Christoph Kämmerling blickt auf fast ein Jahrzehnt intensiver Seelsorgearbeit mit Patienten und Mitarbeitern im St. Bernhard-Hospital zurück (Foto: SBK/BEA)

Kamp-Lintfort. Christoph Kämmerling wechselt in den Ruhestand – „Hätte auf nichts verzichten mögen“

„Gut, dass Sie damals bei mir waren, als es mir nach der Operation so schlecht ging.“ Es sind Aussagen wie diese, die Pastoralreferent Christoph Kämmerling mehr als Dank für seine seelsorgerische Tätigkeit im St. Bernhard-Hospital Kamp-Lintfort gegeben haben. In diesen Tagen beendet er seine sicher nicht immer leichte Aufgabe und wechselt in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Nachfolge ist geregelt und gleich auf mehrere Schultern verteilt. „Dennoch lassen wir ihn ungern gehen, danken ihm für seinen beeindruckenden Einsatz und wünschen ihm von Herzen alles Gute“, betonte Josef Lübbers, Kaufmännischer Direktor, bei der gestrigen Verabschiedungsfeier im St. Bernhard-Hospital. Viele Weggefährten aus der Gemeinde St. Josef und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses, für die Christoph Kämmerling immer ein offenes Ohr hatte, waren zur Verabschiedung gekommen.

Rückblickend gibt es für ihn Vieles, was er als beglückend empfindet: Da sind zum einen die tiefen, seelsorgerischen Gespräche mit Patienten in der Krise ihrer Krankheiten. „Das ist Seelsorge pur“, berichtet er. Denn es ging um existenzielle Fragen, um den Sinn des Lebens und Leidens, um Schuld und Vergebung. Es ist aber auch die gegenseitige Wertschätzung unter den Kollegen und Kolleginnen und die besondere, sehr menschliche Kultur des Krankenhauses – und natürlich, ganz aktuell, die Feiern zum 50-jährigen Jubiläum, die er schätzt. „Ich hätte auf nichts verzichten mögen“, zieht er selbst Bilanz.

Bereits Engagement in der Jugend

Dabei war sein Weg zum Seelsorger keineswegs gradlinig vorgezeichnet. Denn er startete, nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann, erst einmal in diesem Beruf. Da er sich allerdings bereits als junger Mensch in der ehrenamtlichen Gemeindearbeit engagierte, gefielen ihm die Perspektiven, die sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) eröffneten. Denn seit dieser Zeit können auch Laien verantwortlich in der Kirche mitarbeiten. Die Gespräche mit einem befreundeten damaligen Pastoralreferenten ermutigen ihn zudem, ein duales Studium im Bistum Münster zu absolvieren.

25 Jahre lang war Christoph Kämmerling in der Gemeindeseelsorge in Kamp-Lintfort aktiv und kümmerte sich – neben der Kinder- und Jugendarbeit – um Schulseelsorge, Katechese, Ferienfreizeiten und Familienseelsorge. Seit fast einem Jahrzehnt ist er als Pastoralreferent im Krankenhaus aktiv. „Durch meine Tätigkeit hier ist mir der Heilige Franziskus mit seiner Art, wie er die Menschen schätzte, wie er sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzte und wie er den Respekt vor anderen Religionen vorlebte, ein Vorbild“, berichtet er.

Dritter Lebensabschnitt: Radfahren und Wandern

Erzählt der zukünftige Ruheständler von seinen Erlebnissen im Krankenhaus, dann fallen ihm nicht nur die zu Herzen gehenden, bewegenden Gespräche ein. Besonders lustig hat er die Frage eines Patienten in Erinnerung: „Muss ich jetzt dieses Gespräch bezahlen? Ich bin nicht privat versichert.“ Eine Sorge, die ihm Christoph Kämmerling mit einem Lachen gern nehmen konnte.

Aber so ganz ruhig will es Christoph Kämmerling in seinem dritten Lebensabschnitt nun doch nicht angehen lassen. „Radfahren und Wandern,  meine liebsten Freizeitbeschäftigungen, stehen auf dem Programm – und das mit meiner Frau gemeinsam.“ Große Hochachtung hat er vor der Art, wie seine Frau in all den Jahren seine unregelmäßigen Dienstzeiten akzeptierte. „Sie hatte immer Verständnis für mich.“ Beide sind noch ehrenamtlich in der Pfarrei tätig. Auch steht in Herbst wieder eine Bergwanderung in Südtirol mit seiner „Männerwandergruppe“ an. Und im St. Bernhard-Hospital wird er weiterhin dem Ethik-Komitee angehören.

Gut aufgestellt für die Zukunft

Für die seelsorgerische Betreuung des St. Bernhard-Hospitals wird nun Diakon Heinz Balke verantwortlich sein. Er gehört bereits seit zwei Jahren zum Seelsorgeteam des Hauses und teilt sich die Aufgaben mit dem evangelischen Pastor Stefan Maser, einem langjährigen, erfahrenen Krankenhausseelsorger.

Zusätzlich wurden im vergangenen Jahr vier Frauen als seelsorgerische Begleiterinnen ausgebildet, die nun für Gespräche mit Patienten zur Verfügung stehen. Auch die Christliche Krankenhaushilfe („Grüne Damen), bieten praktische Handreichungen und Tätigkeiten an. Zudem besuchen die Männer und Frauen des Pfarrei-Besuchsdienstes jeden Samstag Patienten im Haus. „Ich weiß meine Nachfolge in exzellenten Händen. Das Haus ist für die Zukunft gut aufgestellt“, so Christoph Kämmerling.

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