Seit dem 1. Januar ist Philipp Thelen der neue Geschäftsführer der AWO-Integration (Foto: AWO)

Duisburg. Seit dem 1. Januar ist Philipp Thelen der neue Geschäftsführer der AWO-Integration. Der 43-Jährige war zuvor Geschäftsführer beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in Essen.

In die neue Aufgabe als Chef eines Unternehmens mit über 120 Mitarbeitern wechselte der Diplom-Sozialwirt nicht zuletzt, weil er als Duisburger weiß, wie sich die Stadt „anfühlt“. Im (AWO-)Interview beschreibt Philipp Thelen seinen Start in die neue Aufgabe.

Wie findet man eigentlich zu seinem Beruf und seiner Berufung im sozialen Bereich?

Philipp Thelen: Zuerst habe ich mich als Bauingineur versucht und später erst als Ingenieur für gesellschaftliche Fragen. Ernsthafter: In der Schule war ich sehr gut. Der Vater eines Freundes war Bauingenieur. Da dachte ich: Das studierst du auch. Ich habe dann nach sechs Wochen gemerkt, dass ich da völlig falsch bin. Ich habe mir andere Vorlesungen angehört und entdeckt, dass ich in der Sozialarbeit genau richtig bin.

Ich komme aus der Kinder- und Jugendarbeit. Meine Eltern waren ebenfalls als Sozialarbeiter tätig, auch wenn mein Vater mir von diesem Beruf abgeraten hat. Später habe ich dann berufsbegleitend das Studium als Sozialwirt abgeschlossen. Mir war schnell klar, dass die Aufgabe eine betriebswirtschaftliche Komponente hat. Das fand ich immer spannend. Die Zahlen müssen stimmen, um nachhaltig mit Menschen arbeiten zu können.

Was hat Sie motiviert, sich für die Aufgabe bei der AWO-Integration zu bewerben?

Philipp Thelen: Auf die Ausschreibung bin ich aufmerksam gemacht worden. Ich habe eigentlich nicht nach einer neuen Stelle gesucht. Dann habe ich die große Chance gesehen, hier für die AWO zu arbeiten und wollte sie auch ergreifen.

Was macht diese Chance aus?

Philipp Thelen: Es sind gleich viele Aspekte: Duisburg, das ist für mich Heimat. Ich habe ein Gefühl für Marxloh. Ich habe ein Gefühl für Neudorf. Hier bin ich Zuhause. Dann war mir wichtig: Ich bin wieder operativer tätig. In meiner vorherigen Stelle hatte ich eher eine beratende Funktion. Nichts gegen diesen Bereich. Ich bin jedoch heilfroh, dass ich direkt Einfluss auf die Sozialarbeit nehmen kann.

Ein Beispiel dafür: Ich habe in der vergangenen Woche mit den Kollegen zusammengesessen, und wir haben überlegt, was wir für unbeschulte Kinder tun können. Ich kann mitüberlegen und selbst verantworten: Was können wir anbieten für Menschen, die uns brauchen? Dann finde ich es super, dass die AWO so viel aus einer Hand bietet. Von der Vorbereitung für Tagesmütter über Probleme im jugendlichen Alter oder als Erwachsene bis zum Pflegeheim.

Und ganz unprofessionell: Bei allen Menschen, die ich hier getroffen habe, hatte ich ein gutes Gefühl. So aus dem Bauch heraus. Es gibt hier eine echte Willkommenskultur.

Wo liegt Ihr Schwerpunkt?

Philipp Thelen: Was mir als erstes dazu einfällt: Mir begegnen immer wieder Armut und soziale Ungerechtigkeit. Ein großer Risikofaktor für diese Benachteiligungen ist sicher Migration. Aber nicht Migration ist mein Hauptthema, sondern eben Armut.

Es gibt dafür auch weitere Risikofaktoren, etwa wenn eine Mutter ihr Kind allein erzieht. Da lande ich immer wieder bei der Frage: Welche Bevölkerungsgruppen haben Zugang zu den Chancen und Ressourcen in unserer Gesellschaft? Wenn wir bestimmte Gruppen nicht teilhaben lassen, dann ist das individuell für jeden Betroffenen ein Drama. Es ist aber auch volkswirtschaftlich ein Drama. Und abgesehen davon ist es einfach menschlich nicht in Ordnung.

Die AWO-Integration ist ja ausgesprochen vielfältig in ihren Aufgaben: Von der Schuldnerberatung bis zum AWO-Ingenhammshof, von der  Jugendgerichtshilfe über die Integrationsagenturen für Zuwanderer. Haben Sie schon einen Überblick?

Philipp Thelen: Ja, das ist schon ein kleiner Bauchladen. Um dafür ein Verständnis zu gewinnen, rede ich ganz viel mit den Menschen. Heute Abend zum Beispiel bin ich auf dem Bauspielplatz Alexstraße zum Netzwerktreffen der Fahrradwerkstatt. Morgen früh bin ich in Neumühl in der Tagesgruppe. Ich fahre an die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich esse mit den Kindern in der Tagesgruppe zu Mittag und schaue hin und höre zu. Über die Geschichten erfahre ich mehr über den Arbeitsplatz als durch einen Blick aufs Organigramm.

Haben Sie denn dafür die Zeit?

Es ist gut, sich die Zeit dafür zu nehmen. Zudem habe ich das Glück, mir das erlauben zu können. Ich muss noch nicht alles wissen, weil ich Mitarbeiter habe, die alles wissen. Das Unternehmen ist finanziell gesund. Die Führungskräfte sind richtig gut. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen ihren Job und wissen, dass sie eine Aufgabe für die Menschen zu erfüllen haben. Das ist eine komfortable Situation, in die ich hereinkomme. Die AWO-Integration ist sehr gut strukturiert. Dass wir als AWO-Integration Teil der ganzen AWO sind, ist ebenfalls hilfreich. Alle Abläufe sind auf einem hohen Level. Es ist klasse, mit solchen Profis zusammenzuarbeiten.

Wie lange brauchen Sie, um wirklich „drin“ zu sein?

Philipp Thelen: Natürlich möchte ich nach und nach zur Verbesserung des Unternehmens beitragen. Das ist mein Anspruch als Führungskraft. Erst aber gilt es, wirkliche Einblicke zu gewinnen. Ich habe mir vorgenommen, schnell die Namen aller unserer 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kennen.

Bis ich wirklich drin bin und alles verstehe, denke ich, dass es ein Jahr braucht. Dann habe ich den Jahresrhythmus einmal ganz praktisch erlebt: Wann steht was auf dem Fahrplan? Was ist im Sommer wichtig, was muss vor Weihnachten noch geschafft sein? Dafür muss ich ebenfalls ein Gefühl gewinnen.

Vor allem aber möchte ich sagen: Ich bin seit vier Wochen hier und es macht mir ganz großen Spaß.

 

Steckbrief:

Philipp Thelen (43)

  • verheiratet, 3 Kinder,
  • Diplom-Sozialarbeiter und Diplom-Sozialwirt,
  • MSV-Mitglied, spielt Golf, wohnt in Neudorf,
  • spielt in einer Band Gitarre und privat Klavier.
Quelle: AWO
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