrzunehmen.

 

Aktuell anstehende Arbeiten – Bauabschnitt drei

Als Düker wird eine Leitung zur Unterquerung einer Straße, eines Tunnels oder wie in diesem Fall von Bahngleisen bezeichnet, die wie ein Siphon am Waschbecken funktioniert.

Voraussichtlich im Mai beginnt der dritte Bauabschnitt, bei dem es um die maschinentechnische und elektrotechnische Ausrüstung des Dükers geht. Es müssen Arbeits- und Wartungsbühnen eingebaut werden, um an die Kanal- und Versorgungsleitungen zu kommen und um Wartungsarbeiten an den Pumpen durchzuführen. Eine Entleerung mit Pumpen ist dann nötig, wenn Wartungsarbeiten nach einem Starkregenfall angesagt sind. Der dritte Bauabschnitt wird voraussichtlich bis zum Ende dieses Jahres dauern.

Die Kanalgroßbaustelle Düker Nordbeeck war wegen des Ausbaus der Bahnstrecke Oberhausen-Emmerich – der Betuwe-Linie – erforderlich. Die Deutsche Bahn wird auch den Rangierbahnhof Oberhausen-Osterfeld mit einem weiteren Gleis neu anbinden. Diese neue Anbindung unterquert die Betuwe-Linie in einem Tunnel und hätte dann mit den vorherigen Abwasseranlagen kollidiert. Der neue Düker unterquert den Tunnel-Abzweig der Güterstrecke nochmals, so dass eine neue Tiefenlage von 23 Meter entstanden ist.

 

Bisherige Bauarbeiten am Düker Nordbeeck

Nachdem die ersten Arbeiten wie die Baufeldräumung, Verkehrsführung und die Erstellung der Baustelleneinrichtungsflächen im Sommer 2015 erledigt waren, wurden die Baugruben ausgehoben. Als Baugrubensicherung wurde eine überschnittene Bohrpfahlwand mit einem Großbohrgerät erstellt. Insgesamt waren dafür mehr als 100 fast 30 Meter lange Pfähle aus Beton für beide Baugruben niedergebracht worden. „Schon bei diesen Arbeiten war besondere Vorsicht geboten, u.a. weil unterhalb des Grundwasserspiegels gearbeitet wurde“, erklärt WBO-Geschäftsführerin Maria Guthoff. „Die Baustelle wurde von Beginn an ständig überwacht.“

Dann wurde die Schachtbaugrube, die so genannte Zielgrube, an der Gartroper Straße/Ecke Rosastraße erstellt. Die Startgrube lag auf dem MAN-GHH-Gelände. Im Mai 2017 begannen die Rohrvortriebsarbeiten für die neuen Kanäle. Dabei wurde von der Startgrube ausgehend ein Stahlbetonrohr mit ca. 30 Zentimeter dicken Wänden und 2,8 Meter Innendurchmesser mit einer Tunnelbohrmaschine im unterirdischen Vortrieb verlegt. Es unterquert die dortige Bahnanlage. Darin wurden dann zwei Leitungen für den Trockenwetterabfluss und den Maximalabfluss bei Regenereignissen eingebracht.

Die Arbeiten des ersten Bauabschnitts dauerten ein Jahr. In der zweiten Bauphase bis Dezember 2017 wurden unter anderem die eigentlichen Schachtbauwerke in der Start- und Zielbaugrube und die Anschlusskanäle geschaffen. In diesen beiden Phasen fielen die mit Abstand aufwendigsten Arbeiten des Millionen-Projekts an, das die bisher größte und außergewöhnlichste Kanalbaustelle der WBO ist.

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