Der am 1. Juni im Zoo Krefeld geborene Orang-Utan-Junge "Hujan" wird von Menschenhand aufgezogen (Foto: Zoo Krefeld)

Krefeld. Der männliche Orang-Utan Nachwuchs vom 1. Juni entwickelt sich in der Obhut der Tierpfleger sehr gut. Nun hat er seinen Namen bekommen: „Hujan“ (Regen).Hujan ist das erste Jungtier von Orang-Utan Weibchen Sungai. Zunächst entwickelte sich alles prächtig. Nach einer Woche verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Sungai und ihrem Sohn jedoch. Zootierärztin Anna Grewer und die Kollegen entschlossen sich zu einer Narkose, um Mutter und Kind zu untersuchen. Das Jungtier war bereits stark dehydriert, die Mutter litt an einer Infektion, von der sie sich durch Medikamente schnell wieder erholte. Allerdings hatte Sungai das Interesse an ihrem Nachwuchs verloren. So entschieden sich die Zoomitarbeiter zur Handaufzucht.

Seit vier Wochen lebt Hujan nun in der Obhut von Tierpflegerin Eva Ravagni. Rund um die Uhr kümmern sie und ihre Kollegen sich um Hujan. Nach zwei Wochen hatte sich der Kleine schon gut erholt und entwickelt sich normal. Inzwischen wiegt er 2600 Gramm. Bei seinem Einzug waren es nur 1600 Gramm. Abends und nachts ist er besonders munter. Alle zwei bis drei Stunden verlangt er nach der Flasche oder muss gewickelt werden. Er bekommt handelsübliche Babymilch und Frühchenwindeln. Die größte Herausforderung bei einer Handaufzucht ist die Sozialisierung des Jungtieres. Keinesfalls soll er vermenschlicht werden und von Anfang lernen, dass er ein Orang-Utan ist. Ravagni nimmt ihn mit zur Arbeit und bringt ihn jeden Tag zur Orang-Utan Familie. Sie kann bei der Aufzucht auf den reichen Erfahrungsschatz der beiden Tierpfleger Christine Osswald und Klaus Reymer zurückgreifen, die 1993 Orang-Utan Weibchen Lea mit der Hand aufzogen.

Lea lebt immer noch im Krefelder Zoo und ist inzwischen Mutter von drei Jungtieren, Hujan ist ihr erstes Enkelkind.

Sieben bis acht Monate wird Hujan in menschlicher Obhut bleiben, bevor er zurück in die Orang-Utan Gruppe kann. Außer zu den Tierpflegern bekommt er keine menschlichen Kontakte. Spannend wird es, wenn er mit drei Monaten neben Milch auch Obst und Gemüse kennenlernen wird. Seine Pflegerin darf in seinem Beisein von ihm nur Gesundes zu sich nehmen, denn junge Affen schauen sich bei ihren Müttern ab, was sie essen dürfen. Eine Handaufzucht von exotischen Tieren ist immer nur eine Notlösung und verlangt den Tierpflegern ein hohes Maß an Flexibilität und Liebe zu ihrem Beruf ab. Ravagnis Zookollegen übernehmen derweil ihre Arbeit, damit sie sich dem Jungtier widmen kann. Die Eltern kaufen für sie mit ein.

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