Über eine Auszeichnung für ihre Facharbeiten im Fach Religion freuten sich Maria Kuhlmann (3. Platz), Melina Reuß (1. Platz) und Hannah Lining (2. Platz) (vorne von links), hier zusammen mit (hinten von links) Joachim Reimann von der Darlehnskasse Münster, Dr. Erhard Holze von der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Uni Münster, Prof. Dr. Claus Peter Sajak von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Münster und Lisa-Marie Mansfeld, wissenschaftliche Mitarbeiterin (Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann)

Moers/Münster. Wie lässt sich heute über Gott sprechen angesichts des Leids, das den europäischen Juden widerfahren ist? Diese Frage hat Melina Reuß bei ihrer Facharbeit im Fach Religion begleitet. Die Gymnasialschülerin der Rheinkamp Europaschule Moers hat sich mit der Theodizeefrage beschäftigt, also der Frage, warum Gott das Leid in der Welt zulässt.

Mit ihrer Arbeit hat sie den ersten Platz des Facharbeitswettbewerbs belegt, der im Jahr des Reformationsgedenkens erstmals ökumenisch durchgeführt wurde. Bei einer Feierstunde in der Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster am 5. Juli erfuhren die Schülerin sowie die Zweitplatzierte Hannah Lining vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Hamm und die Drittplatzierte Maria Kuhlmann vom Gymnasium Petrinum in Recklinghausen von ihrem Erfolg. Dafür erhielten sie von der Darlehnskasse Münster gestiftete Preisgelder in Höhe von 300, 200 und 100 Euro. Ausgeschrieben hatten den Wettbewerb das Bischöfliche Generalvikariat, die Akademie Franz-Hitze-Haus, die Katholisch-Theologische und die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Münster und die Evangelische Kirchenkreise Hamm, Münster, Steinfurt-Coesfeld-Borken und Tecklenburg sowie die Bezirksregierung Münster.

Grundlage für Melina Reuß´ Arbeit war die Analyse des Romans „Die Nacht zu begraben, Elischa“ des jüdischen Schriftstellers Elie Wiesel. Er war Überlebender des Holocaust und erhielt 1986 den Friedensnobelpreis für sein Engagement im Kampf gegen Unterdrückung und Rassismus. Jurymitglied Prof. Dr. Claus Peter Sajak von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Münster würdigte die Arbeit der Schülerin: „In der Auseinandersetzung mit Elie Wiesels erschütternder autobiographischer Erzählung hat sich Frau Reuß diesem Thema theologisch angemessen, sprachlich elegant, aber auch in einer sehr persönlich politisch engagierten Weise gewidmet, vor dem Kontext des Erstarkens des Rechtspopulismus in Europa und auch in unserem Land.“

Hannah Lining hatte sich mit dem Thema „Homosexualität und Kirche“ beschäftigt und untersucht, welchen Standpunkt die Evangelische Landeskirche von Westfalen in Bezug auf kirchliche Ehen von Homosexuellen vertritt und inwiefern dies den christlich-ethischen Grundlagen entspricht. Im Mittelpunkt von Maria Kuhlmanns Facharbeit stand die Frage, wie Kinder sich Gott vorstellen. Die Schülerin hatte im Fach Katholische Religionslehre die Gottesvorstellungen von Kindern unterschiedlichen Alters untersucht und diese mit ausgewählten Modellen der religiösen Entwicklung verglichen. Insgesamt waren 19 Facharbeiten eingereicht worden.

Vor der Prämierung der besten Arbeiten griff Generalvikar und Kirchenhistoriker Dr. Norbert Köster das Thema „Verkracht, getrennt, versöhnt… Brauchen wir eine neue Reformation?“ auf. Damit hatten sich die Schüler in einer zweieinhalb-tägigen Schülerakademie auseinandergesetzt, die vor der Preisverleihung stattgefunden hatte. Köster beantwortete die Frage in seinem Vortrag: „Das, was Kirchenhistoriker als Reformation bezeichnen, ist eine Epoche. Diese Reformation brauchen wir nicht noch einmal. Was wir aber brauchen ist das Ur-Anliegen Martin Luthers, eine religiöse Erneuerung.“

Aus Sicht Luthers benötige man dazu den Mut, Veraltetes hinter sich zu lassen. „Auch in den Pfarreien machen sich Menschen auf den Weg und prüfen, welche Formen heute noch tragfähig sind“, erklärte Köster und verwies auf den lokalen Pastoralplan. Auch sei es Luther wichtig gewesen, dass der Glaube einen Platz im Alltag bekomme. „Frömmigkeit muss sich im Alltag zeigen“, sagte Köster. Aus katholischer Tradition heraus brauche der Glaube die Erfahrung von Gemeinschaft. „Das brauchen wir nicht nur im Fußballstadion, das brauchen wir auch in unserem Glauben, für unser Herz.“ Der Generalvikar stellte außerdem das Bewusstsein in den Mittelpunkt, dass Kirche Menschen über Grenzen hinweg zusammenführt. „Hierhin liegt eine große Kraft von Integration.“

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