Gedenken an die Pogromnacht (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation)

Krefeld. Frank Meyer über die Judenverfolgung: „Wir müssen Worte finden, das Unbeschreibliche zu beschreiben“

Gemeinsam mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde hat Oberbürgermeister Frank Meyer am Donnerstag der Novemberpogrome des Jahres 1938 gedacht. Auf dem Platz an der Alten Synagoge fanden sich zu diesem Anlass rund 200 Teilnehmer zusammen. In Reden, Gebeten und Gesängen erinnerten sie gemeinsam an die Geschehnisse vom 9. November 1938 und der darauffolgenden Tage. Damals steckten die Nationalsozialisten die Krefelder Synagogen in Brand, zerstörten Geschäfte und Wohnungen und verhafteten willkürlich jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. „Wenn wir heute an den 9. November 1938 zurückdenken, dann wollen uns sogar fast 80 Jahre danach die Worte versagen – und trotzdem werden wir immer wieder Worte finden müssen, das Unbeschreibliche zu beschreiben“, erklärte Oberbürgermeister Frank Meyer in seiner Ansprache. „Es ist schlicht und einfach unvorstellbar, was damals überall in Deutschland geschehen ist – auch in unserer Stadt, in den Straßen, durch die wir heute noch gehen, in den Häusern, an denen wir ganz selbstverständlich vorbei schlendern.“

Der Oberbürgermeister verwies auf aktuelle politische Tendenzen, den Holocaust zu verharmlosen. Als Antwort auf diese Versuche der Relativierung las Frank Meyer aus Augenzeugenberichten von Krefelderinnen und Krefeldern vor, die am 9. November 1938 die Verbrechen am eigenen Leibe erlebt hatten. Die Schilderungen von Kurt Frank, Lila C. Gary (geborene Cohen) und Inge Wolfson (geborene Meyer) berichten eindrucksvoll von persönlichen Schikanen, von Zerstörungswut und Todesangst. „Diese drei – und viele weitere Opfer der nationalsozialistischen Willkür – waren bis 1933 ganz normale, geachtete Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Darunter waren angesehene Geschäftsleute, fleißige Familienväter und -mütter, Soldaten, die im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft hatten, gute Nachbarinnen und Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunde. Wer ihren historisch verbrieften Schilderungen zuhört, kann danach unmöglich einer Verharmlosung das Wort reden.“

Auch Michael Gilad, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Krefeld, nahm Bezug auf aktuelle politische Entwicklungen. „Im Bundestag sitzen Menschen, die solche Erinnerungen am liebsten nicht fortsetzen und solche Gedenktage nicht abhalten wollen, aber das braucht uns hier in Krefeld nicht zu erschrecken“, sagte Gilad. „Wir haben viele Freunde hier. Trotzdem müssen wir wachsam bleiben.“ Mit traditionellen Gebeten und Liedern klang die Veranstaltung aus.

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