Kevin Idahosa ist der erste sogenannte „PJler“ an der HELIOS St. Elisabeth Klinik Oberhausen (Foto: HELIOS)

Oberhausen. Seit kurzem hat die HELIOS St. Elisabeth Klinik Oberhausen die Zulassung, um Medizinstudenten im Praktischen Jahr (PJ) als Lehrkrankenhaus einen Einblick in den Berufsalltag als Arzt oder Ärztin in einer Klinik zu geben. Kevin Idahosa ist jetzt der erste, der als sogenannter PJ’ler zunächst den Operateuren der Klinik für Allgemein-, Viszeralchirurgie und Koloproktologie über die Schulter schaut – und ihnen unter Anleitung auch assistiert.

Sein erster Tag glich einem kalten Sprung ins Wasser. „Kaum angekommen, durfte ich schon bei einer Hernien-Operation dabei sein. Das kam unerwartet, aber ich habe mich gefreut, dass ich direkt so eingebunden wurde“, sagt Kevin Idahosa. Anstatt im Hörsaal der medizinischen Theorie zu folgen oder am heimischen Schreibtisch zu lernen, gewinnt er derzeit als PJler in der HELIOS Klinik in Styrum Einblicke in den praktischen Berufsalltag als Arzt in einem Krankenhaus. Visiten, klinische Konferenzen, Besprechungen und Assistenz im OP-Saal gehören gerade zu seinem Tagesablauf. Neben dem Bedside-Teaching – dem Lehren und Lernen direkt am Patientenbett – ist natürlich das Operieren mit Abstand das Spannendste für den angehenden Arzt. Kevin Idahosa hat bereits beim Beheben von Bauchwand- und Leistenbrüchen geholfen und bei verschiedenen laparoskopischen, also minimal-invasiven Eingriffen durch die Bauchdecke, assistiert – immer unter Aufsicht und Anleitung der erfahrenen Chirurgen der Abteilung. Wie ein „Hakenhalter“, zu dem ein PJler manchmal bei seinen ersten Praxiseinsätzen degradiert wird, fühlt er sich dabei allerdings nicht.  „Jeder fängt mal klein an. Und ja, dem Operateur mit den Haken die Sicht freizuhalten, gehörte zu meinen bisherigen Aufgaben. Aber selbst das bloße Zuschauen ist lehrreich“, sagt der 27-Jährige. Sein bisheriges Highlight: Eine Magenresektion. Prof. Dr. Mike Ralf Langenbach, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeralchirurgie und Koloproktologie freut sich über den Einsatz des Studenten: „Die Chirurgie ist ein sehr verantwortungsvoller Teilbereich der Medizin. Deshalb nehmen wir gerne die Chance wahr, uns an der Ausbildung qualifizierter Ärzte zu beteiligen. Gleichzeitig spricht die Zulassung zum Lehrkrankenhaus für die medizinische Qualität des Hauses.“ Zwei seiner vier Monate in der HELIOS Klinik wird Kevin in der Allgemeinchirurgischen Fachabteilung verbringen, einen Monat in der Orthopädie und Unfallchirurgie, den letzten in der Wirbelsäulenchirurgie.

Sein Medizinstudium absolviert Kevin Idahosa an der Universität Witten/Herdecke. Laut Studienplan ist das letzte Jahr für das Praktische Jahr vorgesehen. Es besteht aus 48 Wochen, die sich wiederum auf drei „Tertiale“ aufteilen. Je ein Tertial in der Chirurgie und im Bereich der Inneren Medizin ist Pflicht, das dritte kann der Student für einen Einblick in die Allgemeinmedizin oder in frei gewähltes, anderes klinisch-praktisches Fachgebiet nutzen. Das erste Tertial absolvierte Kevin in einer Klinik in Bochum. Mit dem Wahlfach will der junge Mann die Chance ergreifen, die Neurologie näher kennenzulernen. Der Schwerpunkt, der sich mit dem Nervensystem befasst, reizt ihn. Vielleicht will er sich darauf in seiner späteren Facharztausbildung festlegen. Der Berufswunsch „Arzt“ entstand bei ihm hingegen schon früh: „Meine Lieblingsserie als Kind war ‚Es war einmal das Leben‘, in der die Zusammenhänge im menschlichen Körper auf einfache Weise erklärt werden. Außerdem habe ich mir damals aus der Enzyklopädie-Sammlung meiner Eltern immer die Kapitel zum Thema Medizin herausgesucht“, sagt er. Ein Schreibtischjob? „Nichts für mich. Mein Ziel ist der klinische Dienst und die Arbeit mit Patienten.“ Ein Ziel, dem er mit dem zweiten Tertial seines praktischen Jahres in Oberhausen schon wieder näher gekommen ist.

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