Ein KlarKlick von Christian Voigt/LokalKlick

Neukirchen-Vluyn. In Zeiten von Fake-News, Populismus und einem ständig twitternden US-Präsidenten war es folgerichtig, dass sich die CDU-Verantwortlichen für ihren Fehler in ihrem öffentlichen Neujahrsgruß entschuldigten. Unverständlich allerdings ist, dass kurzzeitig nur die falsche Begriffswahl über die aktuelle Finanzlage der Stadt Neukirchen-Vluyn diskutiert wurde. Man ist um den Ruf der Bindestrich-Stadt als verlässlichen Partner bemüht. Weder die Redakteurin der Tagespresse, die diesen Fauxpas entdeckte, noch der zu einem Verweis genötigte Bürgermeister Lenßen und der sensationswitternde ehemalige SPD-Ratsherr Gerd Lück betrachten die eigentlichen inhaltlichen Grundaussagen des CDU-Flyers.

Über eine Woche sind die Aussagen der örtlichen CDU, dass die seit fast 20 Jahren angedachte zentrale Fußballanlage ohne alternative Vergleichsberechnungen über das Hintertürchen der Haushaltsverabschiedung durch die Ratsmehrheit durchgewunken wurde, unkommentiert und undementiert. Wieso blieben Stellungnahmen seitens der Verwaltung, der politischen Mitbewerber, des mitagierenden Stadtsportverbandes, der auf der Startseite seiner Homepage noch den Beitrag Sportabzeichenverleihung 2015 anbietet, sowie der beiden Fußballvereine, die von dem Bau profitieren, aus? So scheint die Kritik der Christdemokraten berechtigt, für die Kuriosität des unüblichen Verfahrens im Rat würde man in südlichen Bereichen Deutschlands die Begrifflichkeit „das hat ein Geschmäckle“ gebrauchen.

Im Frühjahr 2006 hatte der Stadtsportverband zu einem ersten Sportstättenforum eingeladen. Im Mittelpunkt standen die Bestandsaufnahme der Außensportanlagen in Neukirchen-Vluyn sowie die Diskussion um eine zentrale Sportanlage. Das damalige Fazit war: „Gefragt ist jetzt einmal mehr die Stadtverwaltung. Sie muss zusammen mit der Politik die Weichen stellen und ein Konzept auf den Weg bringen, das einer Multifunktionsanlage den planerischen Rahmen gibt.“

Was ist in den fast 12 Jahren geschehen? Braucht Neukirchen-Vluyn ein solches Leuchtturm-Projekt, obwohl die finanzielle Lage es nicht zulässt? Warum werden keine Alternativen errechnet? Was passiert mit dem Fußballplatz Klingerhuf und dem Jahnplatz? Sind die Sanierungen der bestehenden Anlagen unter dem Gesichtspunkt, dass Neukirchen-Vluyn noch bis 2024 ein Haushaltssicherungskonzept betreiben muss, nicht günstiger als der Neubau einer zentralen Sportanlage? Welche Nachnutzungs- und Vermarktungsmöglichkeiten gibt es für diese beiden dann nicht mehr benötigten Sportstätten? Wieviel kostet die neue Anlage am Schulzentrum dem Steuerzahler nun komplett, gibt es Eigenanteile der Fußballvereine? Ist die kostenintensive Verlegung der Verbindungsstraße notwendig? Darf die Stadt den Vereinen ein komplettes Vereinsheim kostenlos zur Verfügung stellen? Welches Betreibermodell wird für die neue Zentrale Fußballanlage genutzt? Besteht eine Gerechtigkeit gegenüber anderen Sportvereinen?

Hinter diesen Fragen steht der sorgsame Umgang mit Steuergeldern und die Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen in Neukirchen-Vluyn. Da anscheinend dieses aus dem Fokus einiger Entscheidungsträger verloren geht, können und sollten die Neukirchen-Vluynerinnen und -Vluyner durch Leserbriefe, Briefe und Mails an Bürgermeister Harald Lenßen, die Fraktionen und den Stadtsportverband diese an deren Sorgsamspflichten erinnern. Des Weiteren stehen der Bürgerschaft noch die Möglichkeit der Bürgeranträge und eines Bürgerbegehrens zur Verfügung.

 

Ein KlarKlick von Christian Voigt/LokalKlick

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