Dr. Peter Seiffert, Chefarzt der Kinderklinik, (r.) mit Frau Dr. med. Katrin Marschner (Frauenklinik) (Fotos: HELIOS)

Duisburg. Im Januar 1997 übernahm Dr. Peter Seiffert die Leitung der Kinderklinik in der heutigen HELIOS St. Johannes Klinik. 20 Jahre voller Verantwortung und Fürsorge für seine kleinen Duisburger Patienten liegen nun schon hinter ihm. Passend zum Jubiläum feiert er zudem in diesem Jahr noch seinen 60. Geburtstag. Zeit also für einen Rückblick auf die kleinen und großen Momente im Krankenhausalltag.

 

Können Sie sich noch an Ihren ersten Tag als Chefarzt in Duisburg erinnern?

Dr. Peter Seiffert: Ja, sehr genau sogar. Ich fuhr mit dem Auto im Januar morgens in die Klinik, die Sonne ging gerade auf und färbte den Himmel rosa. Ein gutes Omen für die Zukunft, dachte ich zuversichtlich, bis mir ein junger Assistenzarzt auf dem Flur meiner neuen Arbeitsstätte ganz trocken sagte, dass ein roter Himmel in Duisburg nicht immer von der Sonne kommt. Seine Anspielung auf die oftmals funkensprühende Stahlindustrie bremste meinen Optimismus aber nur kurz.

 

Haben Sie denn Recht behalten?

Dr. Peter Seiffert: Vor allem in der ersten Zeit kam ich mit Zuversicht allein natürlich nicht allzu weit, da hieß es Ärmel hochkrempeln. Die Abteilung war lange Zeit nur kommissarisch besetzt gewesen und es gab einiges nachzuholen und neu zu organisieren. Von den Dienstplänen über Fortbildungen bis hin zur Arbeit am Patienten. Doch mit der Zeit spielte sich alles ein, ich habe ein tolles Team und mein Beruf macht mir auch heute noch jeden Tag große Freude.

 

Warum sind Sie damals Kinderarzt geworden?

Dr. Peter Seiffert: Eigentlich war es mehr Zufall, denn schon während des Studiums gefielen mir fast alle Fachbereiche. Aber vielleicht ist das auch genau der Grund, denn in der Pädiatrie beschäftigt man sich ja mit der gesamten Bandbreite an Erkrankungen, die ein Kind bekommen kann. Das heißt, von Kopf bis Fuß, kann alles dabei sein. Und dazu kommt, dass wir nicht nur unsere kleinen Patienten sondern immer auch die Familien mitbetreuen. Diese Begegnungen und die Vielfältigkeit sind einzigartig. Zudem sehe ich es als Privileg, den Kindern am Beginn ihres Lebens zur Seite zu stehen. Denn wenn alles gut läuft, haben Sie Ihre Zukunft noch vor sich.

 

Kinder sind also keine kleinen Erwachsenen?

Dr. Peter Seiffert: Das ist richtig. Nicht nur, was die Körperproportionen, die Verfahren oder die Medikamentedosen angeht, die man braucht. Es gibt auch zusätzliche Erkrankungen, die bei Erwachsenen gar nicht auftreten. Kinder haben zudem einen anderen Blick auf die Welt und auf ihre Krankheit. Sie empfinden ihren Klinikaufenthalt dann manchmal als Strafe oder fühlen sich schuldig. Das muss man in der Kommunikation immer berücksichtigen. Außerdem entscheiden die kleinen Patienten nicht für sich selbst, das heißt, die Erziehungsberechtigten müssen intensiv miteinbezogen werden.

 

Sie betreuen auch die ganz Kleinen, die Frühchen, mit einem Gewicht von wenigen hundert Gramm. Haben Sie Berührungsängste?

Dr. Peter Seiffert: Nein, das hatte ich vielleicht ganz zu Beginn als Berufsanfänger. Geblieben ist bis heute allerdings Respekt. Ich beschäftige mich seit über zwanzig Jahren mit Frühgeborenen. Man darf diese kleinen Menschlein nicht unterschätzen. Häufig sind ihre Organe zwar unreif, aber voll funktionsfähig. Frühchen können riechen, sie reagieren ganz unterschiedlich auf Berührungen und auf ihre Umwelt. Auch im Brutkasten sind es schon Persönlichkeiten.

 

Manchmal stirbt ein Patient. Lernt man mit der Zeit, die Erlebnisse nicht mit nach Hause zu nehmen?

Dr. Peter Seiffert: Nein, voneinander trennen kann man das nicht, und vergessen funktioniert auch nicht. Je länger man im Beruf ist, je mehr man an Erfahrung gesammelt hat, desto schwieriger wird es. Es gibt einige Patienten, an die ich mich, mit Bildern vor meinen Augen, immer wieder erinnere. Einige davon sind Kinder, bei denen der Ausgang anders war, als wir es uns gewünscht haben. Aber genauso gibt es glücklicherweise Fälle, wo ich als gestandener Mediziner ob des guten Verlaufs immer noch ins Staunen komme. Wichtig ist, das im Team zu besprechen. Dann nehmen wir uns die Zeit, um uns über die rein medizinischen Fragestellungen hinaus auch mit ethischen auseinandersetzen.

 

Sie feiern nicht nur Ihr Dienstjubiläum sondern auch 60. Geburtstag. Was steht noch auf Ihrer Wunschliste?

Dr. Peter Seiffert: Zum einen hoffe ich, dass sich die nachfolgende Ärztegeneration weiter so für die Pädiatrie und insgesamt die Medizin begeistert wie bisher und dass sie auch zukünftig ausreichend Zeit für ihre Patienten haben werden. Und persönlich wünsche ich mir natürlich, dass meine Familie und ich selbst auch noch lange so gesund bleiben wie jetzt. Dann muss ich mir über das Älterwerden auch keine großartigen Gedanken machen.

 

Kurzbiografie Dr. Peter Seiffert

Auf Sylt geboren, machte er 1976 sein Abitur in Wülfrath und studierte dann an der Kieler Universität Humanmedizin. Dort blieb er die ersten Jahre nach seinem Abschluss und promovierte in der Kinderkardiologie. Nach wissenschaftlichen Aufenthalten in England und Amerika wurde er schließlich Oberarzt in der Kieler Uniklinik. 1995 wechselte er nach Koblenz, am 1. Januar 1997 schließlich wurde er mit jungen (noch) 39 Jahren Chefarzt in Duisburg. Die Schwerpunkte des Familienvaters liegen vor allem in der Kinderkardio- und pneumologie. Steht er gerade nicht am Patientenbett, zieht es ihn meist hoch hinaus, ins Cockpit seines Segelfliegers.

Anlässlich seiner zwei Jubiläen veranstalteten seine Frau, sein Team und zahlreiche Weggefährten ein sehr persönliches Symposium mit renommierten Kollegen seines Faches und würdigten seine Verdienste in der bundesweit erscheinenden Monatsschrift Kinderheilkunde.

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