Allen Beteiligten liegt es am Herzen, Schüler schon frühzeitig für Industrieberufe zu begeistern, mehr Praxis in das Schulsystem zu bringen und Studierende beziehungsweise Absolventen der Hochschule Niederrhein in der Stadt zu halten (Foto: IHK)

Krefeld. Wo Pepper erscheint, zieht er die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Auf der Computermesse Cebit war er der heimliche Star, begrüßte unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und auch bei seinem jüngsten Auftritt während der Veranstaltung „Zukunftswerkstatt“ der Krefelder Initiative „Zukunft durch Industrie“ (ZdI) in den Räumen der XCMG Europe GmbH im Europark Fichtenhain stahl er so manchem Prominenten auf der Bühne die Schau, darunter Oberbürgermeister und Schirmherr Frank Meyer sowie den beiden ZdI-Sprechern Ralf Köpke (DGB Krefeld) und Detlev G. Moritz (GEMO G. Moritz GmbH & Co. KG). Doch das nahm ihm keiner übel. Zeigte der 120 cm große, weiße Roboter mit den großen Kulleraugen doch anschaulich, welche Aufgabe auf die rund 100 Teilnehmer in den kommenden Stunden zukommen sollte: ein Zukunftsbild für die Krefelder Industrie zu erarbeiten.

Die Industrie in Krefeld blickt auf eine lange Tradition zurück – weltweit berühmt wurde die Samt- und Seidenstadt durch die Textilindustrie. Seitdem hat sich viel verändert. Doch wie sieht die Zukunft der Krefelder Industrie aus? Welche Chancen gibt es, den Wandel zu gestalten? Welche Befürchtungen und Wünsche der Bürgerschaft sollen berücksichtigt werden? Welchen Beitrag kann die Industrie für die Bürgerschaft leisten? Diesen Fragen gingen die Teilnehmer aus Industrie, Politik, Verwaltung und Bürgerschaft nach – aufgeteilt in Arbeitsgruppen und -phasen.

„Sie können hier mal so richtig Dampf und Kritik ablassen“, forderte Moritz die Teilnehmer auf. Es hapere meist nicht an Ideen, wohl aber an der Umsetzung. „Wir sitzen alle in einem Boot und verbringen den Rest unseres Lebens in der Zukunft. Lassen Sie uns diese Veranstaltung als Maßstab nehmen für künftige.“ In den kommenden Stunden entstanden in den einzelnen Gruppen ähnliche Ideen. Allen Beteiligten liegt es am Herzen, Schüler schon frühzeitig für Industrieberufe zu begeistern, mehr Praxis in das Schulsystem zu bringen und Studierende beziehungsweise Absolventen der Hochschule Niederrhein in der Stadt zu halten. Dazu solle die Innenstadt mehr zu einem Bildungsstandort werden. Angeregt wurde auch die Gründung eines Bildungsfonds, um Schulen zukunftsfähig zu machen. So könnten dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Zum Stichwort „eMobilität“ wurde ebenfalls viel diskutiert. Die Forderung: neue Verkehrsstrukturen schaffen, Umweltbelastung reduzieren und die Erreichbarkeit zwischen Heim, City und Büro erhöhen. Nachgedacht werden soll unter anderem über teilautonome Fahrgastzellen und Miet-Bikes. Auch der Abbau von Bürokratie war ein Thema der „Zukunftswerkstatt“. Gefordert wurden unter anderem vereinfachte und digitalisierte Prozesse zwischen Unternehmen und Verwaltung. Außerdem soll ein Strategie- und Positionspapier erarbeitet sowie eine Person benannt werden, die dafür verantwortlich zeichnet.

„Wir werden diese zahlreichen, wertvollen Ideen und Themen nach der Sommerpause aufgreifen und mit den Akteuren in Kontakt treten“, sagte Elke Hohmann, Leiterin des Bereichs Innovation und Umwelt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, die die Geschäftsstelle der ZdI führt.

Krefeld ist vom „N3tzwerk Zukunft der Industrie“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) als eine von bundeweit sechs Modellregionen zur Initiierung von Industriedialogen und Durchführung solcher Veranstaltungen ausgewählt worden. Damit hat das Ministerium die Arbeit der Krefelder Initiative „Zukunft durch Industrie“ (ZDI) als erfolgreich ausgezeichnet.

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