Über 230 Weichen sorgen dafür, dass die Bahnen der DVG ihr Ziel sicher erreichen (Foto: Duisburger Verkehrsgesellschaft AG)

Duisburg. Weichen geben im Schienenverkehr die Richtung vor. Bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft AG (DVG) gibt es insgesamt 230 davon. Weichen sind Konstruktionen, die Bahnen den Übergang von einem Gleis auf ein anderes ohne Unterbrechung der Fahrt ermöglichen. Dies ist unter anderem erforderlich, wenn Bahnen das Gleis wechseln oder abbiegen müssen.

 

Aufbau einer Weiche

Weichen haben Backenschienen, zwei Zungen und ein Herzstück, so heißt es in der Fachsprache. Während ein gewöhnliches Gleis am besten jahrzehntelang unbeweglich auf dem Boden liegt und Bahnen über sich hinwegrollen lässt, müssen Weichen bewegliche Bestandteile haben. „Sonst könnte ja nicht die eine Straßenbahn abbiegen und die nächste geradeaus fahren“, weiß Holger Arndt, Meister im Bereich Zugsicherung und Nachrichtentechnik bei der DVG. „Während die Bahnen der Linie 903 ab der Haltestelle Platanenhof geradeaus Richtung Hochfeld fahren, biegen die Bahnen der Linie U79 links ab. Dies ist nur durch eine Weiche möglich.“ An einer Weiche werden zwei Gleise vereinigt oder getrennt. Am sogenannten Herzstück treffen Flügelschienen spitz aufeinander. Die innenliegenden Stränge der Schienen schneiden sich und müssen unterbrochen werden, damit der Radreifen unbeeinträchtigt durchlaufen kann. Die Schienen, an denen die Zungen anliegen, werden Backenschienen genannt. Zungen und Backenschienen bilden die Zungenvorrichtung. Die Weichenzungen sind die verstellbaren Teile der Weiche und bestimmen die Fahrtrichtung. Über den sogenannten Zungenprüfer wird die Lage der Weiche überprüft, bevor sie sich in die richtige Position legt.

 

Weichentypen

Weichenstellvorrichtungen stellen über einen Antrieb die beweglichen Fahrbahnteile, auch Weichenzungen genannt, der Weiche um. Diese Antriebe können elektrisch oder mechanisch sein. Die DVG hat 58 mechanische und 172 elektrische Weichen. Jede elektrische Weiche hat eine elektrische Steuerung. Im Regelbetrieb der DVG gibt es ausschließlich elektrische Weichen, denn mechanische Weichen müssen manuell mit einem Stelleisen über Federkraft in die jeweilige Lage gebracht werden. Wer die Augen danach offen hält, sieht an unterschiedlichen Orten im Stadtgebiet ein blaues Schild mit weißer Aufschrift „ME“. „ME steht für den Meldeempfänger, der die elektrische Weiche ansteuert“, erklärt Arndt. Jede Bahn sendet über Funk den Kurs, die Linie und das Ziel an den Meldeempfänger. „Das ist das Signal für die Weiche, sich in die richtige Position zu stellen“, erklärt Arndt. Das passiert eine Fahrzeuglänge vor dem Befahren der Weiche. Der Fahrer erkennt die Lage der Weiche auch an dem sogenannten Weichenlagesignal neben den Gleisen.

 

Wartung und Störung

Jede Weiche bei der DVG ist nummeriert. „Sollte eine Weiche eine Störung haben, werden wir über ein System direkt informiert“, weiß Arndt. „Entweder können die Kollegen aus der Leitstelle das Problem schnell beheben oder unsere Weichenschlosser rücken aus.“ Insgesamt sind sieben Kollegen unterwegs. Auch die Fahrer haben Möglichkeiten auf die Steuerung einer Weiche Einfluss zu nehmen. Sie können aus der Fahrerkabine der Bahn oder über einen Schlüsselschalter die Weiche neu stellen. Sollte beides nicht funktionieren, bleibt ihnen noch eine Möglichkeit: „Dann kommt das Stelleisen zum Einsatz“, erläutert Arndt. „Mit dem Stelleisen kann die Weiche in die richtige Lage gebracht werden.“ Damit Störungen im besten Fall so gut wie gar nicht auftreten, werden die Weichen regelmäßig gewartet und überprüft.

 

Weichenheizung

Falls die Temperatur auf drei Grad absinkt und Schneefall einsetzt, gehen an den Weichen automatisch die eingebauten Heizungen an. Sie sorgen für freie Fahrt, indem sie den Schnee schmelzen, der sich zwischen den Weichen verfängt. So kann der Schnee nicht zu Eis gefrieren und die Weichen blockieren. Zum Stromsparen können die Weichenheizungen auch auf Bereitschaft gestellt und bei Bedarf von der Leitstelle gesteuert werden.

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