Der Rhein-Lippe-Hafen während der Bauphase vor über 60 Jahren (Foto4: DeltaPort)

Wesel. Am 27. November 2017 feiert der Rhein-Lippe-Hafen Wesel sein 60-jähriges Bestehen. In der vergangenen Zeit hat sich viel getan. Europas ehemals größter „Ölhafen“ wird zum Universalhafen.

Der Rhein-Lippe-Hafen Wesel blickt auf eine spannende Vergangenheit zurück. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erkannten die Behörden des preußischen Staates das Potenzial des an Europas Hauptwasserstraße gelegenen Gebietes, dem Lippe-Mündungsraum. Der Anschluss an die großen Häfen in Nordeuropa und an die südlichen, flussaufwärts gelegenen Häfen und Städte bot optimale Bedingungen für die Errichtung eines Hafens. Die Pläne konnten jedoch, bedingt durch den 1. und 2. Weltkrieg, nur schleppend umgesetzt werden. Erst im Jahr 1950 griff die Stadt Wesel die Konzeption für den Bau eines Industrie- und Umschlaghafens wieder auf, vor allem weil die geografische Lage des Lippe-Mündungsraums durch den Bau des Wesel-Datteln-Kanals im Jahr 1930 zwischenzeitlich weiter aufgewertet worden war.

Am 2. März 1957 wurde sodann die Rhein-Lippe-Hafen Wesel/Dinslaken GmbH gegründet, deren Aufgabe es war, den Hafen zunächst zu errichten und anschließend zu betreiben. Bereits im April 1957 wurde ein Ansiedlungsvertrag mit der Firma Gelsenberg Benzin AG unterzeichnet und der I. Bauabschnitt des neuen Hafens begonnen. In nur drei Monaten stellten die Firmen F. C. Trapp AG und Hülskens Wasserbau GmbH & Co. KG den ca. 22 ha großen I. Bauabschnitt fertig. Zeitgleich mit den Bauarbeiten am Hafenbecken errichtete die Gelsenberg Benzin AG eine Mineralölumschlaganlage am nördlichen Ufer mit insgesamt drei Löschbrücken, zwei Tanklagern sowie weiteren betriebsnotwendigen Anlagen. Diese Firmenanlage wurde zudem mit einer 45 km langen Pipeline an den Firmensitz in Gelsenkirchen-Horst verbunden. Die Größe der gesamten Anlage erreichte zu der Zeit eine Dimension, mit der die Gelsenberg Benzin AG in der Lage war, in 1957 etwa 30 % des Rohölumsatzes der gesamten Bundesrepublik Deutschland umzuschlagen. Am 27. November 1957 wurde die Inbetriebnahme der Anlage an Bord der „WESTMARK“ gefeiert.

Der Rhein-Lippe-Hafen während der Bauphase vor über 60 Jahren (Foto2: DeltaPort)

Schon 10 Monate danach konnte mit der BP AG eine weitere große Firma im Hafen angesiedelt werden, die per Pipeline über den Rhein-Lippe-Hafen ihr Tanklager in Hünxe-Bucholtwelmen versorgte. Die Ansiedlung war zudem der Startschuss für die Herstellung des II. Bauabschnittes, der am 12. Juli 1960 offiziell abgeschlossen wurde. Der Umschlag im Rhein-Lippe-Hafen betrug Im Jahr 1961 rund 2,5 Mio. Tonnen. Anfang der 90er-Jahre übernahm die Firma Lehnkering sowohl das Tanklager in Hünxe als auch den Betrieb im Rhein-Lippe-Hafen.

Heute stehen im Rhein-Lippe-Hafen noch lediglich 2 der bei Zeiten notwendigen 26 Tanks. Diese werden von der Firma TanQuid betrieben, die, wie auch die BP, per Pipeline das Tanklager in HünxeBucholtwelmen beliefert. Mit der Zeit siedelten sich die Firmen GS-Recycling (Aufbereitung von Schmierstoffen aus dem Automotive- und Industriebereich) und Hegmann Transit (Schwergut) im Hafen an, die mit Fertigstellung der seit März 2017 im Bau befindlichen neuen Kaimauer den Umschlag im Rhein-Lippe-Hafen beginnen wollen.

Seit 2012 ist der Rhein-Lippe-Hafen ein Teil des Hafenverbunds DeltaPort, welchem zudem der Hafen Emmelsum in Voerde sowie der Stadthafen Wesel angehören. Mit einem Flächenpotenzial von insgesamt 86 ha, wovon allein 65 ha im Rhein-Lippe-Hafen zur Verfügung stehen, bietet DeltaPort hafenaffinen Unternehmen aus Industrie und Handel zahlreiche individuell zugeschnittene Ansiedlungsmöglichkeiten. Zukünftig soll der ehemalige Ölhafen als Universalhafen für bspw. Flüssiggüter, Stück- und Schüttgüter etabliert werden und mindestens weitere 60 Jahre erfolgreich betrieben werden.

3D-Visualisierung: Dieses Bild zeigt, wie der Rhein-Lippe-Hafen zukünftig aussehen könnte ( © DeltaPort)
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