Prof. Dr. Robert Hierner und Dr. Lorena Hierner vom Department für Plastische, Ästhetische, Wiederherstellungs- und Handchirurgie am Krankenhaus Bethanien stellen das neue Narbenzentrum Niederrhein vor (Foto: KBM/Archiv)

Moers. Das neue „Narbenzentrum Niederrhein“ am Krankenhaus Bethanien lädt am kommenden Mittwoch (3. Mai) erstmals zu einem Informationsabend ins Krankenhaus Bethanien ein. Spezialisten klären über Behandlungsmöglichkeiten auf und beantworten Fragen.

Nach einer Operation oder Verletzung bleiben oft Narben zurück. Manche sind kaum sichtbar, andere sehen unschön aus und stören. Wie solche Narben durch die richtige medizinische Behandlung möglichst zum Verschwinden gebracht werden, erklären Ärzte des neuen Narbenzentrums Niederrhein am Mittwoch, den 3. Mai ab 17.30 Uhr in der Personalcafeteria des Krankenhauses Bethanien. Es ist die erste Veranstaltung, die das Zentrum für Patientinnen und Patienten organisiert. Prof. Dr. Robert Hierner und Dr. Lorena Hierner vom Department für Plastische, Ästhetische, Wiederherstellungs- und Handchirurgie des Bethanien-Krankenhauses informieren über Möglichkeiten der Narbentherapie und stellen die neu eingerichtete Narben-Spezialsprechstunde vor. Die Sprechstunde wendet sich an Menschen, die unter Narben aller Art leiden. „Narben können zu funktionellen, ästhetischen und auch psychischen Beeinträchtigungen führen. Eine Therapie, die auf die Patientin oder den Patienten angepasst und zwischen allen Behandelnden abgestimmt ist, kann den Narben allerdings sehr erfolgreich entgegenwirken. Das gilt auch für ältere Narben“, so Prof. Hierner.

Die über die Region hinaus bekannte Chirurg beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Narben richtig und effektiv behandelt werden können. „Narben sind der Endpunkt der Wundheilung und ein Reparaturvorgang, bei dem das ursprüngliche Gewebe durch einförmiges Fasergewebe ersetzt wird. Dies hat zur Folge, dass das Gewebe im Vergleich zur Hautumgebung anders aussieht und einer spezialisierten Behandlung bedarf.“ Eine große Patientengruppe des Narbenzentrums sind Frauen mit einer Kaiserschnittnarbe. „Viele junge Mütter, die ihr Kind mithilfe eines Kaiserschnitts bekommen haben, fühlen sich mit der Narbe auf dem Bauch nach einiger Zeit nicht mehr wohl. Mit einem abgestimmten Therapiekonzept, das verschiedene Behandlungsmaßnahmen beinhaltet, können wir die Sichtbarkeit solcher Narben deutlich vermindern“, so Prof. Hierner.

In früheren Zeiten galten Narben als Ausdruck besonderen Mutes oder Stärke, nicht nur bei Männern. In der heutigen Zeit werden Narben jedoch „eher negativ gesehen“, wie Prof. Hierner betont. „Narben stellen oft eine Kennzeichnung dar. Sie sind Kennzeichnung einer Verletzung, einer Operation manchmal auch einer psychischen Erkrankung. Damit beeinträchtigen Narben das Körperbild und das Selbstwertgefühl.“ Als Ergebnis jahrelanger Forschung und Behandlung hatte Prof. Hierner bereits vor Jahren in Belgien mit einem Kollegen ein sogenanntes integratives Narben-Therapiekonzept erarbeitet und publiziert, mit dem sich bei den meisten Patienten eine deutliche Verbesserung erzielen lasse, wie der Mediziner berichtet. Bei dem Therapiekonzept handelt es sich um ein phasenabhängiges, standardisiertes Behandlungsprogramm, dass die Bereiche Vermeidung, Unterdrückung, Korrektur und die operative oder nicht-operative Bedeckung von Narben umfasst.

„Die beste Narbentherapie ist natürlich die Vermeidung einer Narbe“, sagt der Chirurg. In diesem Sinne zielt eine integrative Narbentherapie auch auf den Einsatz narbensparender Operationsverfahren ab. Gemeint sind zum Beispiel minimal-invasive und endoskopische Verfahren. „Durch gezielte Aufklärung bei Ärzten und Patienten sollte es möglich sein, chirurgische Nahttechniken so anzuwenden, dass unauffällige und akzeptable Narben erzielt werden.“ Durch endoskopisch assistierte Vorgehensweisen etwa kann die Narbenlänge deutlich reduziert werden, außerdem kann der Operateur Narben an weniger sichtbare Stellen des Körpers „verlagern“. Allerdings gilt: Wenn Narben zum Verschwinden gebracht werden sollen, müssen alle Behandler die Grundprinzipien der ungestörten Wundheilung beachten.

Ein wichtiger Kooperationspartner im Narbenzentrum Niederrhein ist die Strahlentherapie Duisburg-Moers, deren Moerser Praxis sich auf dem Bethanien-Campus befindet. Der dort tätige Strahlentherapeut Dr. Thomas Schwerdtfeger wird beim Infoabend vortragen, welche Möglichkeiten sein Fachgebiet zur Verfügung hat um Narben zu verringern: Mit niedrigen Strahlendosen kann nämlich bereits die Narbenbildung nach einer Operation deutlich verringert werden. Nach den Arztvorträgen werden notwendige Hilfsmittel für die Narbentherapie vorgestellt. Information und Beratung bietet außerdem ein Infostand des Sanitätshauses HODEY, das ebenfalls Teil des Narbenzentrums Niederrhein ist. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Infoabend

Mi, 3. Mai 2017 von 17.30 bis 19 Uhr

„Wie Narben verblassen – Möglichkeiten der Narbentherapie“

Personalcafeteria des Krankenhauses Bethanien, Bethanienstr. 21

Anzeigen