Die Sängerin und Schauspielerin Katrin Schinköth-Haase gibt die Waldoff sehr modern – rotzig, warmherzig und stark – mit einer beeindruckenden Stimme (Foto: privat)

Oberhausen. Der Claire-Waldoff-Abend zu Ehren des 60. Todesjahres des „Sterns von Berlin“ findet am 06. Mai 2017 um 20.00 Uhr im Theater an der Niebuhrg statt. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen.

Claire Waldoff führte ein Leben, das erzählt werden muss. Katrin Schinköth-Haase setzt mit Waldoff-Liedern und Texten einige Blitzlichter auf das Wirken und Schaffen einer Frau, die sich in jeder Lebenslage treu geblieben ist und sagen konnte „Ich habe nie für die feinen Pinkels gesungen“.

Die Sängerin und Schauspielerin Katrin Schinköth-Haase gibt die Waldoff sehr modern – rotzig, warmherzig und stark – mit einer beeindruckenden Stimme. Wie sie da so steht in weitem Männerhemd, mit rotem Schlips und flammendem Haar wirkt sie schon rein äußerlich wie eine Reinkarnation der einstigen Kabarettkönigin. Sie ist der legendären Berliner Kabarettistin und Chansonnette ebenbürtig.

Clara Wortmann, geboren 1884, rothaariges Kuckuckskind, bekanntermaßen nicht die Tochter ihres Vaters, wächst auf in Gelsenkirchen, verprügelt Jungs, geht aufs erste Mädchengymnasium im damaligen Kaiserreich und schmeißt ihr Abitur für ein Leben als Künstlerin.

Sie tingelt mit Theatergruppen durchs Land, ernährt sich von Zigaretten und Tee, verfeiert ihr bisschen Geld mit Freunden. 1906 geht sie nach Berlin, steht 1907 das erste Mal auf einer Kabarettbühne und singt, gegen den Willen des Intendanten, ihr „Schmackeduzchen“. Einen Tag später ist sie der „Stern von Berlin“ – Claire Waldoff.

Sie lebt schnell, laut und intensiv; niemand grölt so empfindsam wie sie. Ihre Lieder werden auf der Straße gepfiffen, sie ist die bestbezahlte Künstlerin in ganz Berlin, verkauft massenhaft Schallplatten und – kauft sich eine Gartenlaube.

Ihr „Wer schmeißt denn da mit Lehm“ ist der Soundtrack zur Weltwirtschaftskrise. Sie füttert ihre Freunde (meistens Maler) durch, lebt in einer Dauerbeziehung mit einer Frau – Olly von Roeder. Sie ist emanzipiert, bevor es das Wort gibt, und vermarktet sich ein Leben lang selber.

Bei den Obrigkeiten eckt sie an, aber von den Bühnen kriegt sie keiner, das Kaiserreich nicht und die Nazis auch nicht. Ihr „Hermann heeßt er“ wird im Volksmund zum Spottlied auf Hermann Göring. Joseph Goebbels, der Bock vom Babelsberg, muss „damit leben, dass es sie gibt“.

Erst ein Schlaganfall bremst diese Frau, die, nach einigen Konzerten in Westberlin, die erstmals nicht ausverkauft waren, selber bekennt, dass „eben alles mal ein Ende hat“. Claire Waldoff stirbt am 22. Januar 1957. Im Friedrichstadtpalast steht das Publikum für eine Gedenkminute auf.

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