Symbolfoto: HELIOS

Duisburg. Neu in Duisburg: Nach erfolgreicher Pilotphase bietet die Geburtshilfe an der HELIOS St. Johannes Klinik regelhaft das schonende Lachgas-Verfahren bei Geburt und anschließenden Eingriffen an.

Die Aussicht auf die baldige Geburt eines Kindes ist für die werdende Mutter meist wunderschön und aufregend zugleich. Viele wünschen sich deshalb medizinische Hilfestellung, um die erwarteten starken Wehenschmerzen besser aushalten zu können. Bekannt ist hier vor allem die sogenannte Periduralanästhesie, kurz PDA. Eine gute Alternative aber ist der Einsatz von sogenanntem Lachgas, da es die Beschwerden lindert, ohne das Geburtserlebnis zu mindern, und auch zu einem späteren Zeitpunkt noch angewendet werden kann.

Der medizinische Gebrauch des Gasgemisches an sich ist nicht neu. Zahn- oder Kinderärzte etwa nutzen es schon lange, um Patienten gegen Schmerzen zu behandeln. In die deutschen Kreißsäle aber hält es erst langsam Einzug, dabei ist es für viele Frauen, die Angst vor einer PDA haben oder die die Geburt möglichst ohne Narkoseerscheinungen erleben wollen, eine gute Ausweichmöglichkeit. „Die Patientinnen atmen das Lachgas  über eine Maske ein und können über ihre Atemtiefe die Dosierung selbst bestimmen“, erklärt Dr. Katrin Marschner, Chefärztin der Geburtshilfe und des Perinatalzentrums an der HELIOS St. Johannes Klinik in Duisburg Alt-Hamborn. Neben der Schmerzlinderung löst das Gas zudem Ängste und entspannt, daher auch der Name. „Man kann sagen, es nimmt bei richtiger Atemanleitung der Wehe die Spitze. Und das ist etwas, das sich  vielen Frauen wünschen. Der Effekt fühlt sich an, als habe man einen kleinen Piccolo getrunken“,  so Marschner, die es selbst ausprobiert hat. Seltene Nebenwirkungen können Schwindel oder Übelkeit sein. Das Verfahren hilft zudem, den Geburtsverlauf zu beschleunigen, da die Frauen die Situation in angenehmerer Erinnerung zu behalten. Denn für fast die Hälfte aller frischgebackenen Mütter ist das Erlebnis lange Zeit aus körperlicher Sicht eher negativ besetzt und dementsprechend verspannt sind sie dann oft vor der nächsten. Studien zur Schmerzintensität zufolge entspricht der Geburtsschmerz in etwa der Amputation eines Oberarms. „Und kaum jemand würde sich auch nur einen Zahn ohne Lokalanästhesie ziehen lassen“ so Dr. Marschner. Wieviel Wehenschmerz sie aushalten möchte, kann heutzutage jede Frau selbst bestimmen. Von Homöopathie bis PDA gibt es eine große Breite an Möglichkeiten. Der Vorteil des Lachgases aber ist, dass die Patientin es mit der Hebamme sogar allein, sprich ohne Anästhesisten, anwenden kann, so ist sie quasi Teil des Teams, da sie Dauer und Menge selbst steuert. „Manche möchten sogar noch nach der Geburt ein Näschen davon nehmen“, schmunzelt Dr. Marschner.

Wie aber wirkt das Gas genau? Die Mischung aus 50 Prozent Lachgas und 50 Prozent Sauerstoff wird direkt vom Blut aufgenommen und zum Schmerzzentrum des Gehirns transportiert. Abgeatmet wird es nach ganz kurzer Zeit über die Lunge, so dass nichts davon länger in der Blutbahn verbleibt. Dadurch beruhigt sich die Patientin und wird sogar in einen leicht euphorischen Gemütszustand versetzt. Studien zeigen, dass das Gas keinen negativen Einfluss auf das Kind oder den Geburtsverlauf hat. Auch am HELIOS Klinikum wurde die Anwendung in einem Pilotprojekt ausführlich getestet. „Die Reaktion unserer Patientinnen war sehr positiv“, fasst Dr. Marschner das Ergebnis zusammen. „Da sie es ja selbst steuern konnten, haben viele die Geburt so erlebt wie gewünscht, ohne dass der Schmerz oder eine PDA die Wahrnehmung zu stark beeinflussten.“ Ab sofort bietet ihre Abteilung allen Schwangeren diese Option an. Darüber hinaus kann das Lachgas auch bei der anschließenden Wundversorgung kleinerer Geburtsverletzungen zum Einsatz kommen.

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