Dr. Vitus Irrgang, Chefarzt der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Helios Marien Klinik (Foto: HELIOS)

Duisburg. Seit kurzem ist Dr. Vitus Irrgang Chefarzt der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Helios Marien Klinik. Mit seinem Wechsel nach Duisburg erhält die Fachabteilung einen neuen Schwerpunkt: Dr. Irrgang ist ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Essstörungen.

Plötzlich wird die Zahl auf der Waage zum allesbestimmenden Wert, der die Gefühlslage der Betroffenen beherrscht. Jeder Gedanke dreht sich nur noch um das Essen, die dahintersteckenden Kalorien, das eigene Aussehen. Auslöser für das gestörte Verhältnis zum Essen sind oftmals innere Spannungen, die den Betroffenen in der Regel gar nicht bewusst sind. Diese Spannungen gemeinsam mit den Patienten zu lösen, das hat sich Dr. Vitus Irrgang zum Ziel gesetzt. „Leistungsdruck, das Gefühl, nicht liebenswert zu sein, Zukunftsängste – das alles können Ursachen für Magersucht und Bulimie sein, die zu den häufigsten Essstörungen zählen“, so der Experte. Während bei der Magersucht die Nahrungsaufnahme in krankhaftem Maße gezügelt wird, entsteht bei der Bulimie ein Teufelskreis zwischen unkontrollierbaren Essattacken und darauffolgenden Maßnahmen, das Gewicht zu reduzieren. Dazu gehören selbstherbeigeführtes Erbrechen, exzessiver Sport oder die Einnahme von Abführmitteln. Beide Erkrankungen finden ihren Beginn oftmals in der Pubertät, Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. „Die Phase zwischen Kindheit und Erwachsensein ist mit großer Unsicherheit verbunden. Der Körper wird da oft zur Projektionsfläche für Konflikte mit sich selbst und dem Umfeld“, sagt Dr. Irrgang. Und das kann weitreichende Folgen haben: In der Riege der psychischen Erkrankungen ist Magersucht die mit der höchsten Sterblichkeitsrate. „Neben den psychischen Aspekten der Essstörungen müssen daher auch immer die somatischen Auswirkungen mitbehandelt werden. Osteoporose, Nierenschäden, Herz-Kreislaufstörungen – das sind nur einige Bespiele der körperlichen Folgen.“ Dazu kann er in Duisburg auf die anderen Fachabteilungen des Helios Klinikums zurückgreifen.

Dr. Irrgang blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Arbeit mit essgestörten Patienten zurück. Sein Medizinstudium absolvierte er an der Universitätsklinik in München. Der 67-Jährige ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und psychotherapeutische Medizin. Während seiner Zeit als Chefarzt der Abteilung für Psychosomatik an den Kliniken am goldenen Steig im bayrischen Freyung baute er den dortigen Schwerpunkt für Essstörungen erfolgreich auf. Zuletzt arbeitete er in einer psychotherapeutischen Praxis in München. An seinem Wechsel nach Duisburg reizte Dr. Irrgang die Aufgabe, auch hier das Hilfsangebot für essgestörte Menschen neu zu etablieren. Wichtig für das Einleiten der Therapie sei jedoch, dass die Betroffenen den ersten Schritt weg von der Erkrankung selbst gehen müssen. „Sobald sich die Patienten entschieden haben, Hilfe anzunehmen, sind wir mit einem spezialisierten Team aus Medizinern, Therapeuten und Pflegekräften für sie da“, so Dr. Irrgang.

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