Christoph Leonhard mit einer sehr seltenen Verrenkung im Sprunggelenk bei der Nachuntersuchung von Dr. Nabil Abdel-Jalil (Fotos: HELIOS)

Duisburg. Als Christoph Leonhard nach einem Unfall beim Schulsport in die Zentrale Notaufnahme der HELIOS St. Johannes Klinik eingeliefert wird, steht sein linker Fuß in einem unnatürlichen Winkel zum Bein. Die Mediziner vor Ort vermuten zunächst einen einfachen Bruch im Sprunggelenk. Doch der chirurgische Leiter der ZNA, Dr. Nabil Abdel-Jalil entdeckt auf den CT-Bildern etwas, das Unfallchirurgen nur sehr selten zu sehen bekommen: Das untere Sprunggelenk ist ausgerenkt, Fersenbein und Sprungbein haben sich komplett verschoben.

„Eigentlich wollte ich nur vermeiden, dass ich meiner Mitschülerin voll auf den Fuß trete“, erklärt Christoph den Grund für den Unfall. Beim Blocken während des Volleyballspiels droht er auf ihrem Fuß zu landen und verdreht sich – ebenso wie sein Fuß beim Aufkommen, als er umknickt. „Erst war der Schmerz gar nicht so schlimm, aber dann kam er doppelt heftig. Ich konnte nicht mehr auftreten.“

Vom Abtei-Gymnasium geht es daher schnell in die Notaufnahme der nahe gelegenen HELIOS St. Johannes Klinik. Die dort angefertigten Röntgenbilder geben dem leitenden Arzt und Unfallchirurg Dr. Nabil Abdel-Jalil Anlass, noch ein detailreicheres CT-Bild anzufertigen. „Schon auf den Röntgenbildern sah die Stellung des Sprunggelenkes  ungewöhnlich aus, was das CT auch klar bestätigte.“ Verlieren zwei gelenkbildende Knochen den Kontakt, verrenken sie sich also, dann sprechen Mediziner von einer Luxation. In der Regel haben ähnliche Unfälle wie der von Christoph zur Folge, dass das sich Sprunggelenk zwischen dem Unterschenkelknochen und der Ferse ausrenkt und Betroffene sich dabei einen Bruch zuziehen. In seinem Fall jedoch befindet sich die Luxation zwischen dem Fersenbein und dem Sprungbein, die beiden Bestandteile des Fußes sind in ihrer Position komplett verschoben. Der Jugendliche beschert dem Chirurgen damit einen Anblick, den nur wenige in ihrer Mediziner-Karriere zu sehen bekommen. Diese Art der Verrenkung ist eine Rarität.

„Normalerweise passen die Knochen wie zwei Puzzleteile ineinander. Bei Christoph passte da gar nichts mehr, deshalb mussten wir sofort operieren.“ Der Facharzt bringt während des Eingriffs die Fußknochen wieder in die richtige Position und fixiert sie mit Drähten. Drei Tage muss Christoph anschließend in der Klinik bleiben, danach darf er mit einer Gipsschiene und auf Krücken nach Hause. Seinen Fuß soll er zunächst gar nicht benutzen und dann so wenig wie möglich belasten.

Dass seine Art der Verrenkung so außergewöhnlich ist, entlockt dem Jugendlichen nur ein müdes Lächeln. Denn er hat gerade ganz andere Dinge im Kopf: Christoph steckt mitten in den Abiturprüfungen. Mit den Gehhilfen tritt er bei den Klausuren in Deutsch, Englisch und Biologie an. „Das war zwar ein wenig umständlich, aber ich glaube, es ist trotzdem gut gelaufen“, sagt er rückblickend. Nach seinem Abitur schwebt dem 18-Jährigen eine Ausbildung in der Forstwirtschaft vor – ein Grund mehr, bald wieder auf den Beinen zu sein.

Trotz des Schlamassels hatte Christoph noch Glück im Unglück. „Bei Verletzungen wie dieser kann auch schnell der Knorpel Schaden nehmen. Da kommt Christoph aber sein Alter zu Gute, denn sein Knorpel ist noch sehr elastisch. Alles sollte ohne bleibende Folgen heilen“, so Dr. Abdel-Jalil. Auch, dass der Schüler so schnell in einer Klinik behandelt wurde, war von Vorteil. Die Knochenunordnung in seinem Fuß hätte die Blutzufuhr in die Extremität behindern können, mit schlimmen Folgen für den jungen Mann. Doch die Kontrolluntersuchung zeigt, dass der Heilungsprozess gut voranschreitet. Die Fäden der Operationswunden können gezogen werden, nun steht die Physiotherapie an. Erste Gehversuche mit einer vorsichtigen Belastung des Fußes sehen schon sicher aus. Jetzt heißt es trainieren und üben – damit Christoph bei seinem Abiball auch wieder fit ist.

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