Betreuen die Patienten in den psychosomatischen Spezialsprechstunde als fachärztliches Team: Leiter Dr. Günter R. Clausen mit Betina Torkler und Dr. Hendrik Vogt (von links nach rechts) (Foto: St. Alexius-/St. Josef-Krankenhaus)

Neuss. Betroffene psychosomatischer Erkrankungen haben jetzt in Neuss eine neue Anlaufstelle zur Abklärung ihrer Beschwerden und Symptome: Die psychosomatische Spezialsprechstunde des St. Alexius-/St. Josef-Krankenhauses bietet ab heute, den 7. Februar, Beratung, Diagnostik, Behandlungsempfehlungen sowie eine therapeutische Begleitung. Drei Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie unterstützen vor Ort, in Haus B am Johanna-Etienne-Krankenhaus, Am Hasenberg 46, die Patienten dabei, die für sie passende Behandlung zu finden. Dabei verstehen sie sich vor allem auch als Schnittstelle zu niedergelassenen Kollegen und Psychotherapeuten.

Was sind psychosomatische Erkrankungen?
Psychosomatische Erkrankungen sind Krankheiten und Beschwerden, bei denen die Wechselwirkung von Seele, Körper und sozialen Faktoren im Vordergrund stehen. Das Fachgebiet Psychosomatische Medizin und Psychotherapie umfasst dabei die Diagnose, psychotherapeutische Behandlung, Prävention und Rehabilitation dieser Erkrankungen. Dazu zählen Essstörungen wie Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating-Disorder sowie körperliche Symptome und Schmerzen, für die keine ausreichenden körperlichen Ursachen gefunden wurden, zum Beispiel funktionelle Herzbeschwerden, Reizdarmsyndrom, Fibromyalgie-Syndrom oder Tinnitus. Auch komplexe psychische Symptome, die im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen, wie Tumorerkrankungen, Asthma oder Diabetes bestehen, gehören zum Behandlungsgebiet.

Angebot und Behandlungskonzept
„Das Problem bei vielen psychosomatischen Erkrankungen ist, dass Betroffene häufig nicht die richtige Anlaufstelle finden. Oft sind sie jahrelang bei Haus- und Fachärzten in Behandlung ohne, dass sich ihr Leiden bessert,“ erklärt Dr. Günter R. Clausen, Leiter der Psychosomatik und weiter: „Mit der psychosomatischen Spezialsprechstunde wollen wir da diese Lücke schließen, Menschen mit entsprechenden Problemen ein Ansprechpartner sein und auch die Psychosomatik präsenter machen. Denn psychosomatische Erkrankungen gewinnen immer mehr an Bedeutung.“ Zum Konzept der Spezialsprechstunde gehört vor allem eine ausführliche und umfassende Diagnostik der Symptome und Beschwerden, um die Erkrankung richtig einordnen zu können. Die Diagnose ebnet dann den Weg zu einer aussichtsreichen Behandlung – bei niedergelassenen Ärzten und Therapeuten, im Rahmen einer tagesklinischen oder stationären Therapie oder in der psychosomatischen Spezialsprechstunde. Denn sie bietet auch ein ergänzendes Behandlungsspektrum an: Hypnotherapeutische Entspannungs- und Stabilisierungsgruppen, Lichttherapie und Bilaterale Stimulation, bei der mit bewusst gesetzten Reizen eine Tiefenentspannung ausgelöst wird. „Außerdem arbeiten wir hier auch gruppentherapeutisch mit dem Fokus auf bestimmte psychosomatische Erkrankungen. So gibt es zum Beispiel eine eigene Gruppe für Menschen mit Essstörungen und eine für Patienten mit Herzerkrankungen“, führt Dr. Günter R. Clausen aus.

Kontakt zur psychosomatischen Spezialsprechstunde
Für die psychosomatische Spezialsprechstunde vereinbaren Betroffene einen ersten Gesprächstermin Montag, Dienstag und Donnerstag von 8:30 bis 16:00 Uhr, Freitag und Mittwoch von 8:30 bis 12:00 Uhr unter T (02131) 5292-8720. Alle Informationen finden sie auch unter www.psychiatrie-neuss.de.

Hintergrund
Die Anfänge der psychosomatische Medizin gehen zurück bis in die 1950er Jahre, als eigenständiges medizinisches Fachgebiet ist sie relativ jung, erst seit 1992 gibt es die fachärztliche Weiterbildung für Mediziner. Wie wichtig der Fachbereich ist, zeigen Statistiken:  Somatoforme Störungen, d.h. körperliche Beschwerden und Symptome ohne nachweisbare körperliche Ursache, machen bis zu 30 Prozent aller ambulanten Arztbesuche aus und gehören damit zu den häufigsten Erkrankungsbildern überhaupt. Eine der schwersten Erkrankungen junger Frauen ist die Magersucht mit ihren weitreichenden Auswirkungen für die Erkrankte und ihr soziales Umfeld.

Das St. Alexius-/St. Josef-Krankenhaus
Das Neusser St. Alexius-/St. Josef-Krankenhaus bietet als Zentrum für seelische Gesundheit psychiatrische und psychotherapeutische Hilfe bei psychischen Erkrankungen. Die Klinik behandelt Patienten auch tagesklinisch und ambulant in einem größeren ambulanten Zentrum sowie sieben Tageskliniken und Ambulanzen im Rhein-Kreis Neuss. Auch am Johanna-Etienne-Krankenhaus ist die Klinik bereits vertreten: mit der Tagesklinik und Ambulanz St. Anna. Hinzugekommen ist dort am Standort nun die psychosomatische Spezialsprechstunde. Das St. Alexius-/St. Josef-Krankenhaus ist Teil der St. Augustinus-Kliniken.

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