(Foto: privat)
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Mülheim. Eine Tätigkeit, die „Rechenschaft fordert, von der Hoffnung die in euch ist“, hat Schulreferentin Sabine Dehnelt im Kirchenkreis An der Ruhr übernommen. Mit einer Referenz auf die Worte aus dem 1. Petrusbrief führte Superintendent Gerald Hillebrand Pfarrerin Dehnelt am Sonntag in ihre neue Tätigkeit ein. Zum feierlichen Gottesdienst in der Broicher Kirche an der Wilhelminenstraße waren neben den Gemeindemitgliedern auch Familie und Wegbegleiter aus verschiedenen beruflichen Stationen gekommen. Arbeitsplatz der Theologin ist nicht nur ihr Büro im Kirchenkreis, sondern sind auch die Klassenzimmer im Berufskolleg Lehnerstraße, wo sie Religion unterrichtet.

„Religionsunterricht ist eine herausfordernde Art der Verkündigung“, zollte Superintendent Hillebrand der Arbeit in der Schule besonderen Respekt. „In bunt gemischten Klassen sitzen Schüler verschiedener Religionen, da kann man als Lehrerin nur überzeugen, wenn man auch ganz persönlich sein Glauben und Hoffen darlegt und zeigt, wovon man sich getragen und geborgen fühlt.“ Im von Superintendent Hillebrand zitierten Petrusbrief heißt es: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Ehrfurcht (…)“ (1. Petrus 3, 15). Auch die Ehrfurcht vor der Meinung und dem Glauben anderer sei nicht zu unterschätzen, darauf wies Superintendent Hillebrand in seiner Ansprache hin. „Im Klassenzimmer braucht es den Respekt vor der Meinung anderer, sie so stehen zu lassen wie sie ist, und zugleich auch selbst zu zeigen, wo man steht.“ Rückgrat und Mut, zugleich Offenheit und Überzeugungskraft seien es, was die Arbeit in der Schule fordere.

Für Sabine Dehnelt war der Gottesdienst in der Wilhelminenstraße feierlich aus gleich doppeltem Grund: Nicht nur die Einführung ins neue Amt, sondern auch das 25-jährige Ordinationsjubiläum der Theologin wurde begangen. Vor ihrer Tätigkeit in Mülheim hatte die 54-Jährige schon in Köln Religion unterrichtet und war unter anderem Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde Duisburg. Mit dem Neustart in Mülheim schließt sich für die Pfarrerin ein Kreis, schließlich ist sie gebürtige Mülheimerin und schon lange in Broich zuhause.

In ihrer Predigt ging Sabine Dehnelt auf die „harten Worte“ des Propheten Amos ein. Er kritisierte die soziale Schere zu seiner Zeit und beschrieb, wie die Armen immer ärmer und Reichen immer reicher wurden, während sie ihren Glauben in „großem Kino“ zur Schau trugen. „Es kann nicht sein, dass die Gier der Wenigen die Bedürfnisse der Meisten mit Füßen tritt“, sagte Pfarrerin Dehnelt. Der Prophet spricht davon, dass „das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“ ströme. „Wenn aber soziale und ökologische Gerechtigkeit auf der Strecke bleiben und wie eine Quelle versiegen, dann sind auch unsere Gottesdienste nichts mehr wert“, führte die Predigerin aus. Glauben und Tun müssen zusammenpassen.

Wenn das nicht der Fall sei, merkten das die Schüler im Berufskolleg unmittelbar, berichtete die Predigerin der Gemeinde. „Die hören sofort, ob wir bloß Phrasen dreschen“, so Sabine Dehnelt. Der Prophet mache einen wichtigen Anspruch an die Christen deutlich. „Amos erinnert mich daran, wie schnell es geht, mich einzurichten und abzusichern in meiner eigenen Welt“, führte die Schulpfarrerin vor der Gemeinde in der Broicher Kirche aus. „Wenn wir Gottesdienst feiern, dürfen wir nicht nur uns selbst damit genügen.“ Die Rede von der Gerechtigkeit als „nie versiegendem Bach“ sei „Auftrag und Verheißung zugleich“.

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