Vom Synagogenplatz ging der Schweigemarsch über Schloss- und Leineweberstraße und schließlich bei der Andacht in St. Mariae Geburt auf den Kirchenhügel (Foto: privat)

Mülheim. „Wir erinnern uns heute dankbar an 72 Jahre Frieden“, eröffnete Superintendent Gerald Hillebrand das dritte ökumenische Gebet für den Frieden, zu dem katholische Stadtkirche und Evangelischer Kirchenkreis anlässlich der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 8. August 1945 und des folgenden Kriegsendes eingeladen hatten. „Frieden ist nicht selbstverständlich, Krieg scheint heute für einige wieder eine Möglichkeit des Handelns zu sein“, mahnte Superintendent Hillebrand. Weltweit stiegen die Rüstungsausgaben, auch deutsche Firmen machten im internationalen Waffenhandel große Gewinne. Angesichts internationalen Säbelrasselns „brauchen wir Mahnmale“, hielt Superintendent Hillebrand fest. Zum Beispiel solche wie die bombardierte Madonna von Nagasaki. Die Figur gehörte der katholischen Gemeinde in dem japanischen Ort, die beim Bombenangriff 8000 ihrer zuvor 12000 Mitglieder verlor. Der Kopf der Madonna wurde nach der Bombardierung aufgefunden und aufbewahrt. Heute beten die japanischen Katholiken wieder in einer eigenen Kapelle zu ihr. „Für die Seelen der Opfer und für den Frieden“, wie es ein trauernder Angehöriger sagt.

Gemeinsam gebetet haben die Mülheimer Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Friedensgebetes auch. Zuerst auf dem Synagogenplatz, dann beim Schweigemarsch über Schloss- und Leineweberstraße und schließlich bei der Andacht in St. Mariae Geburt auf dem Kirchenhügel. „Wir haben ein Zeichen gesetzt und sind gemeinsam friedlich auf die Straße gegangen“, begrüßte Stadtdechant Michael Janßen die Gläubigen in der katholischen Kirche an der Althofstraße. Musikalisch gestaltet wurde die Andacht durch Kantor Christian Vogel (Orgel) und Markus Zaja (Saxophon). Auch beim dritten ökumenischen Friedensgebet wurde ein lokales Friedensprojekt vorgestellt. Diesen Part übernahm Angelika Romeik, die über das Engagement der Mülheimer Frauen in Schwarz / Frauen für Frieden berichtete. Anlass zur Gründung war ein Klagegottesdienst 1992, in den dem sich Mülheimer Christinnen mit im Jugoslawienkrieg vergewaltigten Frauen solidarisierten. „Doch wir wollten nicht nur klagen, sondern auch handeln“, berichtete Angelika Romeik. Besuch aus Belgrad beförderte das Mülheimer Engagement. Von dort kamen vier „Frauen in Schwarz“ in das Winkhausener Gemeindezentrum, die für ihre Proteste im Heimatland gerade mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden waren. Die Mülheimer Frauen in Schwarz übernahmen in der Folge Patenschaften für vom Krieg betroffenen Frauen und Familien in im ehemaligen Jugoslawien, hielten Mahnwachen in der Stadt, berichteten Mülheimerinnen und Mülheimern über die Lage im Kriegsgebiet. Über die international vernetzten Frauen in Schwarz entstanden schließlich auch Kontakte zu Friedensaktivisten im Gazastreifen. Dort werden heute von Mülheim aus Familien unterstützt und Hilfspakete nach Gaza verschickt. Zu regelmäßigen Friedensgebeten in Mülheim laden die Frauen in Schwarz gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Speldorf ein.

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