Jürgen Steinmetz (l.), Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, und der Krefelder Unternehmer Peer Kesper (r.) tauschten sich mit Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, aus (Foto: IHK)

Krefeld/Mittlerer Niederrhein. Der Koalitionsvertrag, die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Zukunft des Rheinischen Reviers – unter anderem über diese drei Themen hat sich Prof. Dr. Andreas Pinkwart am Donnerstag mit den Hauptgeschäftsführern der Industrie- und Handelskammern Mittlerer Niederrhein, Düsseldorf und Aachen ausgetauscht. Der neue Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen war kurzfristig einer Einladung von Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, gefolgt und zu Gast in Krefeld.

Zum Auftakt schilderte der Krefelder Unternehmer Peer Kesper, dass die Digitalisierung für einen mittelständischen Industriebetrieb vielen Chancen bietet, aber auch eine große Herausforderung bedeutet. „Unsere vier Unternehmen befassen sich mit Oberflächen, wir machen Druckformen und Maschinen für die Prägeindustrie, damit werden beispielsweise Textilien, Tapeten und Laminatoberflächen bedruckt“, erklärte der Geschäftsführer der Kesper Druckwalzen GmbH. Rund 1.000 Maschinen betreut das Unternehmen weltweit. „Die Wartung der Maschinen und die Aktualisierung der Software erfolgt natürlich digital“, berichtete Kesper. „Leider ist die Breitbandanbindung in unserem Gewerbegebiet so schlecht, dass wir die Einführung neuer digitaler Technologien derzeit zurückgestellt haben, um die Leitung nicht noch mehr zu belasten.“ Er sei mit Kommunikationsanbieter in Gesprächen, um eine Verbesserung zu erreichen. Der Minister versprach dem Unternehmer, das zuständige Referat über den Fall zu informieren, um unter Umständen eine Lösung zu finden.

„Digitalisierung ist mehr als Breitbandausbau, aber ohne diesen Ausbau ist keine nachhaltige Digitalisierung der Wirtschaft vorstellbar“, sagte Steinmetz. „Daher müssen die Telekommunikationsunternehmen in NRW animiert und die Förderstrukturen der Bundesregierung genutzt werden, um den infrastrukturellen Ausbau deutlich zu beschleunigen.“ Der Minister appellierte an die Telekommunikationsanbieter, endlich in den Wettbewerb zu treten. „Dabei geht es vor allem um Glasfaser – diese Technologie sollte Priorität haben“, sagte Pinkwart.

Hinsichtlich der Zukunft des Rheinischen Reviers begrüßten die drei IHK-Hauptgeschäftsführer, dass die neue Landesregierung sich im Koalitionsvertrag eindeutig zu den vorhandenen Genehmigungen der Tagebaue bekennt. Das gebe den Unternehmen Planungssicherheit. Als Gesellschafter der Innovationsregion Rheinisches Revier GmbH (IRR), die den Strukturwandel im Rheinland begleiten soll, sagte Steinmetz: „Strukturwandel kann man nur bedingt steuern: Es ist für die Politik grundsätzlich nicht vorhersehbar und planbar, was die Geschäftsfelder der Zukunft sind.“ Staatliches Engagement sollte sich deshalb in erster Linie auf eine Verbesserung der Standortbedingungen konzentrieren. „Es geht um die Bereitstellung ausreichender und geeigneter Flächen, um beschleunigte Planverfahren, den Ausbau der Infrastruktur und die Förderung von Bildungseinrichtungen.“ Dadurch entstünden vielfältige neue Chancen für die Region.

Mit Blick auf die Regionalpläne Düsseldorf und Köln regte Steinmetz an, dass bei einem besonderen Bedarf wie im Falle des Strukturwandels im Rheinischen Revier über die üblichen Bedarfsberechnungen hinaus besondere Flächen für Zukunftsentwicklungen ausweisbar sein sollten. „Es wäre auch denkbar“, so Steinmetz, „das Rheinische Revier zu einem Gebiet mit besonderer Anforderung zu erklären und Projekte zu definieren, für die die Regeln des Planungsbeschleunigungsgesetz gelten.“ Pinkwart begrüßte den Gedanken, vor allem gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Er regte an, einen „Think Tank“ für die Entwicklung des Rheinischen Reviers zu gründen: „Wir brauchen Leute, die neu denken und innovative Ideen für die Nutzung der riesigen Flächen entwickeln. Es geht um Zukunftstechnologien, um drei, vier herausragende Projekte, die europaweit von Bedeutung sind. Erneuerbare Energien sollten dabei auch eine Rolle spielen.“

Die drei Industrie- und Handelskammern begrüßen die Absicht der Landesregierung, möglicherweise weitere hoheitliche Aufgaben auf die Selbstverwaltungsorganisationen der Wirtschaft zu übertragen. „Insbesondere bei den Gewerbemeldungen und den gewerberechtlichen Erlaubnisverfahren ist es unseres Erachtens absolut naheliegend, diese Aufgaben bei den Selbstverwaltungseinrichtungen der Wirtschaft anzusiedeln“, betonte Steinmetz. „Wir haben entsprechende Erfahrungen und Kompetenzen.“ Außerdem könnte so jeder Gründer auch gezielt von den IHK-Experten beraten werden. Steinmetz: „Von uns begleitete Gründungen sind wesentlich nachhaltiger als Gründungen ohne entsprechende Unterstützung.“

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