Gratulation und Dank für Zivilcourage (Foto: Bundespolizei)

Oberhausen/Düsseldorf. Sie sahen den Zug in den Bahnhof einfahren und den Mann auf den Schienen liegen. Schafft es der Zug vor der Person zum Stehen zu kommen? Was nun?

Es ereignete sich am Dienstagmittag (31. Oktober) um 12.10 Uhr im Oberhausener Hauptbahnhof ein äußerst erwähnenswerter Fall von Zivilcourage. Ein 37-jähriger Staatsangehöriger Sri Lankas stand auf Bahnsteig 12 des Oberhausener Hauptbahnhofes und sprang ohne ersichtlichen Grund ins Gleisbett. Die umherstehenden Reisenden dachten, dass er etwas verloren hat. Doch dann legte er sich auf die Schienen. Der Mann aus Unna hatte allem Anschein nach die Absicht, sich das Leben zu nehmen.

Als das Oberhausener Pärchen (sie 27, er 24) den Mann in den Gleisen liegen und die Bahn auf diesem Gleis von weitem einfahren sah, überlegten die Zwei nicht lange. Die 27-Jährige agierte direkt und sprang mit einem unbekannten Helfer ins Gleisbett. Sie hoben den scheinbar verzweifelten Mann von den Schienen auf den Bahnsteig. Der Lebensgefährte zog die anwesenden Kinder hinter eine Sichtbarriere, damit sie nicht Schlimmeres zu sehen bekommen. Zudem setzte er einen Notruf ab.

Der gerettete Mann äußerte immer wieder das Wort „Suizid“ und versuchte erneut auf die Schienen zu springen. Das Pärchen und ein unbekannter Zeuge kesselten den Mann daraufhin ein.

Besonders brisant war der Umstand, dass wenige Sekunden nach der Rettung ein Zug einfuhr. Der hellwache Triebfahrzeugführer dieses Zuges schätzte die Situation direkt richtig ein, verringerte die Geschwindigkeit und kam vor dem Ereignisort rechtzeitig zum Stehen.

Die couragierten Helfer übergaben der Bundespolizei den hilfebedürftigen Mann. Auf der Dienststelle machte er weiterhin einen psychisch labilen Eindruck. Eine diensthabende Notärztin entschied ihn vorerst an eine psychiatrische Einrichtung zu übergeben.

Auf die Frage, wie sie den Vorfall verkraftet haben, erzählte das Oberhausener Pärchen, dass sie abends bei ihren Eltern noch viel darüber gesprochen haben. „Aber an sich sei alles gut gelaufen.“ Die 27-jährige Retterin berichtete, dass sie so entsetzt darüber gewesen sei, wie „gechillt“ sich der Mann auf die Schienen, mit Blickrichtung zum einfahrenden Zug, gelegt habe. Und wie erstarrt der Großteil der Reisenden gewesen sei. Sie hofft, dass dem Mann geholfen werden kann. Abschließend gaben die Beiden an, dass sie in dieser Situation immer wieder helfen würden.

Die Bundespolizei möchte allen Helfern ein großes Lob für ihr Engagement aussprechen. Polizeidirektor Ralf Gehling lud das couragierte Pärchen zu einem persönlichen Gespräch in die Diensträume der Bundespolizeiinspektion Düsseldorf ein. Herr Gehling bedankte sich mit den Worten: „Sie haben sich selbst in Gefahr begeben, um ein anderes Leben zu retten. Das ist nicht selbstverständlich.“

Aber auch hier möchte die Bundespolizei noch einmal auf die Gefahren im Bahnverkehr hinweisen. Das Betreten des Gleisbereichs kann lebensgefährlich sein. Die Geschwindigkeiten der Züge sowie die Sogwirkung dieser werden häufig unterschätzt. (ots)

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