Dieselbe Patientin während der Therapie mit Dr. Faten Dahdouh, Leitende Oberärztin des Brustzentrums, und nach Abschluss der Therapie mit vollem, schönen Haar (Fotos: RKN-Kliniken)
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Grevenbroich/Dormagen. Patientinnen der Rhein-Kreis Neuss Kliniken nutzen erfolgreich einen neuen kostenlosen Service.

Sie haben gleich zweifachen Grund zu strahlen: die Krebspatientinnen, die sich erfolgreich gegen ihre Krankheit gewehrt haben – und trotz Chemotherapie volles, schönes Haar besitzen. Möglich gemacht hat dies ein neuartiges Kopfhaut-Kühlsystem, das seit August auf den onkologischen Stationen des Kreiskrankenhauses Grevenbroich St. Elisabeth sowie des Kreiskrankenhauses Dormagen eingesetzt wird. Jetzt haben die ersten Patientinnen, die diese Kühlkappen nutzen konnten, ihre Behandlung abgeschlossen. „Unsere Erfahrungen damit aus den vergangenen Monaten sind sehr gut“, lobt Dr. Faten Dahdouh, Leitende Oberärztin des Brustzentrums am Kreiskrankenhaus Grevenbroich St. Elisabeth. Sie kann bestätigen, dass das Versprechen des Herstellers offenbar nicht übertrieben war. Gut die Hälfte der Patientinnen, die die Kühlkappe angewendet haben, litten während der Chemotherapie wenig oder überhaupt nicht unter dem als Nebenwirkung gefürchteten Haarausfall.

„Uns ist wichtig, das Wohlbefinden unserer Patientinnen in dieser ohnehin für sie schwierigen Zeit zu fördern und zu verbessern“, erklärt Dr. Dahdouh, „und das Haar spielt für das Selbstbild vieler Frauen eine große Rolle.“ Da könne es für die Psyche eine zusätzliche Belastung sein, vorübergehend auf eine Perücke angewiesen zu sein – auch im Bewusstsein, dass das Haar nach Abschluss der Behandlung wieder nachwachse. Darum bietet die Rhein-Kreis Neuss Kliniken GmbH diesen Service kostenfrei für ihre Patientinnen an. Und die Patienten. Zwar werde das Kühlsystem hauptsächlich bei Frauen in der Brustkrebsambulanz eingesetzt, aber die Geräte stehen grundsätzlich allen Krebspatienten zur Verfügung, die chemotherapeutisch behandelt werden. „Männer haben natürlich ebenso das Recht, ihre Haare nicht zu verlieren“, betont Dr. Dahdouh.

Die Reaktionen in beiden Kreiskrankenhäusern sind überwiegend positiv: „An die Kälte gewöhnt man sich schnell“, sagte eine der ersten Patientinnen, die das Kühlsystem nutzten. Lediglich eine Patientin vertrug die geringen Temperaturen gar nicht und verzichtete darum auf die weitere Verwendung der Kappe. Begeistert äußern sich wiederum jene, die die „Chemo“ beenden konnten, ohne auf eine Perücke angewiesen zu sein. „Mehrere Patientinnen haben uns gesagt, sie würden es immer wieder probieren – es lohnt sich!“, gibt Dr. Dahdouh Äußerungen wieder.

Die Diagnose „Krebs“ ist für jeden Betroffenen zunächst einmal ein Schock. Wenn die behandelnden Ärzte dann zur Chemotherapie raten, ist eine der am meisten gefürchteten Nebenwirkungen der drohende Haarverlust. Die Angst vor dieser Veränderung ihres Äußeren ist bei einigen Patientinnen so groß, dass sie sich gegen diese wichtige Therapie entscheiden. „Für viele unserer Patientinnen ist das Kühlkappensystem ausschlaggebend für ihre Entscheidung, die Chemotherapie hier bei uns durchführen zu lassen“, sagt Irina Küppers-Buhn aus der Onkologischen Ambulanz im Kreiskrankenhaus Dormagen, wo ebenfalls überwiegend sehr gute Erfahrungen mit den Kappen gemacht wurden.

Die lassen eher an einen Frisiersalon als an ein Krankenhaus denken. Kernstück des Haarausfall-Präventions-Systems, das den Patientinnen und Patienten in den Onkologischen Ambulanzen der Kreiskrankenhäuser Grevenbroich und Dormagen kostenfrei zur Verfügung steht, ist eine Haube, durch die Kühlflüssigkeit zirkuliert. Mit ihrer Hilfe wird die Kopfhaut vor, während und nach jeder Infusion auf konstante 19 Grad Celsius gekühlt. So soll dem Haarverlust bei den am meisten genutzten chemotherapeutischen Medikamenten entgegengewirkt werden. Laut Hersteller schlägt die Methode bei rund 60 Prozent der Patientinnen so gut an, dass sie während der mehrmonatigen Behandlung nicht auf eine Perücke angewiesen sind. Selbst in jenen Fällen, in denen der Haarausfall nicht gänzlich vermieden werden könnte, soll das erneute Haarwachstum nach der Chemotherapie früher und dichter wieder einsetzen.

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