(links) Kleine Wunden besser mit einem Pflaster versorgen (Fotolia / dmitrimaruta) und rechts: Wundspezialistin Kader Erdogan (Foto: HELIOS)

Rhein-Ruhr. Die großen Ferien haben begonnen, der Sommerurlaub kann kommen. Viele nutzen diese Auszeit, um wieder aktiver zu werden, ob in Wanderschuhen, auf dem Beachvolleyballfeld oder mit dem Rad. Im Eifer des Gefechts kann dann schon mal die eine oder andere Blessur zurückbleiben. Was aber hilft wirklich bei kleineren Schürfwunden oder Blasen? Wundtherapeutin Kader Erdogan gibt Tipps und klärt Irrtümer auf.

Sie hält sich hartnäckig, die Ansicht, dass kleine Wunden wie Schnitte oder Kratzer am besten „an der Luft“ heilen sollten. „Ein Irrtum, der den ganzen Prozess eher verzögert“, erklärt Kader Erdogan, zertifizierte Wundtherapeutin am Helios Klinikum Duisburg. Im dortigen Wundzentrum versorgt sie täglich Patienten, deren Haut und Gewebe nicht mehr heilen will. „Ohne Abdeckung können Mikroorganismen in die Wunde eindringen, es bildet sich Schorf auf der Wunde, unter dem sich Bakterien ansiedeln können.“ Besser ist es also, die Stelle mit einem atmungsaktiven Pflaster oder Verband zu versorgen, damit das Wundsekret aufgesogen wird, alles sauber bleibt und sich keine Infektionsherde bilden. Das alles fördert auch die Neubildung der Zellen. „Ist die Wunde aber nach einiger Zeit verschlossen, kann man ruhig auf Pflaster und Co. verzichten“, so Erdogan.

Ein weiterer Mythos ist: „Was weh tut, wirkt“. Doch auch das ist falsch. Denn wer offene Stellen etwa mit Alkohol desinfiziert, kann die Wundränder zusätzlich beschädigen. Besser ein alkoholfreies Wundspray mit in den Urlaub nehmen, das wirkt keimtötend und brennt nicht. Auch auf „Hausmittel“, wie etwa Mehl, Öl, Honig oder Puder auf jeden Fall verzichten.

Nach der Wanderung in den neuen Schuhen bereiten sie bei jedem Schritt Schmerzen: Blasen an den Füßen sind eine echte Qual. Wie aber werde ich sie am schnellsten wieder los? „Um die Heilung zu beschleunigen, sollte die Blasenhaut immer als Schutzbarriere über der empfindlichen Unterhaut verbleiben“, rät die Wundtherapeutin. Das heißt, eine prall gefüllte Blase kann man ruhig mit einer desinfizierten Nadel anpieksen und auslaufen lassen, die leere Hülle sollte dann aber nicht entfernt werden, sonst trocknet der Blasengrund aus. Ist die Blase schon von selbst eingerissen, einfach die Haut wieder an die verletzte Stelle ziehen. Im Anschluss die Blase immer mit einem Pflaster abdecken. Schneller kann es gehen, wenn man eines mit der sogenannten Hydrokolloid-Technik nutzt, der sogenannten feuchten Wundversorgung. Sie verhindert, dass die Wunde austrocknet und sich Bakterien einnisten.

Übrigens, der Mythos „Was juckt, das heilt“, stimmt weitestgehend. Denn während des Heilungsprozesses tauschen die beteiligten Zellen vermehrt Botenstoffe aus, um die Verletzung schnellstmöglich zu reparieren. Da die Wunde aber noch sehr empfindlich ist, kann sich diese Aktivität als Juckreiz bemerkbar machen. Kommen allerdings Rötungen, Schwellungen und  heiße Stellen hinzu, sollten die Alarmglocken schrillen und ein Arzt hinzugezogen werden. Diese Symptome deuten nämlich meist auf eine Entzündung hin.

Auch bei größere Wunden ist oftmals medizinische Hilfe notwendig. Am besten die betroffene Stelle dann erstmal nicht selbst behandeln, sondern umgehend mit einer sterilen Kompresse oder einem Verbandpäckchen abdecken. Bei starker Blutung, kann ein Druckverband helfen. Steckt ein Fremdkörper in der Wunde, diesen nicht selbst entfernen, da das Herausziehen die Blutung verstärken kann. Kleine Splitter hingegen können natürlich selbst herausgezogen werden. Wichtig noch zu wissen: Bei Wunden, egal ob groß oder klein, sollte der Tetanusschutz im Impfausweis überprüft werden. Ist er nicht mehr aktuell, am besten einen Arzt aufsuchen.

Zusätzliche Tipps für die Reiseapotheke:

  • Diese Dinge sollten im Urlaub dabei sein:
    • gute Pflaster und Verbände – sowohl für kleine Abschürfungen als auch für Blasen
    • Desinfektionsmittel für Wunden
    • Sonnencreme sowie „After Sun“-Lotion
    • Sonnenbrand-Gel
    • ein verlässliches Schmerzmittel
    • ein loperamidhaltiges Mittel gegen Durchfallerkrankungen
    • Medikament gegen Reiseübelkeit aus der Apotheke
    • Halsschmerztabletten und Hustenmittel
    • Gel mit Antihistaminikum zur Behandlung von Mückenstichen
    • Ohrenstöpsel für einen erholsamen Schlaf
  • Kein Sonnenbad bei Antibiotika-Einnahme, da die Wirkstoffe im Blut auch direkt unter der Hautoberfläche kreisen und ggfls. mit Ausschlag oder ähnlichem auf die Sonnenstrahlung reagieren können.
  • Medikamente, Sprays und Verhütungsmittel immer möglichst kühl lagern, am besten unter 25 Grad. Für den Transport gibt es kleine Taschen mit Kühlakkus.
  • Medikamente gegen chronische Leiden ins Handgepäck, damit sie bei Bedarf schnell verfügbar sind und nicht etwa mit dem Koffer verloren gehen.
  • Bei (Feuer)Quallenalarm: Vorsorglich eine kleine Flasche/Dose Essig oder Rasierschaum mit zum Strand nehmen und bei Kontakt über die betroffene Stelle geben. Vorher versuchen, die Quallenreste mit Hilfe von Meerwasser oder Sand vorsichtig etwa mit einer Plastikkarte abzuschaben, damit evtl. noch vorhandene Nesselkapseln nicht aufplatzen. Auf keinen Fall Süßwasser oder Alkohol benutzen. Bei Atemnot, Schwindel, etc. sofort einen Arzt aufsuchen.
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